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Papst Franziskus Papst Franziskus  (AFP or licensors)

Im Wortlaut: Papst Franziskus beim Angelus

Lesen Sie hier die Ansprache, die Papst Franziskus beim Angelusgebet am Samstag, dem Fest Mariä Himmelfahrt, gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Den offiziellen Text finden Sie in Kürze auf der Homepage des Vatikans.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Als der Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, wurde ein Satz gesprochen, der Berühmtheit erlangte: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ Tatsächlich hatte die Menschheit eine historische Ziellinie erreicht. Heute aber, am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, feiern wir eine unendlich größere Eroberung. Die Gottesmutter hat ihren Fuß ins Paradies gesetzt: Sie ist nicht nur mit ihrem Geist dorthin gegangen, sondern auch mit dem Leib, mit ihrem ganzen Selbst. Dieser Schritt der kleinen Jungfrau von Nazareth ist für die Menschheit der große Sprung voran schlechthin. Es nützt nicht viel, zum Mond zu fahren, wenn wir nicht als Brüder und Schwestern auf der Erde leben. Dass aber eine von uns im Himmel mit ihrem Leib wohnt, schenkt uns Hoffnung: Wir verstehen, dass wir wertvoll sind, dazu bestimmt aufzuerstehen. Gott wird unsern Leib nicht im Nichts vergehen lassen. Bei Gott wird nichts verloren gehen! In Maria ist das Ziel erreicht, und uns steht der Grund vor Augen, warum wir weitergehen: nicht um die vergänglichen Dinge von hier unten zu gewinnen, sondern die Heimat dort oben, die ewig bestehen bleibt. Und die Gottesmutter ist der Stern, der uns leitet. Sie ist zuerst vorangegangen. Wie das Konzil lehrt, „leuchtet sie … als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran.“ (Lumen Gentium 68)

Was rät uns unsere Mutter? Das erste, was sie im heutigen Evangelium sagt ist: „Magnificat! Meine Seele preist die Größe des Herrn“ (Lk 1,46). Da wir uns an diese Worte gewöhnt haben, nehmen wir vielleicht nicht mehr ihre Bedeutung wahr. Magnificare heißt wörtlich „groß machen“, vergrößern. Maria „macht den Herrn groß“: nicht die Probleme, die sie in dem Augenblick auch hatte, sondern den Herrn. Wie oft lassen wir uns hingegen von den Schwierigkeiten überwältigen und von Ängsten gefangen nehmen! Nicht so die  Gottesmutter, denn sie räumt Gott den ersten Platz im Leben ein. Von hier aus entsteht das Magnificat, von hier geht Freude aus: Nicht die Abwesenheit von Problemen, die früher oder später kommen werden, sondern von der Gegenwart Gottes kommt die Freude. Denn Gott ist groß. Und außerdem schaut Gott auf die Kleinen.

Maria sieht sich selber als klein an und preist „das Große“ (Vers 49), das Gott an ihr getan hat. Was genau? Zuallererst das unerwartete Geschenk des Lebens: Maria ist Jungfrau und wird schwanger; und auch Elisabeth, die alt war, erwartete ein Kind. Der Herr tut Wunder an den Kleinen, an denen, die sich nicht für groß halten, die aber in ihrem Leben Gott ein Platz einräumen. Er schenkt seine Barmherzigkeit denen, die auf ihn vertrauen und erhöht die Niedrigen. Deswegen lobt Maria Gott.

Und wir können uns fragen: Denken wir daran Gott zu loben? Danken wir ihm für die großen Dinge, die er für uns getan hat? Für jeden Tag, den er uns schenkt, weil er uns liebt und uns immer vergibt, für seine Zärtlichkeit? Und außerdem: Für das Geschenk seiner Mutter, für die Brüder und Schwestern, die er uns an den Weg stellt, dafür, dass er uns den Himmel geöffnet hat? Loben wir Gott für diese Dinge? Wenn wir das Gute vergessen, wird das Herz klein. Wenn wir aber wie Maria an die großen Dinge erinnern, die der Herr vollbringt, wenn wir ihn wenigstens einmal am Tag „groß machen“, dann gehen wir einen großen Schritt voran. Einmal am Tag zu sagen, ich lobe den Herrn und gepriesen sei Gott. Das Herz wird mit diesem Gebet weit, die Freude nimmt zu. Bitten wir die Gottesmutter, das Tor des Himmels, um die Gnade, jeden Tag zu damit zu beginnen den Blick zum Himmel zu richten, um Gott „Danke!“ zu sagen, wie es auch die Kleinen den Großen tun.

Nach dem Angelus

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Jungfrau Maria, die wir heute in der himmlischen Herrlichkeit betrachten, ist die „Mutter der Hoffnung. Kürzlich wurde dieser ihr Titel in die Lauretanische Litanei eingefügt. Rufen wir ihre Fürsprache an für all die Situationen in der Welt, die nach Hoffnung dürsten: Hoffnung auf Frieden, auf Gerechtigkeit, auf ein würdiges Leben. Heute möchte ich besonders für die Bevölkerung in den nördlichen Regionen Nigerias beten, die Opfer von Gewalt und terroristischer Angriffe geworden sind.

Ich grüße euch alle: Römer und Pilger aus verschiedenen Ländern: Familien, Pfarrgruppen, Vereine. Besonders grüße ich die Jugendlichen der Katholischen Aktion von San Gerolamo in Triest.

Ich wünsche ein gesegnetes Fest Mariä Himmelfahrt denen, die hier zugegen sind, denen die in Ferien sind wie auch denen, die keine Möglichkeit dazu haben. Besonders die Kranken, die einsamen Menschen und für die Menschen, die einen unersetzlichen Dienst für die Gemeinschaft leisten.

Es ist ein schönes Zeichen, an einen Wallfahrtsort zu gehen, um der Gottesmutter Ehre zu erweisen. Die Römer und die Menschen, die in der Stadt sind könnten nach Santa Maria Maggiore gehen, um vor der Ikone „Salus Populi Romani“ zu beten. Ich bitte euch: Vergesst nicht, für mich zu beten! Buon pranzo e arrivederci!

Übersetzung: P. Max Cappabianca OP

(vaticannews - mc)

15 August 2020, 12:10