Suche

Vatican News
Die Audienz für die Wohltätigkeitsorganisation, die sich um die Zugänglichkeit von Medizin für alle Menschen kümmert Die Audienz für die Wohltätigkeitsorganisation, die sich um die Zugänglichkeit von Medizin für alle Menschen kümmert  (Vatican Media)

Papst: Keine Diskriminierung bei Medikamentenvergabe

Jeder muss Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten. Darauf wies Papst Franziskus an diesem Samstagvormittag hin. Der Papst empfing rund 200 Freiwillige und Förderer des sogenannten „Banco farmaceutico“ (dt. etwa „Medikamenten-Theke“) in Audienz. Die medizinische Wohlfahrtsorganisation feiert den 20. Jahrestag ihrer Gründung.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die „Medikamenten-Theke“ sammelt seit dem Jahr 2000 Medikamente, die nicht mehr gebraucht werden, aber noch von guter Qualität sind. Diese verteilen sie dann an die Ärmsten, die sich solche Arzneimittel nicht leisten können. Der Papst schlug bei seiner Audienz statt der voranschreitenden „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ eine „Globalisierung der ärztlichen Behandlung“ vor, um so jedem die Möglichkeit zu geben, „die benötige Medizin zu erhalten, die Leben retten kann“.

Zum Nachhören

Es gebe so viele Ungerechtigkeiten zwischen Nationen und Völkern, erinnerte der Papst in seiner Ansprache. Zu den verschiedenen Arten der Ausgrenzung gehöre auch eine „pharmazeutische Ausgrenzung“. Das sei eine Art „Peripherie des Rechts auf Gesundheit“.

Manchmal laufe man Gefahr, aus Geldmangel nicht behandelt werden zu können, oder weil einige Menschen auf der Welt keinen Zugang zu bestimmten Medikamenten hätten, verwies der Papst. Dadurch entstehe eine weitere Kluft zwischen den Nationen und zwischen den Völkern. Auf der ethischen Ebene sollte jedoch gelten, dass ein Medikament für alle zugänglich sein sollte, wenn man damit bestimmte Krankheiten heilen könne, wiederholte der Papst ein Konzept, das ihm erklärtermaßen sehr am Herzen liegt. Ansonsten werde nur noch mehr Ungerechtigkeit in der Welt verbreitet. Noch immer würden zu viele Menschen „unfairerweise“ sterben, nur weil man ihnen nicht die benötige Mittel zur Verfügung gestellt habe. Noch immer würden zu viele Kinder auf der Welt leiden, weil sie das in anderen Welt-Regionen erhältliche Medikament nicht bekommen könnten, zählte der Papst auf.

Treffen in der Audienzhalle
Treffen in der Audienzhalle

Verpflichtung für alle

Franziskus schlug in diesem Zusammenhang vor, eine Verpflichtung mit globaler Reichweite zu vereinbaren: 

„Wir kennen die Gefahr der Globalisierung der Gleichgültigkeit; ich schlage stattdessen vor, die Heilung für alle zu globalisieren, d.h. die Möglichkeit des allgemeinen Zugangs zu jenen Medikamenten, mit denen so viele Leben in allen Völkern gerettet werden könnten. Um dazu brauchen wir eine gemeinsame Anstrengung, die alle miteinbezieht. Ihr seid das Beispiel für diesen gemeinsamen Einsatz.“

Die Worte des Papstes bezogen aber auch die Forscher ein, deren wertvolle Arbeit ebenfalls „ein großartiges Beispiel dafür darstellt, wie die Forschung und die Intelligenz des Menschen in der Lage sind, so weit als möglich neue Wege der Heilung und Pflege zu entwickeln“.

Für Franziskus könnten diejenigen, die Medikamente herstellen, und diejenigen, die sie verteilen, gemeinsam für alle einstehen und mithelfen, eine „gesündere“ Welt aufzubauen. Jeder könne auf seinem eigenen Gebiet mithelfen, so der Ratschlag des Papstes. Durch ihre Fähigkeiten könnten Dienstleistungen und Nähe eine neue und bessere Hilfe für alle darstellen.

„Pharmazeutische Unternehmen können durch die Unterstützung der Forschung und die Steuerung der Produktion großzügig zu einer gerechteren Verteilung von Medikamenten beitragen. Die Apotheker sind aufgerufen, den Bedürftigsten nahe zu sein, und nach bestem Wissen und Gewissen für das ganzheitliche Wohl derer zu arbeiten, die sich an sie wenden.“

In diesem Zusammenhang seien auch die Regierungen aufgerufen, durch „legislative und finanzielle Entscheidungen“ eine gerechtere Welt aufzubauen, „in der die Armen nicht im Stich gelassen werden oder schlimmer noch, ausgemustert werden“.

Der Papst bedankte sich bei den Freiwilligen
Der Papst bedankte sich bei den Freiwilligen

Pandemie und pharmazeutische Armut

Die jüngste Erfahrung der Pandemie, so erinnert der Papst, habe eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst, die weitere Armut und insbesondere eine „pharmazeutische Armut“ hervorgeruft habe. Das habe zu vielen Ausgrenzungen geführt:

„Neben der karitativen Hilfe geht es auch darum, diese pharmazeutische Armut zu bekämpfen, insbesondere durch die weite Verbreitung der neuen Impfstoffe in der Welt. Ich wiederhole, dass es traurig wäre, wenn bei der Bereitstellung des Impfstoffs den Reichsten Priorität eingeräumt würde oder wenn dieser Impfstoff in den Besitz dieses oder jenes Landes und nicht in den Besitz aller gelangen würde.“

Der Weg des Evangeliums

Zum Schluss dankte Franziskus den Anwesenden für ihren Dienst an den Schwächsten und erinnerte abschließend an den Wert einer der bekanntesten Initiativen der „Medikamenten-Tresen“:

„Der Tag der Arzneimittelsammlung ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie Großzügigkeit und das Teilen von Gütern unsere Gesellschaft verbessern und Zeugnis ablegen kann von der Liebe in der Nähe, die das Evangelium von uns verlangt.“

(vatican news)

19 September 2020, 12:28