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Papst Franziskus im Januar mit dem irakischen Staatschef Barham Saleh Papst Franziskus im Januar mit dem irakischen Staatschef Barham Saleh  (Vatican Media)

Papst Franziskus plant Irak-Reise im März

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Papst Franziskus will im März nächsten Jahres in den Irak reisen. Das kündigte das vatikanische Presseamt am Montagmittag an.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat Franziskus keine Auslandsreisen mehr unternommen und verlässt den Vatikan überhaupt nur in Ausnahmefällen. Von seiner Hoffnung, einmal den Irak zu besuchen, hat er in den zurückliegenden Jahren aber immer wieder gesprochen.

Völlig sicher ist es noch nicht, dass die erste Irak-Reise eines Papstes wirklich zustande kommt; das Presseamt räumt in seiner Erklärung ein, das Reiseprogramm werde „die Entwicklung des weltweiten Gesundheits-Notstands berücksichtigen“. Bisher sind im Irak 12.432 Menschen an oder mit dem Corona-Virus gestorben.

Hier im Audio: Vatikan kündigt Irak-Reise von Papst Franziskus für März 2021 an

Bagdad, Ur, Erbil, Mossul, Karakosh, Ninive-Ebene

Der Papst nimmt, wie das Presseamt vermerkt, eine Einladung des irakischen Staatspräsidenten und der katholischen Ortskirche zu einem Besuch im Land an. „Vom 5. bis 8. März wird Papst Franziskus Bagdad besuchen, die Ebene von Ur, die mit der Erinnerung an Abraham verbunden ist, die Stadt Erbil sowie Mossul und Karakosh in der Ninive-Ebene.“ Das Programm der Reise werde „zu gegebener Zeit“ publiziert.

Schon Johannes Paul II. hatte vor dem Heiligen Jahr 2000 von einer Reise nach Ur geträumt – der Stadt, aus der Abraham nach Darstellung des biblischen Buches Genesis von Gott herausgerufen wurde, um nach Kanaan zu ziehen und dort zum „Vater vieler Völker“ zu werden. Die politischen Umstände (damals regierte in Bagdad noch Saddam Hussein) machten dem polnischen Papst eine solche Reise aber unmöglich.

Franziskus mit Kardinal Sako, dem Patriarchen von Babylon
Franziskus mit Kardinal Sako, dem Patriarchen von Babylon

Es wäre die erste Reise eines Papstes in den Irak

Stattdessen konnte Johannes Paul aber Israel, Palästina, Jordanien und Ägypten besuchen. Beim letzten Irak-Krieg, der zum Sturz Saddam Husseins führte, gehörte Johannes Paul II. zu denen, die vor einem Angriff auf Bagdad warnten und zum Frieden aufriefen.

Für Papst Franziskus ist der Dialog mit dem Islam einer der wesentlichen Akzente seines Pontifikats; 2019 konnte er als erster Papst der Geschichte Abu Dhabi und damit die arabische Halbinsel besuchen. 

Zahl der Christen dramatisch zurückgegangen

Mehrfach, zuletzt am 10. Juni 2019, sprach Franziskus öffentlich von seinem Wunsch, den Irak zu besuchen. Am 25. Januar 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, empfing er den irakischen Staatspräsidenten Barham Saleh zu einer Audienz im Vatikan; bei dem Gespräch dürfte auch eine mögliche Papstreise zur Sprache gekommen sein.

Vor Ausbruch des jüngsten Irakkriegs 2003 lebten zwischen einer und anderthalb Millionen Christen im Land an Euphrat und Tigris. Mittlerweile liegt ihre Zahl nur noch bei ungefähr 400.000 Menschen. Saleh und der neue, reformorientierte Ministerpräsident Mustafa al-Kazemi laden Christen, die aus ihrer Heimat im Irak geflohen sind, beredt zur Rückkehr ein und betonen den Wert einer christlichen Präsenz im Land.

Familie betet in einer Kirche in Basra
Familie betet in einer Kirche in Basra

Wird der Irak zum „failed state“?

Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Korruption, verkrustete staatliche Strukturen und das Problem der Flüchtlinge und Vertriebenen machen dem Irak zu schaffen. Die Unicef geht im Irak von mehr als vier Millionen Menschen aus, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind; die Hälfte davon sind Kinder.

Die Durchführung einer Papstreise in den Irak ist in organisatorischer Hinsicht eine Herausforderung. Immer wieder kommt es in jüngster Zeit in Bagdad zu Anschlägen; Mossul und Karakosch im Nordirak waren von 2014 bis 2017 in den Händen der Terrorgruppe Islamischer Staat.

„Er ist ein Mann, der Frieden bringen kann“

Der chaldäisch-katholische Patriarch von Babylon, Kardinal Louis Raphael Sako, zeigte sich schon vor einem Jahr davon überzeugt, dass ein Papstbesuch dem Irak sehr guttun würde. „Er ist ein Mann, der Frieden bringen kann. Millionen von Muslimen haben seinen Besuch in Abu Dhabi mitverfolgt“, so Sako zum italienischen Pressedienst sir. „So wird das auch im Irak sein.“

(vatican news – sk)
 

07 Dezember 2020, 12:14