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Vatican News

Papst vor Irakreise: Die Jesiden haben sehr viel gelitten

Diesen Freitag will Franziskus als erster Papst den Irak bereisen. Vor der Visite hat das Oberhaupt der katholischen Kirche diesen Donnerstag per Videobotschaft alle Religionen zu Zusammenarbeit und Dialog aufgerufen. Explizit erwähnte er nicht nur das Leiden der Christen, sondern auch der Minderheit der Jesiden.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Es sei ihm schon lange ein Anliegen, den Irak besuchen zu können, wiederholt Papst Franziskus zu Beginn seiner Videobotschaft. Auch was er sich von seiner Reise erhofft, erklärt er noch einmal: Vergebung, Versöhnung und Frieden für das Land, das schon so lange von Krieg und Terror gezeichnet ist:

„Ich komme zu Euch als Friedenspilger, um zu wiederholen: „Ihr seid alle Brüder“ (Mt 23,8). Ja, ich komme als Friedenspilger auf der Suche nach Geschwisterlichkeit, getrieben vom Wunsch gemeinsam zu beten und uns gemeinsam auf den Weg zu machen, auch mit den Brüdern und Schwestern anderer religiöser Traditionen – im Zeichen des Vaters Abraham, der Muslime, Juden und Christen in einer Familie vereint.“

„Ich komme zu Euch als Friedenspilger, um zu wiederholen: „Ihr seid alle Brüder“ (Mt 23,8)“

Hier im Audio: Papst Franziskus vor seiner Irakreise - Aufruf zu Dialog der Religionen

Das Leid der Jesiden

Explizit erwähnt der Papst in seiner Videobotschaft das Leid der verfolgten Minderheit der Jesiden im Irak:

„Liebe Brüder und Schwestern, ich habe in diesen Jahren viel an euch gedacht, an euch, die ihr so viel gelitten, aber nicht aufgegeben habt. An euch Christen, an euch Muslime; an euch Völker, wie etwa das jesidische Volk, die Jesiden, die sehr, sehr gelitten haben; alle Brüder und Schwestern, alle..“

Der jesidische Glauben ist die Ursprungsreligion der Kurden. Er ist vor allem im Nordirak, aber auch im Iran, in der Türkei und in Syrien verbreitet. Die größte Exil-Gemeinschaft gibt es übrigens in Deutschland. Die monotheistische Religion ist rund 4000 Jahre alt und vereint Elemente altorientalischer Religionen. Die Jesiden sind besonders oft Opfer von Diskriminierung und Verfolgung - wohl deshalb war es dem Papst ein besonderes Anliegen, auch sie eigens zu nennen. Insbesondere die Terrormiliz IS hat die Glaubensgemeinschaft im Visier, ebenso wie die Christen. Auch auf ihre Situation geht Franziskus ein:

„Mögen uns die vielen - zu vielen - Märtyrer, die ihr getroffen habt, helfen, die bescheidene Kraft der Liebe zu bewahren. Ihr habt die Bilder von zerstörten Häusern und geschändeten Kirchen noch vor Augen, in euren Herzen schmerzen die Wunden all dessen, was ihr zurücklassen musstet und eurer verlassenen Häuser. Ich möchte euch die zärtliche Umarmung der ganzen Kirche bringen, die euch und dem ganzen gemarterten Nahen Osten nahe ist und euch ermutigt, nach vorne zu schauen. Lasst nicht zu, dass das schreckliche Leid, das ihr erlebt habt und das mich sehr schmerzt, Oberhand gewinnt.“

Seine Botschaft beschließt Franziskus mit einem eindringlichen Aufruf zu Diaolog und Zusammenarbeit der verschiedenen Religionen für eine bessere Welt, der ganz im Sinne seiner jüngsten Enzyklika, „Fratelli tutti“ steht:

Aufruf zu Geschwisterlichkeit

„Helfen wir uns in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie, helfen wir uns, die Geschwisterlichkeit zu stärken, um gemeinsam eine friedliche Zukunft zu gestalten. Gemeinsam: Brüder und Schwestern jeglicher religiösen Tradition. Bei euch (im Irak) hat Abraham vor tausenden von Jahren seinen Weg begonnen. Heute liegt es an uns, ihn weiter zu gehen, in der gleichen Gesinnung, indem wir gemeinsam Wege des Friedens gehen. Von daher erbitte ich für euch alle den Frieden und Segen des Allermächtigsten. Und euch alle bitte ich, dasselbe zu tun, wie Abraham: Mit Hoffnung weiter zu gehen, immer die Sterne im Blick. Ich bitte euch auch alle, mich im Gebet zu begleiten. Shukran! [Danke!]”

Papst Franziskus reist vom 5. bis 8. März in das Zweistromland. Es ist die erste Auslandsreise des Kirchenoberhaupts seit Beginn der Pandemie. Unter anderem will Franziskus mit Staatspräsident Barham Salih und Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi zusammentreffen, mit dem Oberhaupt der Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani sowie etlichen christlichen Führungspersönlichkeiten. Neben der Hauptstadt Bagdad will Franziskus auf seiner 33. Auslandsreise die einstige IS-Hochburg Mossul ebenso besuchen wie die Stadt Karakosch, aus der die Islamisten Zehntausende Christen vertrieben. Am Sonntag wird er in Erbil, Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, einen großen Gottesdienst feiern. Tags zuvor ist in der Ebene von Ur, der Heimat des für Juden, Christen und Muslimen wichtigen Stammvaters Abraham, ein interreligiöses und interkonfessionelles Treffen vorgesehen.

(vatican news/diverse – sst)

04 März 2021, 10:31