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Papst: Covid-19 fordert Kultur der Nähe und Zärtlichkeit

Franziskus hat an diesem Samstagvormittag den Gouverneur der norditalienischen Region Lombardei, Attilio Fontana, und eine Delegation von Ärzten und Krankenpflegern in Audienz empfangen. In seiner Ansprache ging der Papst auf die schwierige Herausforderung des Coronavirus ein. Die Lombardei gehört zu den am stärksten betroffenen Regionen Italiens und sogar Europas.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Sie seien in den Vatikan gekommen „um die Lombardei zu vertreten, eine der italienischen Regionen, die am stärksten von der Covid-19-Epidemie betroffen ist“, wandte sich der Papst an seine Besucher. In der Tat zählt die Lombardei zusammen mit Piemont, der Emilia Romagna und Venetien zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Gebieten Europas. Der Papst bekundete seine Nähe und Gebet für alle, die sich um die Betroffenen gekümmert hätten und sagte:

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„In diesen unruhigen Monaten haben sich die verschiedenen Realitäten der italienischen Gesellschaft bemüht, der gesundheitlichen Notlage mit Großzügigkeit und Engagement zu begegnen. Ich denke dabei an nationale und regionale Institutionen, an Gemeinden; ich denke an Diözesen und Pfarr- und Religionsgemeinschaften; an die vielen freiwilligen Vereinigungen. Wir haben mehr denn je die Sorge der Ärzte, Krankenpfleger und aller Mitarbeiter des Gesundheitswesens gespürt, die an vorderster Front einen mühsamen und manchmal heroischen Dienst geleistet haben. Sie waren ein sichtbares Zeichen von Menschlichkeit, die das Herz erwärmt. Viele von ihnen erkrankten und einige starben leider bei der Ausübung ihres Berufs. Wir gedenken ihrer im Gebet und mit großer Dankbarkeit.“

Die Nähe Gottes bezeugt

Diese Mitarbeiter im Gesundheitswesen, unterstützt durch die Fürsorge der Krankenhausseelsorger, hätten auch die Nähe Gottes zu den Leidenden bezeugt, fügte Franziskus an.

„Sie waren stille Handwerker der Kultur der Nähe und Zärtlichkeit. Die Kultur der Nähe und Zärtlichkeit. Und ihr wart Zeugen davon, auch in den kleinen Dingen: in Liebkosungen..., sogar mit dem Handy, den alten Mann, der im Begriff war zu sterben, mit seinem Sohn zu verbinden, mit seiner Tochter, um sich von ihnen zu verabschieden, um sie ein letztes Mal zu sehen...; kleine Gesten der Kreativität und der Liebe... Das war gut für uns alle. Zeugnis von Nähe und Zärtlichkeit.“

Und das sei die Lehre dieser Zeit gewesen: Nähe und Zärtlichkeit zu den Mitmenschen bekunden. Wie viele Ärzte, Sanitäter und Krankenpfleger hätten nicht nach Hause gehen können und hätten im Krankenhaus geschlafen oder eben dort, wo sie konnten, weil es keine Betten in der Klinik gab, erinnerte der Papst. Und das wecke Hoffnung, fügte er abweichend vom Redemanuskript an.

„Und wenn ich in die Zukunft blicke, werde ich an jene Rede von Fra Felice in Manzonis Werk ,Promessi sposi' (Kapitel 36) im Lazarett erinnert: mit wie viel Realismus betrachtet er die Tragödie; er blickt auf den Tod, aber er blickt auch in die Zukunft und macht weiter. Auf diese Weise werden wir geistig und moralisch gestärkt aus dieser Krise hervorgehen können.“

Und deshalb sollten sie nicht vergessen, dass sie alle, Ärzte, Sanitäter, Freiwillige, Priester, Ordensleute, Laien, mit Ihrer Arbeit ein Wunder bewirkt hätten. Zum Schluss erläuterte Franziskus, dass die neuen Anordnungen vorsehen, dass nicht wie üblich die Gäste sich in die Schlange stellen sollten, um den Papst zu grüßen - sondern dass er selbst durch die Reihen gehen werde, um mit jedem Einzelnen ein Wort zu wechseln. Die Gäste trugen auch Mundschutzmasken.

(vatican news)

20 Juni 2020, 13:02