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Papst bei Peter-und-Paul-Feier: Propheten der Einheit sein

Es kehrt langsam wieder Normalität ein: Zum römischen Hochfest Peter und Paul hat Papst Franziskus an diesem Montag eine Heilige Messe gefeiert, wie wir es von der Zeit vor der Pandemie kennen - wenn auch der Zugang von Gläubigen stark eingeschränkt war und die traditionelle ökumenische Delegation des Phanars fehlte.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Auch die Kollekte des Peterspfennigs, die traditionell am Fest Peter und Paul in den Kirchen weltweit stattfindet, wurde wegen der Pandemie auf den 4. Oktober verlegt. In seiner Predigt ging der Papst auf zwei Schlüsselworte der beiden Apostel ein: Sie seien für Einheit und Prophetie eingestanden.

Gemessen an der Kapazität des Petersdoms nahmen nur wenige Gläubige mit Mundschutz an dem Gottesdienst mit dem Papst teil. Im Petersdom, am Grab des heiligen Petrus, feierte Franziskus zum Hochfest ein Pontifikalamt. In seiner Predigt erläuterte der Papst, dass die beiden Apostel, die in Rom getötet und begraben wurden, lebhafte Diskussionen geführt hätten, „als sich ihre Wege kreuzten“:

Zum Nachhören

„Kurz gesagt, sie waren zwei sehr unterschiedliche Menschen, aber sie fühlten sich als Brüder, wie es in einer Familie ist, die zusammenhält, wo man des Öfteren diskutiert, sich aber doch liebt. Die Vertrautheit, die sie verband, war aber nicht naturgegeben – sie kam vom Herrn. Er hat uns nicht nur geboten, einander zu mögen, sondern einander zu lieben. Er ist es, der uns vereint, ohne uns dabei zu vereinheitlichen.“

Der Einzug
Der Einzug

Dann ging der Papst auf die erste Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 3, 1–10 ), in der es um die Bedeutung der Einheit geht. Es ging um die kritische Anfangsphase, die die ersten Christen erlebten. Petrus wurde verhaftet. Die Gemeinschaft schien um ihre führenden Köpfe gebracht worden zu sein, so der Papst. Doch aus dem Gebet schöpften sie Mut, „aus dem Gebet entsteht eine Einheit, die stärker ist als jede Bedrohung“.

Einheit sei ein Prinzip, das durch das Gebet bewirkt werde, „denn das Gebet ermöglicht es dem Heiligen Geist einzugreifen, Hoffnung zu schenken, Distanzen zu verringern und uns in Schwierigkeiten zusammenzuhalten“. Was dabei weiter auffalle, so der Papst weiter, sei die Annahme des Unheils durch die Gläubigen. Es sei „unnütz und auch unerquicklich, wenn Christen ihre Zeit damit verschwenden, über die Welt, über die Gesellschaft und alle möglichen Probleme zu lamentieren“, hob Franziskus mit einem Exkursus zu seiner Predigt an Pfingsten hervor. Gejammer ändere nichts, sondern sei eine der drei Verhaltensweisen, die dem Heiligen Geist die Tür verschlössen: Narzisissmus, Entmutigung und Pessimismus. Petrus selbst habe menschliche Schwächen gehabt, wegen derer er hätte kritisiert werden können - doch die Christen damals beschuldigten nicht, sie beteten. Auch wir sollten dem Wunsch Apostels Paulus entsprechend füreinander beten, unterstrich der Papst.

Die Bedeutung der Pallien

Dann erinnerte der Papst daran, dass an diesem Hochfest die Pallien gesegnet werden, die seit Johannes Paul II. auch dem neuen Dekan des Kardinalskollegiums - in diesem Fall Kardinal Giovanni Battista Re - und traditionsgemäß den im vergangenen Jahr ernannten Metropolitanerzbischöfen verliehen werden. Das Pallium gemahne ebenfalls an die Einheit - und zwar jener der Schafe mit dem Hirten, „der wie Jesus das Schaf auf seine Schultern nimmt, um sich niemals von ihm zu trennen“, so der Papst.

Er erinnerte auch daran, dass eigentlich „einer schönen Tradition folgend“ eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel bei der Messe dabei sein sollte, doch wegen der Corona-Pandemie musste darauf verzichtet werden. „Petrus und Andreas waren Brüder, und so finden, wenn möglich, zu den jeweiligen Feiertagen gegenseitige brüderliche Besuche statt. Das geschieht nicht einfach aus Höflichkeit, sondern um gemeinsam auf das Ziel zuzugehen, das der Herr uns zeigt: die volle Einheit“, so der Papst, der betonte, dass er die Anwesenheit seines „geliebten Bruders Bartholomaios“ dennoch im Herzen gespürt habe.

Die Provokation Jesu

Dann ging er zum zweiten Schlüsselwort über, zur Prophetie. Da sei vor allem die Provokation zu nennen, die Jesus an die beiden Apostel gerichtet hatte. Jesus habe das Leben der beiden Apostel radikal geändert. Bei beiden waren es Fragen des Herrn.

„Wir Menschen heute brauchen Prophetie, und zwar echte Prophetie – nicht Schwätzer, die Unmögliches versprechen, sondern Zeugen dafür, dass das Evangelium möglich ist. Wir brauchen keine wunderbaren Auftritte, sondern Biographien, an denen das Wunder der Liebe Gottes sichtbar wird. Nicht Macht, sondern Kohärenz. Nicht Worte, sondern Gebet. Nicht Appelle, sondern Dienst. Nicht Theorien, sondern Glaubenszeugnisse. Es ist nicht nötig, dass wir reich sind, sondern, dass wir die Armen lieben; es ist nicht nötig, dass wir für uns selbst etwas verdienen, sondern dass wir uns für die anderen verausgaben; wir brauchen nicht die Zustimmung der Welt, sondern Freude an der kommenden Welt; keine effizienten pastoralen Projekte, sondern Hirten, die Leben vermitteln – wir brauchen Menschen, die von der Liebe zu Gott erfüllt sind.“

Und so schloss er seine Predigt mit einem Aufruf an alle Gläubigen, gerade in der heutigen schwierigen Zeit dem Herrn zu folgen, uns „von Jesus provozieren“ zu lassen und dabei den Mut zu finden, dem Herrn zu sagen: „Ja, ich will!“

(vatican news)

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Eindrücke von der Feier
29 Juni 2020, 10:24