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Papst Franziskus beim Gottesdienst mit Ordensleuten im Petersdom Papst Franziskus beim Gottesdienst mit Ordensleuten im Petersdom   (Vatican Media)

Franziskus: „Geduldig sein und Gottes Wege abwarten“

Papst Franziskus hat vor Ordensleuten ein Plädoyer für Geduld mit sich selbst und anderen abgelegt. Geduld befähige dazu, „die Last persönlicher und gemeinschaftlicher Probleme zu tragen“, sagte Franziskus bei der Messe am Fest Darstellung des Herrn, auch Lichtmess genannt, im Petersdom an diesem Dienstag.

Weil die katholische Kirche Lichtmess auch als Tag des geweihten Lebens begeht, feiert der Papst den Gottesdienst am 2. Februar stets mit Ordensleuten. Nur wenige von ihnen konnten aber diesmal wegen der Pandemie-Maßnahmen an der Messe im Petersdom teilnehmen.

Ausgehend vom Evangelium, das von den beiden Alten Simon und Hanna im Tempel und ihrer Reaktion auf den Knaben Jesus berichtet, entwickelte Franziskus seine Homilie zum Thema Geduld. Er sprach zunächst von der Geduld Simons, der so lange auf Jesus gewartet hatte – ein Spiegelbild der Geduld Gottes. Gott sei ein Vater, „der nicht Perfektion verlangt, sondern Beherztheit; der neue Möglichkeiten eröffnet, wo alles verloren scheint“. Genau das sei der Grund unserer Hoffnung als Getaufte, sagte der Papst: „Gott wartet auf uns, ohne müde zu werden. Wenn wir uns entfernen, kommt er und sucht uns; wenn wir zu Boden fallen, hebt er uns auf; wenn wir zu ihm zurückkehren, nachdem wir uns verirrt haben, wartet er mit offenen Armen auf uns.“

Das Video zur Papstmesse mit Begleitung in deutscher Sprache

Gott hat Geduld - wie aber ist es um unsere eigene Geduld bestellt?, fragte der Papst in der Predigt. Franziskus nahm zunächst eine Begriffsklärung vor. Geduld ist, so sagte er, „kein bloßes Ertragen von Schwierigkeiten oder fatalistisches Aushalten von Widrigkeiten. Geduld ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist die Seelenstärke, die uns fähig macht, die Last persönlicher und gemeinschaftlicher Probleme zu tragen, sie lässt uns das Anderssein der anderen annehmen, sie lässt uns im Guten verharren, auch wenn alles sinnlos erscheint, sie hält uns in Bewegung, auch wenn uns Überdruss und Trägheit überkommen.“

„Der Herr beruft uns nicht zu Solisten, sondern dazu, Teil eines Chores zu sein, der zwar manchmal schräg klingt, aber immer versuchen muss, gemeinsam zu singen“

Geduld müsse man auch im Gemeinschaftsleben und mit der Welt zeigen, so der Papst weiter. Menschliche Beziehungen würden eben nicht immer friedlich verlaufen, besonders wo es ein eigentlich gemeinsamer Lebensentwurf zugrunde liege. Manche Konflikte hätten keine sofortige Lösung, man sollte „auch nicht vorschnell über Personen oder Situationen urteilen“, riet der Papst. Manchmal müsse man einander auch einfach in Geduld ertragen – und trotzdem im Chor singen, so Franziskus in einem seiner typischen Sprachbilder. „Der Herr beruft uns nicht zu Solisten, sondern dazu, Teil eines Chores zu sein, der zwar manchmal schräg klingt, aber immer versuchen muss, gemeinsam zu singen.“

Hier zum Hören:

Die Geduld mit der Welt schließlich brauchen Ordenschristen, „um nicht in der Klage gefangen zu bleiben“, sagte der Papst: „Die Welt hört nicht mehr auf uns“, „Wir haben keine Berufungen mehr“, „Wir leben in schwierigen Zeiten“... Manchmal kommt es vor, dass wir der Geduld, mit der Gott den Boden der Geschichte und unserer Herzen bearbeitet, mit der Ungeduld jener Menschen begegnen, die alles sofort verurteilen.“ So aber gehe die Hoffnung verloren, so der Papst. „Manche sind Meister im Jammern, sie haben einen Doktortitel im Jammern, sie sind großartig im Jammern! Nein: Jammern hält gefangen."

„Wir müssen mit beherzter Geduld weitergehen“

Die Herausforderung für das geweihte Leben ist an diesem Punkt nichts anderes als hoffnungsfrohes Voranschreiten, sagte der Papst. „Wir können nicht nostalgisch am Vergangenen hängen bleiben oder uns darauf beschränken, die gleichen alten Dinge zu wiederholen. Wir müssen mit beherzter Geduld weitergehen, neue Wege erkunden und herausfinden, was der Heilige Geist uns eingibt. Und dies geschieht mit Bescheidenheit, mit Einfachheit, ohne große Propaganda, ohne viel Werbung."

Am Ende sprach der Papst noch ein paar persönliche Worte an die Anwesenden: Nicht schlecht über andere reden und den Humor nicht verlieren. „Danke für eurer Zeugnis, und wie ihr die Schwierigkeiten meistert - keine Berufungen.... Voran, mit Mut! Der Herr ist größer. Folgen wir dem Herrn."

(vatican news – gs)

02 Februar 2021, 18:09