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Papst erinnert an Not der Flüchtlinge in Libyen

Sieben Jahre nach seinem Besuch auf Lampedusa hat Papst Franziskus an diesem Mittwoch in einer Messe in der Kapelle der Casa Santa Marta an das Leid von Flüchtlingen erinnert. Teil nahmen neben dem Papst nur die Mitarbeiter der Abteilung Migranten und Flüchtlinge der vatikanischen Entwicklungs-Behörde. Dass in diesem Jahr keine Flüchtlinge dabei sein konnten, ist der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Schutzbestimmungen geschuldet.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Im vergangenen Jahr feierte der Papst die Heilige Messe am Kathedra-Altar des Petersdoms, an der etwa 250 Menschen teilnahmen, darunter Migranten, Flüchtlinge und Menschen, die sich für die Rettung ihres Lebens eingesetzt haben. Franziskus möchte jedes Jahr an seine erste „päpstliche Reise“ erinnern. Dies war in diesem Jahr jedoch in der Form nicht möglich. Deshalb feierte er den Gottesdienst in der Kapelle seiner Residenz im Vatikan.

Zum Nachhören

In seiner Predigt griff der Papst insbesondere den heutigen Psalm auf: „Sucht sein Antlitz allezeit!“ (Vgl. Ps 105). „Die Suche nach dem Antlitz Gottes ist eine Garantie für das Gelingen unserer Reise in dieser Welt, die ein Exodus in das wahre Gelobte Land – die Heimat im Himmel – ist. Das Antlitz Gottes ist unser Ziel, und es ist auch der Polarstern, der dafür sorgt, dass wir uns nicht verirren“, erklärte der Papst.

Die Feier in Santa Marta
Die Feier in Santa Marta

Dann kommentierte der Papst die erste Lesung (vgl. Hos 10, 1-3.7-8.12): „Das Volk Israel, das der Prophet Hosea in der ersten Lesung beschreibt, war damals ein verlorenes Volk. Ein Volk, das das Gelobte Land aus den Augen verloren hatte und in der Wüste der Ungerechtigkeit umherirrte. Der Wohlstand und der Reichtum im Überfluss hatten die Herzen der Israeliten vom Herrn entfernt und sie mit Falschheit und Ungerechtigkeit erfüllt.“

Erneute Einladung

Es sei eine Sünde, vor der auch wir, die Christen von heute, nicht gefeit seien - fuhr Franziskus fort - der Aufruf Hoseas erreiche uns heute als eine erneute Einladung zur Umkehr, „unsere Augen auf den Herrn zu richten, um sein Gesicht zu sehen“.

„Diese persönliche Begegnung mit Jesus Christus ist auch für uns, die Jünger des dritten Jahrtausends, möglich. Auf unser Suche nach dem Antlitz des Herrn können wir ihn erkennen im Angesicht der Armen, der Kranken, der Verlassenen und der Fremden, die Gott unseren Weg kreuzen lässt. Und diese Begegnung wird auch für uns zu einer Zeit der Gnade und des Heils, die uns mit derselben Mission betraut, die den Aposteln anvertraut wurde“, versichert der Papst.

Franziskus erinnerte in seiner Predigt an das Schicksal der heutigen Migranten: „Ich denke an Libyen, an die Internierungslager, deren Misshandlungen und Gewalt die Migranten zum Opfer fallen, an die Reisen der Hoffnung, die Rettungen und die Zurückweisungen. Alles, was du getan hast... hast du mir angetan, heißt es in der Heiligen Schrift.“

Als der Dolmetscher übersetzte

Er erinnere sich an den Tag vor sieben Jahren auf der Insel Lampedusa, sagte der Papst weiter. Einige Leute erzählten ihm ihre Geschichten, wie sehr sie gelitten hätten, „um dorthin zu gelangen“.

„Es gab einen Dolmetscher, einer erzählte schreckliche Dinge, und der Dolmetscher schien gut zu übersetzen, aber dieser sprach lang, und stattdessen war die Übersetzung zu kurz im Vergleich zu dem, was der Migrant gesagt hatte. Als ich nach Hause zurückkehrte, saß eine Dame am Empfang von Santa Marta, die mittlerweile verstorben ist, Gott hab sie selig. Sie hatte Äthiopien verlassen und lebte in Rom. Sie sagte mir, dass das, was die Übersetzer gesagt hatte, nur ein kleiner Teil des Leidens gewesen sei, das der Flüchtling durchmachen musste. Der Dolmetscher hatte mir eine destillierte Version gegeben. Das passiert mit Libyen, man kann sich nicht vorstellen, was für eine Hölle man dort lebt, in diesen Gefangenenlagern, diese Menschen leben nur mit der Hoffnung, das Meer zu überqueren.“

(vatican news)

08 Juli 2020, 11:45