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Papst an Mariologen: „Eine Welt ohne Mütter hat keine Zukunft“

Die derzeitige Corona-Zeit ist im Grunde „die Zeit Mariens“. Das sagte Papst Franziskus an diesem Samstagmittag im Vatikan. Er empfing Dozenten und Studentinnen und Studenten der Päpstlichen Theologischen Fakultät „Marianum“ in Rom. Was Franziskus genau mit „Zeit Mariens“ meinte, erläuterte er in seinen Ausführungen in der Audienzhalle an die „Experten der Mariologie“.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die derzeitige Pandemie bringe viele negative Nachrichten und „dunkle Prognosen“ mit sich, doch gerade in einem solchen schwierigen Kontext komme die Mutter Jesu uns zu Hilfe, erinnerte Franziskus. Denn eine Mutter sei da, um neues Leben zu schaffen. Und Maria als Frau habe sich um das Volk Gottes gekümmert, fügte er an. „Wie vielen Frauen wird nicht die Würde zugestanden, die ihnen zusteht“, kritisierte der Papst in seiner Rede.

Zum Nachhören - was der Papst an Mariologen sagte

Die Hochschule „Marianum“ in Rom setzt ihren Schwerpunkt auf die Mariologie, die Lehre von Maria. Die Einrichtung feiert in diesem Jahr ihr 70jähriges Bestehen. Den Studenten und Professoren sagte der Papst:

„Die Schule Mariens zu besuchen, bedeutet, eine Schule des Glaubens und des Lebens zu besuchen. Darin sehen wir den Sinn und die Perspektive der Forschung der Päpstlichen Theologischen Fakultät ,Marianum´ in Rom, die den Dienern Mariens anvertraut ist.“

Mariologie bedeute, im marianischen Stil zu leben, mit anderen theologischen Instituten zusammenzuarbeiten, aufmerksam für die „Zeichen der marianischen Zeit“ zu bleiben und manchmal die Volksfrömmigkeit zu reinigen. Ob damit der Umgang mit Marienerscheinungen gemeint war, erläuterte der Papst jedoch nicht. Vielmehr fügte er an, dass die Bitte um Fürsprache Mariens und ihre Schönheit auch „in die Kultur, durch Kunst und Poesie,“ einzubringen seien. Dadurch werde der Menschheit neue Hoffnung geschenkt.

Der Papst bei der Audienz im Vatikan
Der Papst bei der Audienz im Vatikan

Das Herz der Mutter

Er wolle „zwei starke Konzepte“ über Maria, als Mutter und als Frau, einbringen, unterstrich Franziskus. Unter Hinweis darauf, dass „wir in der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils leben“, schöpfe die Mariologie ihre Kraft aus dem Konzilsschreiben „Lumen gentium“. Deshalb sei über die gegenwärtige Krisenzeit hinaus ein Zeitalter Mariens festzustellen.

„Sie ist die Mutter, die Beste aller Mütter, und deshalb fähig, die Kirche und die Welt geschwisterlicher zu machen. Die Kirche muss ihr mütterliches Herz wiederentdecken, das für die Einheit schlägt; aber sie braucht auch unsere Erde, um wieder die Heimat all ihrer Kinder zu sein. Wir brauchen eine gesunde Welt, wo wir alle Brüder und Schwestern sind und wo Platz für jeden ist, ohne dass jemand aus unserer Gesellschaft ausgesondert wird.“

Mutterschaft bedeute Zärtlichkeit, Leben erzeugen und regenerieren, führte der Papst weiter aus. Eine Welt ohne Mütter habe deshalb keine Zukunft: Gewinne und Profit allein würden keine Zukunft schaffen. Vielmehr seien dies Elemente, die „sogar Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten verstärken“. Mütter sorgten stattdessen dafür, dass sich jedes Kind zu Hause fühle.

Das Treffen mit der Delegation des Marianum fand in der Audienzhalle statt
Das Treffen mit der Delegation des Marianum fand in der Audienzhalle statt

Weiblicher Verstand und Stil gefragt

Im gesamten Neuen Testament und insbesondere in den Evangelien sei Maria „die Frau, die neue Eva, die sich von Kana bis Kalvarienberg für unser Heil einsetzt“.

„Sie ist die in die Sonne gekleidete Frau, die sich um die Nachkommen Jesu kümmert. Eine Mutter, die die Kirche zu einer Familie macht, eine Frau, die uns zu einem Volk macht.“

Franziskus ging dann auf die Volksfrömmigkeit ein, die sich auf die Muttergottes beruft, und ermutigte die Mariologie, ihr aufmerksam zu folgen und sie zu fördern - und manchmal zu reinigen. Er lud alle ein, aufmerksam auf die „Zeichen der marianischen Zeit“ zu achten:

„Dazu gehört gerade die Rolle der Frau: Sie ist für die Heilsgeschichte wesentlich. Sie kann für die Kirche und die Welt nur wesentlich sein. Aber wie vielen Frauen wird nicht die Würde zugestanden, die ihnen zusteht! Die Frau, die Gott in die Welt gebracht hat, muss in der Lage sein, ihre Gaben in die Geschichte einzubringen. Ihr Verstand und ihr Stil sind gefragt. Die Theologie braucht sie, damit sie nicht abstrakt und konzeptuell, sondern delikat, narrativ, vital ist.“

Die Mariologie sei aufgerufen, „in der Kirche mehr würdige Räume für Frauen zu suchen, beginnend mit der gemeinsamen Taufwürde.

Geschwisterliche Institution

Das Marianum, so erinnert der Papst, sei eine „geschwisterliche Institution“, die dazu berufen sei, den Horizont zu erweitern. Sie habe auch die Aufgabe, die Angst vor der „Öffnung“ zu überwinden. Sich selbst aufs Spiel zu setzen, bekräftigte Franziskus, bedeute, Leben zu geben, wie es Mütter tun.

Und Maria sei eine Mutter, die die Kunst der Begegnung und des gemeinsamen Gehens lehre. Es sei also schön, dass wie in einer großen Familie verschiedene theologische und spirituelle Traditionen im Marianum zusammenkämen. Auf diese Weise würde auch der ökumenische und interreligiöse Dialog gefördert.

Die Marien-Ikone von Pater Rupnik
Die Marien-Ikone von Pater Rupnik

Unsere Liebe Frau von Rupnik

Zum Abschluss seiner Rede erinnerte Franziskus an ein Gemälde des Jesuitenpaters Marko Ivan Rupnik, in dem die Muttergottes im Vordergrund erscheint, aber nicht ist.

„Sie nimmt Jesus auf und lässt ihn mit ihren Händen schrittweise herabsteigen. Dieses Werk von Pater Rupnik ist in der Tat eine Botschaft. Und was ist Maria bei uns? Sie ist diejenige, die für jeden von uns Christus herabsteigen lässt. Christus ist der allmächtige Gott. Sie lässt aber auch den Christus-Menschen hinabsteigen, der für uns schwach geworden ist. Denn Christus ist der Mann, der für uns schwach wurde. So sollen wir die Gottesmutter sehen: Als diejenige, die Christus in die Welt hineinbringt, die Christus geboren hat und die immer eine Frau bleibt. Es ist so einfach... Und wir bitten die Gottesmutter, uns zu segnen. Ich werde Ihnen allen jetzt den Segen geben und darum bitten, dass wir immer diesen Geist von Kindern und Geschwistern in uns haben können. Bleiben wir Töchter und Söhne Mariens, Kinder der Kirche, Geschwister unter uns.“

(vatican news)

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24. Oktober 2020, 13:16