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Papst Franziskus bei der Generalaudienz Papst Franziskus bei der Generalaudienz  (Vatican Media)

Generalaudienz: Gott segnet jene, die sich von ihm verändern lassen

Das Gebet als Kampf mit Gott, als Ringen: eine Metapher, die Papst Franziskus lieb ist. Was er damit meint, und warum Gott seinen Segen jenen schenkt, die sich von ihm verändern lassen, hat der Papst bei seiner Generalaudienz am Mittwoch vertieft, und zwar anhand des Patriarchen Jakob aus dem Alten Testament.

Das Buch Genesis zeichnet das schwierige Verhältnis der beiden Zwillinge Jakob und Esau nach, erinnerte Franziskus. Mit List bringt Jakob den Bruder um dessen Erstgeborenenrecht. Er muss ins Ausland fliehen, wird reich und angesehen, erobert die Frau, die er begehrt: „ein Mann, der sich selbst verwirklicht”, so charakterisierte Franziskus den Patriarchen. Wie aber konnte dieser gerissene, nicht eben skrupulös wirkende Mann zum Vorbild im Gebet werden?

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Es geschah auf dem Rückweg in die Heimat (Gen 32,23-33). „Hier bietet das Buch Genesis uns eine bemerkenswerte Stelle”, sagte Franziskus. Nachdem Jakob seine Leute und sein Vieh über den Fluss gebracht hat, bleibt er allein auf dem fremden Ufer zurück und denkt darüber nach, was ihn wohl am nächsten Tag erwartet. „Welche Haltung wird der Bruder Esau annehmen? Jakobs Geist ist ein Sturm der Gedanken... und als es Abend wird, ergreift ihn auf einmal ein Unbekannter und beginnt mit ihm zu kämpfen. Die geistliche Überlieferung der Kirche hat in dieser Geschichte ein Sinnbild des Gebetes gesehen, insofern dieses ein Glaubenskampf und ein Sieg der Beharrlichkeit ist (KKK 2573)“, zitierte der Papst den Katechismus.

Die ganze Nacht kämpften die beiden. Am Ende segnete der Unbekannte Jakob und gab ihm einen neuen Namen: Israel-Gottesstreiter. Jakob ging aus dem Kampf verändert hervor. Er hinkte, und er war geläutert. Er hatte begriffen, dass er Gott begegnet war.

„Gott bringt ihn zurück zu seiner Wahrheit als Sterblicher“

„Mit Gott kämpfen: eine Metapher des Gebets“, erklärte Franziskus. „Dieses eine Mal ist Jakob nicht Herr der Lage, ist er nicht mehr der Stratege und kühle Rechner; Gott bringt ihn zurück zu seiner Wahrheit als Sterblicher, der Angst hat und zittert. Dieses eine Mal hat Jakob Gott nichts anders anzubieten als seine Zerbrechlichkeit und seine Ohnmacht, auch seine Sünden. Und dieser Jakob erhält von Gott den Segen, mit dem er hinkend ins Gelobte Land eintritt: verletzlich, und verletzt, aber mit einem neuen Herzen.“ Gott rettete, was verloren war. Er ließ Jakob seine Grenzen erfahren und „begreifen, dass er ein Sünder war, der Barmherzigkeit brauchte“.

„Wir alle haben nachts eine Verabredung mit Gott“

„Wir alle haben nachts eine Verabredung mit Gott“, sagte der Papst. „In den vielen Nächten unseres Lebens: dunkle Momente, Momente der Sünde, Momente des Herumirrens. Dort ist eine Verabredung mit Gott – immer.“ Gerade dann, wenn Gläubige sich als schwache Menschen empfinden, komme Gott auf sie zu. „Gerade dann brauchen wir keine Angst zu haben: Denn in diesem Augenblick wird Gott uns einen neuen Namen geben, der den Sinn unseres ganzen Lebens enthält; und er wird uns den Segen geben, der denjenigen vorbehalten ist, die sich von Ihm haben verändern lassen.“ Deshalb sei die Geschichte des nächtlichen Ringens zwischen Jakob und Gott, sagte der Papst, „eine schöne Einladung, uns von Gott verändern zu lassen.“

(vatican news – gs)

 

10 Juni 2020, 10:20