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Papst Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch nach seiner Irakreise Papst Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch nach seiner Irakreise  (Vatican Media)

Auch Papst Franziskus nennt seine Irak-Reise „historisch“

Viele Medien haben in den letzten Tagen die überragende Bedeutung der Irak-Reise des Papstes hervorgehoben. An diesem Mittwoch nun befand auch Franziskus selbst, seine Visite an Euphrat und Tigris sei „historisch“ gewesen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Bei seiner Generalaudienz, die aus dem Apostolischen Palast des Vatikans live nach draußen übertragen wurde, zeigte sich der Papst sehr zufrieden mit der Reise, die ihn vom 5. bis 8. März u.a. nach Bagdad, ins biblische Ur und in den Nordirak geführt hat. „Nie zuvor war ein Papst im Lande Abrahams gewesen! Die Vorsehung wollte es so, dass das jetzt möglich wurde: als Zeichen der Hoffnung nach Jahren des Krieges und des Terrorismus, und während einer schlimmen Pandemie.“

Er sei „voller Dankbarkeit“, sagte der Papst. Und dann führte er aus, was er in einer Rede in Bagdad nur kurz angetippt hatte: dass seine Reise nämlich auch ein „Element des Büßens“ hatte.

Das Kreuz einer gemarterten Kirche

„Ich konnte mich diesem gemarterten Volk, dieser gemarterten Kirche nicht nähern, ohne im Namen der katholischen Kirche das Kreuz auf mich zu nehmen, das sie seit Jahren tragen – ein großes Kreuz, wie das, das am Eingang von Karakosch steht. Ich spürte es in besonderer Weise, als ich die noch blutenden Wunden der Zerstörung sah, und noch mehr, als ich die Menschen traf und ihnen zuhörte, die die Gewalt, die Verfolgung und das Exil überlebt haben...“

Dennoch sei es auch eine sehr freudige, von Hoffnung durchzogene Reise gewesen, sagte Franziskus. Und er nutzte die Gelegenheit für einen Appell an die Weltöffentlichkeit: „Das irakische Volk hat das Recht, in Frieden zu leben! Es hat das Recht, die Würde wiederzufinden, die ihm zusteht. Seine religiösen und kulturellen Wurzeln sind Jahrtausende alt: Mesopotamien ist die Wiege der Zivilisation; Bagdad war im Lauf der Geschichte eine Stadt von herausragender Bedeutung, die über Jahrhunderte die reichste Bibliothek der Welt beherbergte.“

Zum Nachhören: Bei seiner Generalaudienz zieht Papst Franziskus eine Bilanz seiner Reise in den Irak

Der Krieg ist ein Ungeheuer

Zerstört worden sei all das durch Krieg – ein „Ungeheuer“, das die Menschheit immer von neuem angreife. „Aber die Antwort auf Krieg ist nicht ein weiterer Krieg, die Antwort auf Waffen sind nicht noch mehr Waffen! - Und ich fragte mich: wer hat den Terroristen die Waffen verkauft? Wer verkauft heute die Waffen an Terroristen, die woanders für Massaker sorgen? Denken wir beispielsweise an Afrika. Das ist eine Frage, von der ich gerne hätte, dass jemand darauf antwortet. Die Antwort [auf die Nutzung von Waffen, Anm.] lautet: Geschwisterlichkeit. Das ist die Herausforderung für den Irak, aber nicht nur: Es ist die Herausforderung für viele Konfliktregionen, und letztlich ist die Geschwisterlichkeit die Herausforderung für die ganze Welt.“

„Wer hat den Terroristen die Waffen verkauft?“

Geschwisterlichkeit sei der rote Faden seiner Reise an die Bruchlinien des Irak gewesen, sagte Franziskus. Darum habe er auch das Jesuswort „Ihr seid alle Brüder“ als Motto der Visite ausgewählt. In Ur, der Heimat Abrahams, sei klar geworden, dass Gott seinen Verheißungen treu bleibe „und auch heute noch unsere Schritte des Friedens lenkt“. Ein Termin des Papstes in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad habe daran erinnert, dass dort 2010 bei einem Anschlag 48 Menschen starben und dass die Kirche im Irak „eine Märtyrerkirche“ sei.

Aufruf zur Rückkehr

„Eine Botschaft der Geschwisterlichkeit haben wir auch von Mossul und von Karakosch aus lanciert. Die Besetzung durch den IS hat Abertausende Einwohner in die Flucht geschlagen, darunter viele Christen verschiedener Konfessionen und andere verfolgte Minderheiten, insbesondere Jesiden. Die alte Identität dieser Städte wurde zerstört. Jetzt kämpfen sie um den Wiederaufbau; die Muslime laden die Christen zur Rückkehr ein, und gemeinsam bauen sie Kirchen und Moscheen wieder auf.“

Der Papst bat um Gebet für alle, die nach so viel erlittenem Leid jetzt die Kraft für einen Neuanfang und für den Wiederaufbau brauchen. „Und wenn ich an die vielen irakischen Emigranten denke, möchte ich ihnen sagen: Ihr habt alles verlassen, wie Abraham; behaltet wie er den Glauben und die Hoffnung, und verbreitet Freundschaft und Geschwisterlichkeit, wo auch immer ihr seid!“ Wenn sie könnten, sollten sie außerdem in ihre Heimat zurückkehren, fügte Franziskus hinzu - ein Appell, der nicht in seinem Redemanuskript stand.

„Geschwisterlichkeit macht keinen Lärm“

„Liebe Brüder und Schwestern, wir loben Gott für diesen historischen Besuch, und wir beten weiterhin für dieses Land und den Nahen Osten. Im Irak sind trotz des Lärms von Zerstörung und Waffen die Palmen, das Symbol des Landes und seiner Hoffnung, weiter gewachsen und haben Früchte getragen. So ist es auch mit der Geschwisterlichkeit: Sie macht keinen Lärm, aber sie ist fruchtbar und lässt uns wachsen.“
(vatican news – sk)
 

10 März 2021, 09:53