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Papst Franziskus unterzeichnet die Enzyklika Fratelli tutti Papst Franziskus unterzeichnet die Enzyklika Fratelli tutti 

Enzyklika „Fratelli tutti“: Heiliger Franziskus als Orientierungshilfe

Zum vierten Mal war Papst Franziskus an diesem Samstag in Assisi. Eine einfache Messe, die Unterzeichnung der neuen Enzyklika auf dem Altar in der Krypta, anschließend eine freundliche Begegnung mit allen Brüdern im Innenhof hinter der Basilika, danach die Abreise - ein Besuch, der „auf das Wesentliche konzentriert“ war, meint der deutsche Minorit Bruder Thomas Freidel, der mit dem Papst auch „zwei, drei Worte auf Deutsch“ wechseln konnte, gegenüber Radio Vatikan.

„Also eigentlich wieder so eine ganz typische Franziskus-Aktion“, schmunzelt Bruder Thomas im Rückblick. Der Papst habe eine einfache Messe gehalten, ohne Predigt und große Worte – dem gegenüber stehen allerdings die Aussagen seiner Enzyklika, die er „ganz bewusst von hier aus absenden wollte“, betont der Minorit. „Es ist ja bewusst die Symbolik gewählt, dass er die Enzyklika hier am Grab seines Namenspatrons unterzeichnet, dem er sich eng verbunden fühlt und dessen Gedanken er weiter tragen will. Die Worte, mit denen sich Franz von Assisi nicht nur an seine Brüder, sondern an alle Menschen wendet, die greift Papst Franziskus auf, formuliert sie weiter und gibt sie als Orientierungsmodell in die ganze Welt hinein.“

Zum Nachhören

Die Inspiration, die Papst Franziskus eigener Aussage nach aus den Lehren des heiligen Franz von Assisi für seine neue Enzyklika gewonnen hat, zieht sich durch das gesamte Dokument und taucht schon im Titel auf, erläutert Bruder Thomas weiter. „Fratelli tutti“, wörtlich: „Brüder alle“, hatte als Titel vor allem im deutschen und englischen Sprachraum Kritik von Frauen hervorgerufen, die sich nicht angesprochen fühlten. „Fratelli tutti“ ist ein Zitat aus den so genannten Ermahnungen des Heiligen.

„Ermahnungen des heiligen Franziskus richten sich an alle Menschen“

„Diese Ermahnungen, oder vielleicht besser Weisheits-Lehren, sind ja eine Sammlung von Aussprüchen, die Franziskus bei verschiedenen Gelegenheiten getätigt hat und die er nicht nur den Brüdern seiner Gemeinschaft, sondern auch allen anderen Menschen mitgeben wollte. Auch denjenigen, die sich schon zu Lebzeiten um ihn zusammengeschlossen hatten im franziskanischen Weltorden, also in der Laiengemeinschaft, und darüber hinaus,“ erläutert der Ordensmann.

Es gehe daher um „Grundhaltungen, die Franziskus allgemein wichtig sind“, fährt Bruder Thomas fort. „Das Zitat ,Fratelli tutti' ist aus der 6. Ermahnung, in der es darum geht, dass man auf die Vorbilder, auf die Heiligen schauen soll, wie sie sich ganz für Christus eingesetzt haben und die Gefahr besteht, dass wir immer nur über ihn predigen, über ihn reden, in der Theorie bleiben, aber dass es uns am vollen Einsatz, an der Hingabe fehlt. Und das sieht Franziskus als Gefahr und darauf macht er aufmerksam - nicht nur die Brüder seines Ordens, sondern alle darüber hinaus, die um ihn herum gewesen sind, die sich an ihn wenden und die ihn als Beispiel und Vorbild für christliches Leben sehen.“

