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Papst Franziskus, hier am Aschermittwoch 2021 Papst Franziskus, hier am Aschermittwoch 2021 

Papstinterview: Franziskus will in Rom sterben, „im Amt oder emeritiert"

Papst Franziskus erwartet seinen eigenen Tod „als Papst entweder im Amt oder emeritiert. Und in Rom". Das hat das 84-jährige Kirchenoberhaupt in einem Gespräch mit dem argentinischen Arzt und Journalisten Nestor Castro verraten. „Ich gehe nicht zurück nach Argentinien", so der Papst.

Auszüge aus dem im Februar 2019 geführten Gespräch veröffentlichte Castro am Samstag in der argentinischen Zeitung „La Nación ". In dem laut Castro gut einstündigen Interview sprach Franziskus auch über eine frühere Angst-Neurose, die er unter anderem mit der Hilfe einer Psychiaterin überwunden habe. Entstanden sei diese seelische Beeinträchtigung in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur 1976-1983. So habe er als junger Jesuiten-Provinzial öfter in seinem Auto Menschen nur unter einer Decke versteckt an Militärposten vorbeischmuggeln müssen. „Die Spannung, die das in mir auslöste, war enorm", bekannte Franziskus.

Die Psychiaterin, die ihm ursprünglich bei der Auswertung psychologischer Tests von Novizen half, habe er einmal wöchentlich über ein halbes Jahr hinweg konsultiert. Einer Psychoanalyse habe er sich allerdings nie unterzogen. Die Behandlung durch die Ärztin, „einer großartigen Frau“, wie der Papst hervorhob, habe ihm auch geholfen, „keine übereilten Entscheidungen zu treffen“. Ihre Ratschläge seien ihm „auch heute noch sehr nützlich“.

Ängste zähmen? Bach hören!

Früher habe ihn die Neurose immer dazu getrieben, „alles jetzt und sofort machen zu wollen. Deshalb muss man wissen, wie man langsamer wird." Heute habe er seine Ängste gut gezähmt. „Wenn ich mit einer Situation konfrontiert werde oder mich einem Problem stellen muss, das mich ängstlich macht, halte ich an", sagte der Pontifex. Dafür habe er verschiedene Methoden. Eine davon sei es, Musik von Bach zu hören: „Es beruhigt mich und hilft mir, Probleme besser zu analysieren."

Er habe keine inneren Schwierigkeiten gehabt, professionelle Hilfe zur Aufarbeitung seiner Angst-Neurose in Anspruch zu nehmen, erklärte Franziskus weiter: „Ich bin sehr offen und in diesem Punkt habe ich eine sehr gefestigte Position. Ich bin überzeugt, dass jeder Priester die menschliche Psychologie kennen muss.“ Allerdings wandte sich der Papst dagegen, dass Priester in der Seelsorge selbst wie Psychiater auftreten. „Da werden die Rollen verwechselt, und dann hört der Priester auf, Priester zu sein, und wird zum Therapeuten, mit einem Grad der Verwicklung, der es sehr schwierig macht, sich zu distanzieren“, so Franziskus.

Die Lungen-OP mit 21 Jahren

Der Papst beantwortete dem Arzt und Journalisten auch Fragen zu der Lungen-Operation, die er als 21-jähriger Seminarist hatte. Der Eingriff sei schwerwiegend gewesen, die Narbe ziehe sich über den ganzen rechten Brustkorb, er sei aber vollständig genesen. „Ich habe nie eine Einschränkung in meinen Aktivitäten gespürt", sagte der Papst, selbst bei Auslandsreisen habe er niemals einen Termin aus gesundheitlichen Gründen einschränken oder absagen müssen. Auch Müdigkeit oder Kurzatmigkeit habe ihm die teilamputierte Lunge nie verursacht. Die Ärzte, die ihm den oberen Teil des rechten Lungenflügels amputierten, hätten ihm nachher erklärt, dass sich das Organ nach dem Eingriff erweitern und wieder den ganzen Brustkorb ausfüllen würde.

Der Autor des Interviews, Nelson Alberto Castro, ist Journalist, Arzt und Autor. Das Gespräch mit Franziskus ist Teil von Castros Buch „La Salud de los Papas" (Die Gesundheit der Päpste), das in diesen Tagen in Argentinien erscheint.

(vatican news/kna – gs)

27 Februar 2021, 16:10