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Caravaggio: Der hl. Hieronymus Caravaggio: Der hl. Hieronymus 

„Große Gestalt“: Papst würdigt den Kirchenlehrer Hieronymus

„Scripturae Sacrae affectus“ (Eine leidenschaftliche Liebe zur Heiligen Schrift): So heißt ein Apostolisches Schreiben, mit dem Papst Franziskus den hl. Kirchenlehrer Hieronymus würdigt. Der Kirchenlehrer starb am 30. September 420 – also vor genau 1.600 Jahren – in Betlehem.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Gelehrter, Übersetzer, Exeget, profunder Kenner und leidenschaftlicher Verbreiter der Heiligen Schrift, feinsinniger Ausleger der biblischen Texte“ – so sieht der Papst den Heiligen, der einst die Heilige Schrift ins Lateinische übersetzte. Er zeichnet ihn als „glühenden, zuweilen auch vehementen Verteidiger der christlichen Wahrheit“, als „asketischen und unnachgiebigen Eremit und erfahrenen Seelenführer“. Auch heute noch sei seine Gestalt „hochaktuell“.

Franziskus unterschlägt nicht, dass sich Sophronius Eusebius Hieronymus, der 347 im heutigen Kroatien oder Slowenien geboren wurde, zunächst stärker zur Sprache Ciceros hingezogen fühlte als zu den Evangelien. Auch Hieronymus, dieser Zeitgenosse des Kirchenvaters Augustinus, habe eine Art Bekehrungserlebnis durchgemacht, darin dem Bischof von Hippo nicht unähnlich. Jedenfalls gehöre er „mit Fug und Recht zu den großen Gestalten der Alten Kirche“ und in „das goldene Zeitalter der Patristik“ hinein.

„Betrachtung, innere Prüfungen, geistlicher Kampf“

Das Leben des Hieronymus, das Papst Franziskus in seinem Schreiben skizziert, war reich an Brüchen und Wendungen; er studierte u.a. in Trier, lernte Griechisch in Antiochien, lebte als Einsiedler in der syrischen Einöde. Hieronymus habe die Wüste „als Ort grundlegender existentieller Entscheidungen“ erlebt, „der Vertrautheit und der Begegnung mit Gott“, so der Papst. Der Eremit sei in der Einsamkeit „durch Betrachtung, innere Prüfungen, geistlichen Kampf zur Erkenntnis der Schwäche gelangt, mit einem größeren Bewusstsein um die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer“.

Doch der Heilige verließ die Wüste wieder, ließ sich 379 zum Priester weihen, ging dann nach Konstantinopel, wurde in Rom Sekretär von Papst Damasus I., musste die Stadt nach dem Tod des Damasus wieder verlassen. Über Ägypten zog er nach Palästina, ließ sich dann 386 endgültig in Betlehem nieder. Hier lebte er bis zu seinem Tod, gründete Mönchsgemeinschaften, unterstützte Pilger – und übersetzte die Heilige Schrift aus den Urtexten ins Lateinische. Die bis heute in der katholischen Kirche maßgebliche „Vulgata“ ist sein bleibendes Erbe.

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Mönch, Büßer, Gelehrter

„Das Studium ist für Hieronymus kein vorübergehendes Vergnügen als Selbstzweck, sondern eine Übung des geistlichen Lebens, ein Mittel, um zu Gott zu gelangen“, schreibt Franziskus. „Mönch und Büßer“, aber auch „Gelehrter“ – das seien die zwei wichtigsten Facetten des Kirchenlehrers gewesen. Caravaggio habe sie auf einem berühmten Gemälde, das heute in der römischen Galleria Borghese gezeigt wird, zusammengeführt: „In ein und derselben Szene ist der alte Asket dargestellt, spärlich mit einem roten Tuch bekleidet, auf dem Tisch ein Totenschädel als Symbol der Eitelkeit der irdischen Wirklichkeiten; zugleich ist jedoch auch seine Eigenschaft als Gelehrter eindrücklich dargestellt, den Blick fest auf das Buch geheftet, während seine Hand die Feder in das Tintenfass taucht, mit der typischen Geste des Schriftstellers.“

Beredt würdigt Franziskus die „leidenschaftliche Liebe“ des hl. Hieronymus zum Wort Gottes. „Wenn alle Kirchenlehrer – und insbesondere jene des frühen Christentums – ihre Lehrinhalte ausdrücklich aus der Bibel geschöpft haben, so hat Hieronymus dies auf eine systematischere und gewissermaßen einzigartige Weise getan.“

„Das ganze Alte Testament ist unverzichtbar, um in die Wahrheit und in den Reichtum Christi einzudringen“

Hieronymus lehre uns, dass nicht nur das Neue Testament als Weg zu Gott studiert werden solle: „Denn das ganze Alte Testament ist unverzichtbar, um in die Wahrheit und in den Reichtum Christi einzudringen.“ Der „Reichtum der Schrift“ werde leider heutzutage „von vielen nicht erkannt“, bedauert der Papst. Darum müsse unbedingt „eine Bildung für alle Christen gefördert werden, damit jeder befähigt wird, das heilige Buch zu öffnen und ihm die unschätzbaren Früchte der Weisheit, der Hoffnung und des Lebens zu entnehmen“. Aus diesem Grund habe er den „Sonntag des Wortes Gottes“ in der Kirche eingeführt.

Peinlicher Blick ins religiöse Buchregal

Ausdrücklich ermuntert Franziskus zu fortgesetzten Bemühungen, die Bibel in weitere Sprachen zu übersetzen. „Es gibt noch viel zu tun.“ Etwas gequält bemerkt er, dass die Abteilung der religiösen Bücher heute in Buchhandlungen oder im Netz meist „einen marginalen Platz“ einnimmt und „keine gehaltvollen Werke“ enthält. „Beim Stöbern in diesen Regalen oder Internetseiten mag ein junger Mensch kaum verstehen, dass die religiöse Suche ein begeisterndes Abenteuer sein kann“. Der Papst ruft dennoch die jungen Leute von heute dazu auf, sich „auf die Suche nach eurem Erbe“ zu machen.

„Vielleicht über das Ziel hinausgeschossen“

Dass sich Hieronymus in seinen Schriften manchmal zu ätzender Polemik hinreißen ließ, wird von Papst Franziskus in seiner Eloge nicht unterschlagen. „Vielleicht ließen seine Wahrheitsliebe und die glühende Verteidigung Christi ihn in seinen Briefen und Schriften mit heftigen Worten über das Ziel hinausschießen“, schreibt er, versichert aber: „Sein Leben war jedoch auf den Frieden ausgerichtet.“

(vatican news)
 

30 September 2020, 13:11