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Papst hat einige Freiwillige der NGO FIDESCO in Audienz empfangen Papst hat einige Freiwillige der NGO FIDESCO in Audienz empfangen  (Vatican Media)

Papst Franziskus: Auf Schreie der Armen hören

Um Teil einer besseren Welt zu werden, muss man auf die Schreie der Armen hören. Das betonte Franziskus am Samstag vor Mitarbeitern der FIDESCO, einer katholischen Organisation internationaler Solidarität, die sich seit vierzig Jahren im Süden der Welt für die Ärmsten einsetzt.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Der Dank und die Ermutigung von Franziskus gelten einem Engagement, „das mit Zärtlichkeit und Barmherzigkeit ausgeführt wird“, wie der Papst bei der Audienz für die Gruppe an diesem Samstag im Vatikan sagte. Wer Armen helfe, wachse selber auf einer persönlichen und kirchlichen Ebene, betonte Franziskus.

Zum Nachhören - was der Papst den Freiwilligen von FIDESCO sagte

Mit „Fachwissen und Professionalität“ Zeugnis für Christus abzulegen, sei Aufgabe der kirchlich eingebundenen ehrenamtlichen Helfer. Auf diese Weise würden sie „für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung“ einstehen, erläuterte der Papst. Das sei die Arbeit, die seit vierzig Jahren von FIDESCO - 'International Federation for Economic and Social Development through Cooperation' - geleistet werde, erinnerte der Papst vor den Mitgliedern der Organisation. Es handelt sich um eine katholische ehrenamtliche NGO, die 1981 von der Emmanuel-Gemeinschaft in Frankreich gegründet wurde und die inzwischen auf allen vier Kontinenten tätig ist.

Eine Gruppe von FIDESCO-Ehrenamtlichen und -Führungskräften war in den vergangenen Tagen nach Rom gepilgert und wurden am Samstagmorgen vom Papst in Audienz empfangen - und zwar nach einem Gang zu den Apostelgräbern, der - wie Franziskus ihnen in seiner Begrüßungsrede sagte – „euch erlaubt, die Handlungen, die ihr täglich im Glauben an Christus, der gestorben und auferstanden ist, und im Herzen der Sendung der Kirche vollzieht, noch besser zu verwurzeln“. Ein Weg der „geistlichen Erneuerung mit einem Bußcharakter in der Fastenzeit“, wie Franziskus den Gästen ans Herz legte. Die Pilgerfahrt werde sie noch „begeisterter und freudiger“ in ihrem Dienst an ihren Brüdern und Schwestern in der Welt machen.

FIDESCO hat sich darauf spezialisiert, katholische Freiwillige, die durch den Glauben motiviert und professionell ausgebildet sind, in den Süden der Welt zu entsenden, um dort auf ein Bedürfnis oder eine Bitte der Kirche zu reagieren, unabhängig von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Herkunftskultur und in verschiedenen Sektoren oder in problematischen Bereichen wie Flüchtlingslagern oder Krankenstationen. Deshalb bedeutet der Name der Vereinigung „fides-co“ eigentlich „Glaube und Zusammenarbeit“.

Die Audienz im Vatikan
Die Audienz im Vatikan

Ehrenamtlich tätig im Zeichen des Gemeinwohls

Männer und Frauen auf der Suche nach „dem Wohl der anderen“, den Brüdern und Schwestern, die „weiter entfernt sind, weniger Glück haben, benachteiligt sind, weniger Möglichkeiten haben als du, und doch genauso von Gott geliebt und mit Würde ausgestattet sind“. So ging der Papst in seiner Ansprache, in der er sich mehrfach auf das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium berief, genau von dem Gedanken aus, dass es die Liebe und das Gefühl, von Gott geliebt zu werden, sind, die in uns den „Wunsch hervorrufen, andere am Herzen zu haben“. Die Fastenzeit mit ihrer Betrachtung der Passion Christi sei für diese Art von Mission „die Quelle“: der Gekreuzigte sei es, der in den Armen, den Ausgegrenzten, den Hungernden lebe; er sei es, „der uns bis zur Hingabe seines Lebens geliebt hat, um uns zu retten“.

„Jeder Mensch ist für mich ein Bruder oder eine Schwester.“

„Das Bekenntnis, dass Jesus sein Blut für uns gegeben hat, verhindert, dass wir auch nur den geringsten Zweifel an der grenzenlosen Liebe hegen, die jeden Menschen veredelt. Jedes menschliche Wesen ist würdig. Jeder Mensch ist für mich ein Bruder oder eine Schwester. Ich lade euch ein, wenn ihr mitten in eurer Mission, in eurer persönlichen Beziehung zum Herrn und in eurem Glaubensleben steht, das Wunder, die Faszination und die Begeisterung, das Evangelium der Brüderlichkeit zu leben, zu bewahren. Wir brauchen das in den schwierigsten Momenten der Einsamkeit, der Entmutigung, der Enttäuschung.“

Zeugen der Zärtlichkeit und des Mitgefühls 

Angesichts dieses Einsatzes, der das Leben der FIDESCO-Freiwilligen seit vierzig Jahren präge, dankte der Papst für die mit „Zärtlichkeit und Mitgefühl“ verkörperte Mission und für das „Zeugnis für Christus“ und ermutigte alle, auf diesem Weg weiterzugehen, um „eine schönere Welt“ zu bauen und den Aufbau des Reiches Gottes zu stärken.

„Es ist heute wichtiger denn je, dass die Gläubigen Zeugen der Zärtlichkeit und des Mitgefühls sind.“

„In der Tat ist euer solidarisches Handeln auf die ganzheitliche Entwicklung der Menschen ausgerichtet, indem ihr euch nicht nur um ihre materiellen Bedürfnisse kümmern, sondern auch um ihre soziale Integration, ihr intellektuelles, kulturelles und spirituelles Wachstum, indem ihr jedem einzelnen seine Würde gebt. Ich ermutige euch, diesen Weg weiterzugehen und dabei in der Soziallehre der Kirche verwurzelt zu bleiben. Es ist heute wichtiger denn je, dass die Gläubigen Zeugen der Zärtlichkeit und des Mitgefühls sind. Wenn wir auf den Schrei der Armen hören, wenn wir uns vom Leiden der anderen provozieren lassen und uns entscheiden, hinauszugehen, um ihre Wunden zu berühren - die die Wunden Christi sind -, dann beteiligen wir uns nicht nur am Aufbau einer schöneren, geschwisterlicheren, evangelischeren Welt, sondern stärken die Kirche in ihrer Sendung, die Errichtung des Reiches Gottes zu beschleunigen.“

Dienst am Nächsten lässt Glaube und Menschlichkeit wachsen

Die Mission und der Einsatz für die Sorge und das Wohl der anderen der FIDESCO könnten, auch wenn sie zeitlich begrenzt seien, einen Einfluss auf das „persönliche Wachstum“ haben, das sowohl auf der Ebene des Glaubens wichtig als auch für die Jüngsten prägend sei, merkte der Papst an:

„Diejenigen, die sich in Ihren Missionen engagieren, finden nicht nur die Möglichkeit, sich der Welt und den Kulturen zu öffnen, sondern auch die Mittel, um auf die Barmherzigkeit zu antworten, die Gott ihnen gezeigt hat: ,Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist´ (Lk 6,36). Sie finden auch einen geistlichen Weg als Antwort auf Gottes Gabe. Einmal mehr verdient die Möglichkeit, die ihr vor allem den Jüngsten bietet, um im Glauben und in der Menschlichkeit zu wachsen, Anerkennung.“

(vatican news)

20 März 2021, 13:20