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Vatican News

Wortlaut: Papst Franziskus beim Regina Coeli

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus am Pfingstsonntag bei seinem Mittagsgebet gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan.

Die offizielle Übersetzung in vollem Wortlaut finden Sie in Kürze auf der Homepage des Vatikans.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute, wo der Platz wieder offen ist, können wir wiederkommen, was für eine Freude!

Am heutigen Hochfest Pfingsten feiern wir das Gedenken an die Ausgießung des Heiligen Geistes über die erste christliche Gemeinschaft. Das Tagesevangelium (vgl. Joh 20,19-23) führt uns zum Osterabend zurück und zeigt uns den auferstandenen Jesus, der im Abendmahlssaal erscheint, in den sich die Jünger geflüchtet haben. Sie hatet Angst. „Er trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (V. 19). Diese ersten Worte des Auferstandenen – „Friede sei mit euch“ – sind mehr als nur ein Gruß: Sie drücken die Vergebung aus, die den Jüngern gewährt wird, die - um die Wahrheit zu sagen - ihn verlassen haben. Es sind Worte der Versöhnung und der Vergebung. und auch wir, wenn wir den anderen Frieden wünschen, vergeben wir ihnen und bitten um ihre Vergebung. Jesus bietet seinen Frieden gerade diesen Jüngern an, die sich fürchten; denen es schwerfällt zu glauben, was sie gesehen haben – nämlich das leere Grab –, und die dem Zeugnis der Maria von Magdala und der anderen Frauen keinen Glauben schenken wollten. Jesus vergibt. Jesus vergibt immer,  und bietet seinen Freunden seinen Frieden an. Vergesst das nicht: Jesus wird nie müde, zu vergeben. Wir sind es, die müde werden, zu vergeben.

Indem Jesus seinen Jüngern vergibt und sie um sich schart, macht er sie zu einer Kirche, zu seiner Kirche, die eine Gemeinschaft ist, die versöhnt und bereit für die Mission ist. Versöhnt und bereit für die Mission. Wenn eine Gemeinschaft nicht versöhnt ist, ist sie nicht bereit für die Mission. Sie ist bereit, untereinander zu diskutieren, zum Streit. Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn stellt das Leben der Apostel auf den Kopf, verwandelt sie in mutige Zeugen. In der Tat sagt Jesus unmittelbar danach: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (V. 21). Diese Worte machen deutlich, dass die Apostel gesandt sind, um die Mission fortzuführen, die der Vater Jesus anvertraut hat. „Ich sende euch“: Es ist weder die Zeit, sich zu verschließen, noch der Moment, den „guten Zeiten“ mit dem Meister nachzutrauern. Die Freude über die Auferstehung ist groß, aber es ist eine Freude, die geteilt werden muss, die man nicht für sich behalten darf. Sie muss gegeben werden. An den Sonntagen der Osterzeit haben wir zuerst diese Episode gehört, dann die der Begegnung mit den Emmaus-Jüngern, die vom Guten Hirten, die Abschiedsreden Jesu und die Verheißung des Heiligen Geistes: alles ist darauf ausgerichtet, den Glauben der Jünger – und auch den unseren – im Hinblick auf die Mission zu stärken.

Und um die Mission zu beleben, schenkt Jesus den Aposteln seinen Geist: „Er hauchte sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (v. 22). Der Heilige Geist ist das Feuer, das die Sünden verzehrt und neue Männer und Frauen schafft; er ist das Feuer der Liebe, mit dem die Jünger „die Welt in Brand setzen“ können: jene zärtliche Liebe, die den Kleinen, den Armen und den Ausgegrenzten den Vorzug gibt... In den Sakramenten der Taufe und der Firmung haben wir den Heiligen Geist mit seinen Gaben empfangen: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Diese letzte Gabe – die Gottesfurcht – ist das genaue Gegenteil der Furcht, die die Jünger gelähmt hat: Sie ist Liebe zum Herrn, die Gewissheit seiner Barmherzigkeit und Güte, das Vertrauen darauf, dass wir in die von ihm gewiesene Richtung gehen können, ohne jemals auf seine Gegenwart und Hilfe verzichten zu müssen.

Das Pfingstfest erneuert das Bewusstsein, dass die lebenspendende Gegenwart des Heiligen Geistes in uns wohnt. Er schenkt auch uns den Mut, die schützenden Mauern unserer „Abendmahlssäle“, unserer Grüppchen, zu verlassen, nicht an den Bequemlichkeiten eines ruhigen Lebens festzuhalten oder uns in unseren festgefahrenen Gewohnheiten zu verschließen. Erheben wir unsere Gedanken zu Maria: Sie war dort, mit den Aposteln, als der Heilige Geist gekommen ist; sie war mit der ersten Gemeinschaft Protagonistin der wunderbaren Pfingsterfahrung war, und bitten wir sie, der Kirche einen glühenden missionarischen Geist zu erwirken.

Nach dem Regina Coeli

Liebe Brüder und Schwestern,

Vor sieben Monaten ist die Amazonas-Synode ausgeklungen. Am heutigen Pfingstfest rufen wir den Heiligen Geist an, damit er der Kirche und der Gesellschaft in dem von der Pandemie schwer getroffenen Amazonasgebiet Licht und Kraft gebe. Auch die indigenen Völker, die besonders gefährdet sind, haben viele Kranke und Tote zu beklagen. Auf die Fürsprache Marias, Mutter Amazoniens, bete ich für die Armen und die Schutzlosen dieser geliebten Region, aber auch für die Menschen auf der ganzen Welt, und ich appelliere an alle, dass man es niemandem an medizinischer Versorgung fehlen lassen möge. Die Menschen heilen, nicht für die Wirtschaft sparen: die Menschen heilen, die wichtiger sind als die Wirtschaft. Wir Menschen sind der Tempel des Heiligen Geistes, nicht die Wirtschaft....

Heute feiern wir in Italien den Nationalen Tag zur Linderung des Leidens, um die Solidarität mit den Kranken zu fördern. Ich erneuere meine Wertschätzung für alle, die gerade in dieser Zeit ein Zeugnis der Fürsorge für andere gegeben haben und auch weiterhin geben. Ich gedenke mit Dankbarkeit und Bewunderung an all die, die bei der Sorge um die Kranken in dieser Pandemie ihr Leben gegeben haben. Beten wir schweigend für die Ärzte, die Freiwilligen Helfer, die Krankenpfleger, alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen und die vielen, die in dieser Zeit ihr Leben hingegeben haben.

Ihnen allen einen schönen Pfingstsonntag. Wir brauchen das Licht und die Kraft des Heiligen Geistes so sehr! Die Kirche braucht sie, um in Eintracht und mit Mut voranzugehen und Zeugnis abzulegen für das Evangelium. Und die ganze Menschheitsfamilie braucht sie, um aus dieser Krise geeinter und nicht  gespaltener hervorzugehen. ihr wisst, dass man aus einer Krise wie dieser nicht wie vorher herauskommt, man kommt besser oder schlechter heraus. Mögen wir den Mut haben, anders zu werden, besser als vorher zu sein und die Krise nach der Pandemie besser zu bewältigen zu können.

Bitte, vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und Auf Wiedersehen auf dem Petersplatz!

(radio vatikan; übersetzung: silvia kritzenberger)

31 Mai 2020, 12:30