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Vatican News

Generalaudienz: Die Katechese im Wortlaut

Hier die Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz im Vatikan gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Die amtliche Fassung finden Sie in Kürze auf der Homepage des Vatikan.

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute wollen wir noch einmal über das Gebet in Verbindung mit der Heiligsten Dreifaltigkeit nachdenken, besonders mit dem Heiligen Geist.

Das erste Geschenk des christlichen Daseins ist der Heilige Geist. Er ist nicht eines der vielen Geschenke; er ist das größte Geschenk. Der Geist ist das Geschenk, das uns Jesus verheißen hat. Ohne den Geist gibt es keine Beziehung zu Christus und zum Vater. Der Geist ist es nämlich, der unser Herz für die Gegenwart Gottes öffnet und es in jenen „Liebestaumel“ eintreten lässt, der das Herz Gottes selbst ist. Wir sind nicht nur Gäste und Pilger auf Erden, wir sind auch Gäste und Pilger im Geheimnis der Dreifaltigkeit. Wir sind wie Abraham, der eines Tages, als er drei Wanderer in sein Zelt aufnahm, Gott begegnet ist. Wenn wir Gott wirklich anrufen können, indem wir ihn „Abba - Vater“ nennen, dann können wir das deshalb, weil der Heilige Geist in uns wohnt; er ist es, der uns in unserem Innersten verwandelt und uns die ergreifende Freude erleben lässt, die darin liegt, von Gott als wahre Kinder geliebt zu werden. Der innere spirituelle Weg, der uns Gott nahebringt, ist Werk des Heiligen Geistes. Er "arbeitet" in uns, damit wir in unserem christlichen Leben vorankommen, dem Vater mit Jesus entgegengehen.

Im Katechismus heißt es dazu: „Jedesmal, wenn wir beginnen zu Jesus zu beten, lockt uns der Heilige Geist durch seine zuvorkommende Gnade auf den Weg des Betens. Er lehrt uns beten, indem er uns an Christus erinnert; wie sollten wir dann nicht auch zu ihm selbst beten? Deshalb lädt uns die Kirche ein, jeden Tag um den Heiligen Geist zu flehen, besonders zu Beginn und am Ende jeder wichtigen Tätigkeit“ (Nr. 2670).

Das ist das Werk, das der Geist in uns bewirkt. Er „erinnert“ uns an Jesus und macht ihn gegenwärtig - wir können sagen, dass er unser trinitarisches Gedächtnis ist, das Gedächtnis Gottes, der in  uns wohnt -, so dass Jesus nicht auf eine Figur der Vergangenheit reduziert wird: Der Geist macht Jesus also in unserem Bewusstsein gegenwärtig. Wenn Christus nur zeitlich weit weg wäre, dann wären wir in der Welt allein und verloren. Ja, wir würden uns an Jesus erinnern, irgendwo, weit weg, aber der Geist ist es, der ihn heute, in diesem Moment, in unsere Herzen trägt. Im Geist wird alles belebt: den Christen zu jeder Zeit und an jedem Ort steht die Möglichkeit offen, Christus zu begegnen. Es besteht die Möglichkeit, Christus nicht nur als historischer Figur zu begegnen. Nein: der Geist  zieht Christus in unsere Herzen; er ist es, der uns Christus begegnen lässt. Er ist nicht fern, er ist bei uns: Jesus erzieht immer noch seine Jünger, indem er ihre Herzen verwandelt, wie er es bei Petrus und Paulus, bei Maria von Magdala getan hat, mit allen Aposteln. Aber warum ist Jesus gegenwärtig? Weil ihn der Geist zu uns bringt.

Und diese Erfahrung haben viele Betende gemacht: Männer und Frauen, die der Heilige Geist nach dem Modell Christi geformt hat, in der Barmherzigkeit, im Dienst, im Gebet, in der Katechese... Es ist eine Gnade, solchen Menschen zu begegnen: Man merkt, dass in ihnen ein anderes Leben pulsiert, sie einen Blick haben, der über die Dinge „hinaussieht.“ Und damit sind nicht nur Mönche und Einsiedler gemeint, sondern auch einfache Menschen: Menschen, deren Dialog mit Gott eine lange Geschichte hat, ja die manchmal auch Zeiten des inneren Kampfes erlebt haben, der den Glauben reinigt. Diese demütigen Zeugen haben Gott im Evangelium gesucht, in der Eucharistie, die sie empfangen und angebetet haben, im Angesicht ihrer notleidenden Brüder und Schwestern, und sie hüten seine Gegenwart wie ein stilles Feuer.

