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Vatican News

Angelus: Die Katechese im Wortlaut

Lesen Sie hier die Katechese des Papstes in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan. Die offizielle Übersetzung finden Sie in Kürze auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

An diesem vierten Sonntag der Fastenzeit beginnt die eucharistische Liturgie mit der Aufforderung: „Freut euch mit Jerusalem...“. (vgl. Jes 66,10). Was aber ist der Grund für diese Freude mitten in der Fastenzeit? Was ist der Grund für diese Freude? Im Tagesevangelium heißt es: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Joh 3,16). Diese freudige Botschaft ist das Herzstück des christlichen Glaubens: In der Hingabe seines Sohnes für die schwache und sündige Menschheit hat die Liebe Gottes ihren Höhepunkt erreicht. Er hat uns seinen Sohn geschenkt, uns, uns allen.

Dies zeigt sich in dem nächtlichen Dialog zwischen Jesus und Nikodemus, von dem ein Teil im Evangelium beschrieben wird (vgl. Joh 3,14-21). Nikodemus hat – wie jedes Mitglied des Volkes Israel – den Messias erwartet und ihn als einen Mann gesehen, der die Welt mit starker Hand richten würde. Jesus hingegen untergräbt diese Erwartung, indem er sich unter drei Aspekten vorstellt: dem des am Kreuz erhöhten Menschensohns; dem des zur Rettung der Welt gesandten Sohnes Gottes und dem des Lichts, das unterscheidet zwischen denen, die der Wahrheit folgen, und jenen, die der Lüge folgen. Sehen wir uns diese drei Aspekte genauer an: Menschensohn, Gottessohn, und Licht.

Jesus stellt sich zunächst als Menschensohn vor (V. 14-15). Der Text spielt auf die Geschichte von der Kupferschlange an (vgl. Nm 21,4-9), die nach dem Willen Gottes von Mose in der Wüste an einer Stange aufgehängt wurde, nachdem das Volk von giftigen Schlangen angegriffen wurde: wer gebissen wurde und die Kupferschlange ansah, der wurde geheilt. In ähnlicher Weise wurde Jesus am Kreuz erhöht – und wer an ihn glaubt, wird von der Sünde geheilt und wird leben.

Der zweite Aspekt ist der des Sohnes Gottes (V. 16-18). Gott, der Vater, liebt die Menschheit so sehr, dass er seinen Sohn „hingab“: Er hat ihn uns in der Menschwerdung geschenkt und er hat ihn hingegeben, als er ihn dem Tod auslieferte. Der Zweck dieses Geschenks Gottes ist das ewige Leben der Menschen: Tatsächlich hat Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu richten, sondern damit die Welt durch Jesus gerettet wird. Die Sendung Jesu ist eine Sendung der Erlösung, der Erlösung für alle.

Der dritte Name, den Jesus sich selbst gibt, ist „Licht“ (V. 19-21). Im Evangelium heißt es: „Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ (V. 19). Das Kommen Jesu in die Welt stellt uns vor eine Wahl: Wer sich für die Finsternis entscheidet, der wird ein Urteil der Verdammnis auf sich ziehen; wer sich für das Licht entscheidet, der wird ein Urteil des Erlösung erlangen. Das Urteil ist immer die Folge der freien Entscheidung eines jeden von uns: Wer Böses tut, der sucht die Finsternis, das Übel versteckt sich immer, bedeckt sich; wer sich der Wahrheit verpflichtet, also Gutes tut, der kommt zum Licht, erleuchtet die Wege des Lebens. Wer im Licht wandelt, wer sich dem Licht nähert, kann nichts anderes tun als gute Werke. Das Licht bringt uns dazu, gute Werke zu tun.  Das ist es, was wir in der Fastenzeit mit größerem Engagement tun sollen: das Licht in unser Gewissen eintreten lassen; unsere Herzen für Gottes unendliche Liebe öffnen, für seine Barmherzigkeit voller Zärtlichkeit und Güte, seine Vergebung. Vergesst nicht, dass Gott immer vergibt, immer wenn wir, mit Demut, um Vergebung bitten. Nur um Vergebung bitten, und er vergibt. Auf diese Weise werden wir wahre Freude finden und uns an der Vergebung Gottes freuen können, die erbaut und Leben schenkt.

Die allerseligste Jungfrau Maria helfe uns, keine Angst zu haben, uns von Jesus „in eine Krise stürzen“ zu lassen. Es ist eine heilsame Krise, die zu unserer Heilung beiträgt; damit unsere Freude vollkommen ist.
 

(vaticannews - übersetzung: silvia kritzenberger)

14 März 2021, 12:07