„Ein ganz typischer Gedanke für Franziskus“

Ein weiterer wichtiger Gedanke der Enzyklika, der aus der Geisteshaltung des Heiligen von Assisi schöpfe, sei derjenige der „universalen Geschwisterlichkeit“, unterstreicht Bruder Thomas. „Ein ganz typischer Gedanke für Franziskus, dass er den gemeinsamen Ursprung der Menschen und der gesamten Schöpfung sieht. Wunderschön ausgedrückt ist das ja im Sonnengesang, in dem er alle Geschöpfe, alles was lebt, als Schwestern und Brüder bezeichnet. Da sind die Elemente genannt, Feuer, Erde, Luft und Wasser, also alle Grundelemente, ohne die es kein Leben geben würde. Alle haben gemeinsamen Ursprung von Gott her und somit sind sie alle Geschwister, sie haben den gleichen Ursprung. Diesen wichtigen Gedanken, der bei Franziskus sein ganzes Denken und Glauben widerspiegelt, greift Papst Franziskus auch auf.“

„Geschwisterlichkeit auch über die Grenzen der eigenen Religion hinaus“

Damit nicht genug: Noch ein weiterer Aspekt, der dem Papst selbst besonders wichtig war, gründet nach Einschätzung des deutschen Minoriten in Assisi auf dem Gedankengut und dem Vorbild des „Poverello“, nämlich der, „diesen Gedanken der universalen Geschwisterlichkeit“ auch „auf die anderen Religionen auszuweiten“. Bruder Thomas verweist auf die Erklärung von Abu Dhabi, die Franziskus in der Enzyklika prominent aufgreift. Es gehe dabei um einen Dialog der Religionen, verstanden als „Geschwisterlichkeit auch über die Grenzen der eigenen Religion hinaus“.

„Das gilt auch für uns Brüder im Orden“

Der heilige Franz von Assisi habe sich in seinen Schriften oft auch persönlich an einzelne Mitbrüder gewandt, um ihnen „etwas mit auf den Weg zu geben, ihnen Mut zu machen oder sie auch zu ermahnen“, erklärt Bruder Thomas weiter. Als „Brüder des heiligen Franziskus“ fühlte sich seine Gemeinschaft nun zwar besonders angesprochen von einem Papst, „der sich Franziskus nennt“, doch dabei gelte es nicht zu übersehen, dass er sich „in seiner Enzyklika an alle Menschen wendet“: „Wir sollen uns genauso angesprochen fühlen und versuchen, dazuzulernen, Neues in den Blick zu nehmen und uns unserer Berufung immer bewusster zu werden, dass wir berufen sind, in welcher Lebensform auch immer. Das gilt auch für uns Brüder im Orden: Zeugnis zu geben für den liebenden Gott, für den Ursprung und Vater aller Menschen, für die Geschwisterlichkeit. Somit, dass wir auch unseren Beitrag für die Gesellschaft, für die Menschheit und für die Zukunft leisten.“

„Ich kann mir nur wünschen, dass die Enzyklika weitere Verbreitung findet“

Dies, so betont der Ordensmann, halte er für den der Enzyklika in besonderer Weise innewohnenden Gedanken: „Mit Blick auf die Zukunft hin, die Gesellschaft, die Welt, die sich verändert, wo können wir Orientierung finden? Ich kann mir nur wünschen, dass die Enzyklika weitere Verbreitung findet, auch über die Grenzen der Kirche hinaus und die Menschen darin Orientierung finden zu einem Leben in Geschwisterlichkeit, in Gerechtigkeit und so eben die Welt zu gestalten.“

Eine kleine Anekdote vom Papstbesuch gibt uns Bruder Thomas noch mit auf den Weg: Der derzeitige Ökonom des Klosters, Bruder Jorge, sei Argentinier wie der Papst. Und so habe der Ökonom nach der Messe eine besondere Aufmerksamkeit für seinen Landsmann parat gehabt: „Er hat dem Papst dann noch mit einer kleinen Erfrischung und dem argentinischen Nationalgetränk Mate überrascht, da hat der Papst sich sehr gefreut und hat sich einen Moment ausgeruht, hat seinen Mate getrunken und ist dann wieder abgereist.“

(vatican news - cs)

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05. Oktober 2020, 14:22