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Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch  (Vatican Media)

Papst Franziskus: „Es gibt nur zwei Herren in der Welt... “

Wenn’s um Wirtschaft und Soziales geht, greift Papst Franziskus gern mal zu prägnanten Formulierungen. „Diese Wirtschaft tötet“, befand er 2013 in seiner Programmschrift „Evangelii gaudium“. Bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch fasste er es ähnlich pointiert: „Es gibt zwei Herren in der Welt, zwei. Mehr nicht. Gott und das Geld.“

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Dabei ging es in seiner Katechese eigentlich, wie in der Karwoche üblich, um den genauen Sinngehalt der Riten dieser Tage, von Gründonnerstag bis Ostern. Der Papst aus Argentinien allerdings nutzte eine periphere Bemerkung aus den Osterevangelien, um ein bisschen abzuschweifen.

„Ich möchte gerne darüber nachdenken: Die Wachen, die Soldaten, die im Grab waren, damit die Jünger nicht kämen und den Körper mitnähmen – die haben es gesehen! Sie haben ihn (den Auferstandenen) lebend und auferstanden gesehen. Die Feinde haben es gesehen! Und dann haben sie so getan, als hätten sie es nicht gesehen. Warum? Weil sie bezahlt wurden. Hier liegt das Geheimnis, das wahre Geheimnis dessen, was Jesus einmal gesagt hat: Wer dem Geld dient, ist gegen Gott. Und hier hat das Geld die Wahrheit verdreht. Sie hatten das Wunder der Auferstehung gesehen, aber sie sind bezahlt worden, um zu schweigen…“

„Es ist, als gingen wir zum Kalvarienberg...“

Franziskus wirkte bei dieser Generalaudienz, die wegen der Corona-Beschränkungen nur im Livestream aus dem Innern des Apostolischen Palastes nach draußen übertragen wurde, ungewöhnlich ernst, fast bedrückt. Wir seien ja schon, so sagte er in seiner Katechese, „in die spirituelle Atmosphäre der Karwoche eingetaucht“.

„Von morgen (Donnerstag) bis Sonntag erleben wir die zentralen Tage des liturgischen Jahres, in denen wir das Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn feiern. Und dieses Geheimnis leben wir jedes Mal, wenn wir Eucharistie feiern. Wenn wir in die Messe gehen, gehen wir nicht nur zum Beten: Nein, wir gehen dieses Geheimnis erneuern, das österliche Geheimnis. Es ist wichtig, das nicht zu vergessen. Es ist, als gingen wir zum Kalvarienberg: Das ist das gleiche. Um das österliche Geheimnis zu erneuern.“

Zum Nachhören: Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz in der Karwoche 2021

Die Gekreuzigten von heute nicht vergessen

In der Eucharistie, die Jesus beim letzten Abendmahl stiftete, werde „das Geheimnis der Erlösung“ wieder neu gegenwärtig, sagte Franziskus zum geistlichen Gehalt des Gründonnerstags. Den Karfreitag charakterisierte er als „Tag der Buße, des Fastens und des Gebets“. Vor allem beim Ritus der Kreuzverehrung am Karfreitag hielt sich der Papst für einen Moment auf.

„Wir werden in unseren Gedanken und Herzen die Leiden der Kranken, der Armen, der Ausgestoßenen dieser Welt tragen; wir werden uns an die ‚geopferten Lämmer‘ erinnern, an die unschuldigen Opfer von Kriegen, Diktaturen, täglicher Gewalt, Abtreibungen... Vor das Bild des gekreuzigten Gottes werden wir im Gebet die vielen, allzu vielen Gekreuzigten von heute bringen, die nur von ihm den Trost und den Sinn ihres Leidens empfangen können. Und heute gibt es viele von Ihnen. Vergessen wir nicht die Gekreuzigten von heute, die das Abbild Jesu sind, und in ihnen ist Jesus.“

Hier die Generalaudienz zum Nachschauen

„Die Welt ist von Dunkelheit erfüllt“

In düsteren Tönen ging es weiter, als Franziskus, von seinem vorbereiteten Text abweichend, die heutige Welt von „Dunkelheit“ erfüllt sah. „Denken wir an alle Kriege, die in diesem Moment geführt werden, an alle Kinder, die hungers sterben, die Kinder, die keine Ausbildung haben, ganze Völker, die durch den Krieg und durch den Terrorismus zerstört werden. An die vielen Menschen, die Drogen brauchen, um sich ein bisschen besser zu fühlen, die Drogenindustrie, die tötet... Das ist ein Unglück, das ist Wüste. Es gibt kleine Inseln des Gottesvolkes, seien sie Christen oder jeder anderer Religion, die in ihrem Herzen den Willen bewahren, besser zu sein. Aber sagen wir uns die Wahrheit: Auf diesem Kalvarienberg des Todes ist es Jesus, der in seinen Jüngern leidet.“

Dante Alighieri - Totenmaske
Dante Alighieri - Totenmaske

Nicht immer tiefer hinabsteigen

Auf die Düsternis des Karfreitags ließ Franziskus die Stille des Karsamstags folgen – und darauf den Auferstehungsjubel der Osternacht. „Er, der gekreuzigt wurde, ist auferstanden! Alle Fragen und Unsicherheiten, Zögerlichkeiten und Ängste werden durch diese Offenbarung zerstreut. Der Auferstandene gibt uns die Gewissheit, dass das Gute immer über das Böse triumphiert, dass das Leben immer den Tod besiegt und unser Ziel nicht darin besteht, immer tiefer hinabzusteigen, von Traurigkeit zu Traurigkeit, sondern in die Höhe zu steigen.“

Das klang schon fast nach Dante – seinem Abstieg in die Hölle, seinem Aufstieg über den Läuterungsberg bis ins Paradies. Der toskanische Dichter der „Göttlichen Komödie“ ist im September vor genau 700 Jahren gestorben; daran hat Franziskus, ein früherer Literaturlehrer und Dante-Bewunderer, kürzlich mit einem hymnischen Apostolischen Schreiben erinnert.

(vatican news)
 

31 März 2021, 11:21