Suche

Vatican News
Franziskus beim Angelusgebet am Fenster der päpstlichen Appartments im Apostolischen Palast Franziskus beim Angelusgebet am Fenster der päpstlichen Appartments im Apostolischen Palast  (Vatican Media)

Angelus: Gott offenbart seine Herrschaft nicht von oben herab

Die Fürsorge für Kranke jeder Art ist für die Kirche kein optionaler Dienst, etwas Zusätzliches, sondern ein integraler Bestandteil ihrer Sendung. Das hat Papst Franziskus am Sonntag beim Angelusgebet gesagt.

In der Hinwendung zu den Kranken offenbare sich die Herrschaft Gottes als „nicht von oben herab“, sondern als Zeichen der Nähe und der Zärtlichkeit – so wie Jesus sich der kranken Schwiegermutter des Petrus zuwandte und sie heilte, indem er sie aufrichtete, wovon das Evangelium an diesem Sonntag erzählt (Mk 1,29-39).

Leidenden Menschen die Zärtlichkeit Gottes zu bringen, gehört nach Darstellung von Papst Franziskus zum Erbgut der Kirche. „Die Realität, die wir auf der ganzen Welt wegen der Pandemie erleben, macht diese Botschaft besonders zeitgemäß“, so Franziskus. Der leidgeplagte Hiob, dessen Klage in der Ersten Lesung dieses Sonntag zu hören ist, mache sich im globalen gesundheitlichen Notstand unserer Tage „zum Interpreten unseres menschlichen Zustands, die wir so hoch an Würde und gleichzeitig so zerbrechlich sind“.

Auf die Frage nach dem Warum des Leids und weshalb der allmächtige Gott es zulässt - die uralte Frage der Theodizee – antworte Jesus „nicht mit einer Erklärung, sondern mit seiner liebevollen Gegenwart, wenn Er sich bückt, die Hand nimmt und uns aufrichtet, wie er es bei der Schwiegermutter des Petrus tat“, sagte der Papst. „Der Gottessohn offenbart seine Herrschaft nicht ,von oben herab´, nicht aus der Ferne, sondern aus der Nähe, in der Zärtlichkeit, im Mitgefühl.“ Und Franziskus fügte hinzu: „Die einzige legitime Art, eine Person von oben nach unten anzusehen, ist, ihr die Hand zu nehmen und ihr zu helfen, sich aufzurichten. Das ist die Sendung, die Jesus der Kirche anvertraut hat." Nähe, Zärtlichkeit und Mitleid seien „der Stil Gottes. Gott macht sich nahe, und er macht sich nahe mit Zärtlichkeit und Mitleid." 

Barmherzigkeit wurzelt immer im Gebet

Die Barmherzigkeit Jesu und damit der Kirche wurzelt, wie das Evangelium dann ebenfalls zeigt, „in einer innigen Beziehung zum Vater“, denn vor der Morgendämmerung und am Abend zog sich Jesus zurück und blieb allein, um zu beten. „Von dort schöpfte er die Kraft, seinen Dienst zu tun, zu predigen und zu heilen“, so der Papst.

Franziskus kehrte mit der Angelus-Ausgabe von diesem Sonntag zurück ans Fenster des Apostolischen Palastes, von dem aus die Päpste üblicherweise das sonntägliche Mittagsgebet mit den Gläubigen sprechen, eine kurze Katechese halten und oft auch einige Worte zur Lage der Welt sprechen. Um Menschenansammlungen und damit mögliche Ansteckungen mit dem Coronavirus auf dem Petersplatz zu vermeiden, hatte der Vatikan beschlossen, die Angelusgebete vorübergehend nur noch als Livestream vom Inneren des Apostolischen Palastes anzubieten. Die Generalaudienzen mit dem Papst jeweils am Mittwoch finden voererst weiterhin als Livestream statt.

(vatican news – gs)

07 Februar 2021, 12:11