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Franziskus bei seinem Angelusgebet Franziskus bei seinem Angelusgebet  (Vatican Media)

Papst nominiert 13 neue Kardinäle

Papst Franziskus hat die Schaffung neuer Kardinäle angekündigt. Am 28. November will er 13 verdiente Kirchenleute ins Kardinalskollegium aufnehmen. Das sagte er bei seinem Angelusgebet an diesem Sonntag.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Franziskus verlas nach dem Gebet des Engel des Herrn überraschend die Liste von Kirchenleuten, die er zu Kardinälen erheben wird. Hier finden Sie die vollständige Liste. Es wird das siebte Konsistorium dieses Papstes zur Kreierung neuer Kardinäle seit seinem Amtsantritt 2013.

Einige der neuen Kardinäle sind Leiter von Bistümern in verschiedenen Teilen der Welt. So gehen Kardinalshüte nach Ruanda, Brunei, Chile und auf die Philippinen. Der Apostolische Administrator von Santiago de Chile, Erzbischof Celestiono Aós, wird in seinem Einsatz für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der chilenischen Kirche durch den roten Hut bestärkt. Anrührend ist die Ehrung des Papstes für den Ruander Antoine Kambanda: Der Erzbischof von Kigali hat beim Völkermord 1994 alle seine Familienmitglieder verloren - bis auf einen Bruder, der heute in Italien lebt.

Der Senat der Kirche wird noch internationaler

Der lateinamerikanische Papst bleibt mit dem angekündigten Konsistorium seiner Linie treu, den „Senat der Kirche“ immer internationaler zu machen. Auch Erzbischof Wilton Gregory von Washington ist unter den Neuernannten. Gregory wird das erste afroamerikanische Mitglied in der Geschichte des Kardinalskollegiums sein. Sein Vorgänger Donald Wuerl scheidet am 12. November aus dem Kreis möglicher Papstwähler aus, weil er die entsprechende Altersgrenze erreicht.

Pater Cantalamessa kennt den jetzigen Papst schon aus dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires
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Auch ein römischer Pfarrer wird Kardinal

Den Kardinalshut verleiht der Papst auch an zwei Mitarbeiter der Römischen Kurie. Es sind Bischof Marcello Semeraro, der neue Präfekt der Heiligenkongregation, sowie der aus Malta stammende Bischof Mario Grech, Generalsekretär der Bischofssynode. Überraschend kommt die Kardinalswürde für den Priester Enrico Feroci: Der frühere Direktor der Caritas in der italienischen Hauptstadt ist derzeit Pfarrer einer römischen Gemeinde. Franziskus stärkt außerdem einmal mehr das franziskanische Profil seines Pontifikats, indem er den Verantwortlichen des Franziskaner-Konvents von Assisi, Mauro Gambetti, in den - wie eine US-Nachrichtenagentur einmal formulierte - exklusivsten Männerclub der Welt aufnimmt.

Zum Nachhören

Auch der Prediger des Päpstlichen Hauses, Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa, der langjährige Vatikandiplomat Erzbischof Silvano Tomasi und der emeritierte Bischof der mexikanischen Indigenenprovinz Chiapas, Felipe Arizmendi Esquivel, stehen auf der Liste der künftigen Kardinäle. Die drei genannten Kirchenmänner sowie Feroci sind schon älter als 80 Jahre. Das bedeutet: Bei einem künftigen Konklave sind sie nicht mit dabei. Kardinäle, die an einer Papstwahl teilnehmen, dürfen nämlich nicht älter als 80 Jahre sein.

Felipe Arizmendi, früherer Bischof von San Cristóbal in Chiapas (Mexiko)
Felipe Arizmendi, früherer Bischof von San Cristóbal in Chiapas (Mexiko)

Deutscher Sprachraum nicht berührt

Der deutsche Sprachraum ist von den Kardinalserhebungen, die Franziskus ankündigte, nicht berührt. Sechs der neuen Kardinäle - also knapp die Hälfte - sind Italiener. Insgesamt neun der jetzt nominierten Kardinäle dürften nach jetzigem Stand an der Wahl eines neuen Papstes teilnehmen.

Mit dem Konsistorium von Ende November wird die Zahl der Papstwähler in einem eventuellen Konklave 130 betragen. Insgesamt wird es ab dem 28. November 232 Kardinäle geben. Auch Angelo Becciu, den Papst Franziskus unlängst seiner Kardinalsrechte für verlustig erklärt hat, wird weiter zum Kardinalskollegium gezählt, darf aber nicht an einem Konklave teilnehmen.

Wilton Gregory: Der erste afroamerikanische Kardinal der Geschichte
Wilton Gregory: Der erste afroamerikanische Kardinal der Geschichte

Der Purpur, der Titel

Kardinäle sind Purpurträger: Mit dieser Farbe zeigen sie ihre Bereitschaft, bis zum Blutvergießen (usque ad sanguinis effusionem) für die Kirche und den Papst einzustehen. Auch wenn sie weit über die Welt verstreut sind, erhalten sie doch eine Pfarrei in Rom als Titel (die sogenannte Titelkirche). Das hängt damit zusammen, dass sich das Kardinalskollegium historisch aus dem Kreis der römischen Pfarrer entwickelt hat.

Die Ankündigung einer Schaffung neuer Kardinäle durch den Papst erfolgt in der Regel überraschend. Das letzte entsprechende Konsistorium fand im Oktober letzten Jahres im Vatikan statt.

(vatican news)

Ein Pfarrer wird Kardinal: Enrico Feroci (r.), hier mit Italiens Außenminister Di Maio
Ein Pfarrer wird Kardinal: Enrico Feroci (r.), hier mit Italiens Außenminister Di Maio

 

25 Oktober 2020, 12:20