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Papst Johannes Paul II. bei einem ökumenischen Treffen Papst Johannes Paul II. bei einem ökumenischen Treffen 

Papst schreibt an Kardinal Koch: Zwei Ökumene-Initiativen gewürdigt

Vor 25 Jahren erschien die Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint'“ von Papst Johannes Paul II. Viele Grenzen wurden seither geöffnet, wie Papst Franziskus in einem Brief an den vatikanischen Ökumene-Verantwortlichen, Kardinal Kurt Koch, schreibt.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Enzyklika „Ut unum sint“ des heiligen Johannes Paul II. über die Ökumene trägt das Datum 25. Mai 1995: Fünfundzwanzig Jahre später bewahrt die Ökumene-Enzyklika ihre Frische und ihre zukunftsweisende Bedeutung intakt. Mit einem Blick, der nach vorne schaut, weist die Schrift des polnischen Pontifex auf ein Ziel hin, das in weiter Ferne zu liegen scheint, und zwar die Einheit der Christen. Doch Jesus selbst will sie, und bevor er sich dem Leidensweg stellte, betete er zum Vater, dass die Seinen eins seien.

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In einem Brief an den Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch geht Papst Franziskus auf die Bedeutung dieser Enzyklika ein. Johannes Paul II. bestätigte und erweiterte mit der Enzyklika „Ut unum sint“ („Damit sie eins sind“) den Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils. Vor dem Horizont des Heiligen Jahres 2000 wollte Johannes Paul II. der Kirche „auf ihrem Weg in das dritte Jahrtausend die eindringliche Bitte ihres Meisters und Herrn ans Herz legen“, erläutert sein Nachfolger Franziskus in dem Brief an Kardinal Koch, der seit zehn Jahren den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen leitet.

Zeit der Dankbarkeit

„An diesem Jahrestag danke ich dem Herrn für den Weg, den wir mit seiner Gnade als Christen auf der Suche nach der vollen Einheit zurücklegen konnten“, so Franziskus. Auch er teile „die gesunde Ungeduld derer, die zuweilen denken, wir könnten und sollten uns mehr dafür einsetzen“. Es sei jetzt aber die Zeit der Dankbarkeit, stellt er fest und zählt auch namentlich die Erfolge auf:

„In diesen Jahrzehnten wurden viele Schritte getan, um jahrhundertealte bzw. tausendjährige Wunden zu heilen; die gegenseitige Kenntnis und Achtung haben zugenommen und helfen zudem, tief eingewurzelte Vorurteile zu überwinden; der theologische Dialog und der Dialog der Nächstenliebe haben sich weiter entwickelt, ebenso die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit im Hinblick des Dialogs des Lebens auf pastoraler und kultureller Ebene.“

Er wolle auch an die „geliebten Brüdern an der Spitze der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“ denken und schließe „alle Brüder und Schwestern jeder christlichen Tradition mit ein, die unsere Weggefährten sind“.

Besonders hebt der Papst jene Geste Jesu hervor, dank der wir – „wie die Jünger von Emmaus“ – die Gegenwart des auferstandenen Christus verspüren könnten: es sei das gemeinsame Gehen, und beim Brotbrechen könne ihn jeder erkennen. Da seien jetzt alle Christen in der Erwartung, „miteinander das eucharistische Mahl zu teilen“, so der Papst.

Unverzichtbare Ziele wachhalten

Das Dikasterium von Kardinal Koch arbeite hart daran, „um in der Kirche das Bewusstsein für dieses unverzichtbare Ziel wachzuhalten“, schreibt Franziskus. Er nannte zwei neue Initiativen: Die erste ist das an die Bischöfe gerichtete Vademecum zur Ökumene, das kommenden Herbst veröffentlicht wird. Diese wolle „eine Ermutigung wie ein Leitfaden für die Ausübung ihrer ökumenischen Verantwortung sein“. Die Ökumene laufe aus katholischer Sicht vor allem durch den Einsatz der Bischöfe, erinnerte Franziskus. Die zweite Initiative, die er nannte, sei die Lancierung der Zeitschrift Acta Œcumenica, mit der der Informationsdienst des Dikasteriums von Kardinal Koch „ausgebaut und ein Hilfsmittel für alle, die im Dienst an der Einheit tätig sind, angeboten wird“.

Die Einheit sei nicht hauptsächlich das Ergebnis unseres Handelns, sondern Gabe des Heiligen Geistes, schloss Franziskus seinen Brief. Deshalb ruft er auf, gemeinsam „vertrauensvoll den Heiligen Geist“ anzurufen, „dass er unsere Schritte leiten möge und dass jeder mit neuer Intensität den Aufruf höre, für die ökumenische Sache zu arbeiten“. Datiert ist der Papstbrief auf den 24. Mai 2020.

(vatican news)

25 Mai 2020, 12:00