Die erste Aufgabe der Christen besteht darin, das Feuer weiterbrennen zu lassen, das Jesus auf die Erde gebracht hat (vgl. Lk 12,49). Und was ist dieses Feuer? Es ist die Liebe, die Liebe Gottes, der Heilige Geist. Ohne das Feuer des Geistes werden Prophezeiungen ausgelöscht, gibt es statt Freude Traurigkeit, statt Liebe Gewohnheit, wird Dienen zum Sklavendienst. Da kommt mir das Bild der brennenden Lampe neben dem Tabernakel, in dem die Eucharistie aufbewahrt wird, in den Sinn. Selbst wenn die Kirche leer ist und es Abend wird, selbst wenn die Kirche geschlossen ist, bleibt diese Lampe angezündet, brennt weiter: niemand sieht sie, und doch brennt sie vor dem Herrn. Und so auch der Heilige Geist in unserem Herzen; er ist immer gegenwärtig, wie diese Lampe.

Weiter heißt es im Katechismus: „Der Heilige Geist, dessen Salbung unser ganzes Wesen erfüllt, ist der innere Lehrmeister des christlichen Betens. Er ist der Urheber der lebendigen Überlieferung des Gebetes. Es lassen sich wohl eben so viele Wege des Betens finden, wie es betende Menschen gibt, doch wirkt in allen und mit allen der gleiche Geist. In der Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist das christliche Beten Gebet in der Kirche“ (Nr. 2672).

Wie oft kommt es vor, dass wir nicht beten, dass uns nicht danach ist oder wir nur beten wie die Papageien: mit dem Mund, aber nicht mit dem Herzen. Und das ist der Moment, in dem wir zum Geist sagen sollten: Komm, komm Heiliger Geist, erwärme mein Herz. Komm und lehre mich, wie man betet; lehre mich, wie man auf den Vater schaut, auf den Sohn. Lehre mich, was der Weg des Glaubens ist. Lehre mich zu lieben - und vor allem lehre mich, eine Haltung der Hoffnung zu haben. Wir müssen den Geist immer wieder rufen, damit er in unserem Leben gegenwärtig ist.

Es ist also der Geist, der die Geschichte der Kirche und der Welt schreibt. Wir sind wie leere Seiten, bereit, von ihm beschrieben zu werden. In jedem von uns komponiert der Geist originelle Werke, denn es gibt keinen Christen, der mit einem anderen völlig identisch wäre. Auf dem unendlichen Feld der Heiligkeit lässt der eine Gott, Dreifaltigkeit der Liebe, die Vielfalt der Zeugen erblühen: alle gleich an Würde, aber auch einzigartig in der Schönheit, die der Geist all jenen schenken wollte, die das Erbarmen Gottes zu seinen Kindern gemacht hat. Vergessen wir nicht: Der Geist ist gegenwärtig, er ist in uns gegenwärtig. Hören wir auf den Geist, rufen wir den Geist - er ist das Geschenk, das Gott uns gegeben hat - und sagen wir zu ihm: "Heiliger Geist, ich weiß nicht, wie du aussiehst, ich kenne dein Gesicht nicht  - wir kennen es nicht -,  aber ich weiß, dass du die Kraft, das Licht bist; dass du es vermagst, mich vorangehen zu lassen und mich zu lehren, wie man betet. Komm Heiliger Geist". Ein wunderschönes Gebet, dieses "Komm, Heiliger Geist".

In seinen Grüßen an die Gläubigen deutscher Sprache sagte Papst Franziskus:

Liebe deutschsprachige Brüder und Schwestern, bitten wir täglich um die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Er erinnert uns an alles, was Jesus gesagt und getan hat und hilft uns, in Gottes Sinn zu denken, zu reden und zu handeln.

 

(vaticannews - skr)
 

17 März 2021, 11:12