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Papst Franziskus in dieser Woche bei seiner Generalaudienz Papst Franziskus in dieser Woche bei seiner Generalaudienz  (Vatican Media)

Papst über Mission: „Freies Geschenk des Geistes, keine Strategie"

Mission hat nichts mit Selbstdarstellung oder einem Abwerben Gläubiger zu tun. Ihr Impuls kommt aus der Freude des Glaubens. Daran erinnert Papst Franziskus in einer an die päpstlichen Missionswerke (POM) gerichteten Botschaft, die der Vatikan am Donnerstag veröffentlicht hat.

Der Impuls zur Mission

Einmal mehr grenzt der Papst in seiner Botschaft Mission von einem strategischen Vorgehen ab, um eigene Interessen durchzusetzen. Die Verkündigung des Evangeliums habe mit einem politischen, kulturellen, psychologischen oder religiösen Proselytismus nichts gemein, so Franziskus. Mission sei ein „freies Geschenk des Geistes“, betont der Papst, dies sei geradezu ihr innerstes Merkmal. So sei die Ausbreitung des christlichen Glaubens letztlich auch Frucht dieses Geschenkes, und nicht Ergebnis strategischer Maßnahmen und „Initiativen“ eines dahinterstehenden kirchlichen Apparates. Auch „Selbstdarstellung“ und „Werbung“ hätten mit Mission nichts zu tun, unterstreicht der Papst.

Bei der Mission als Werk des Heiligen Geistes sei die Freude wesentlich, so Papst Franziskus, dessen Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ („Freude des Evangeliums“) von 2013 genau dies im Titel trägt. Diese Freude zu empfangen, sei „eine Gnade“ und „die einzige Kraft, die wir haben können, um das Evangelium zu predigen“, schreibt der Papst in seiner Botschaft an die Päpstlichen Missionswerke. Das Heil sei keine Folge missionarischer Initiativen oder des Redens über die Menschwerdung Gottes, sondern komme aus der Begegnung mit Gott, der uns rufe. Hier liege der Impuls zur Mission - in der Freude und Dankbarkeit über diese Begegnung.

Merkmale gelingender Mission

Als Merkmal einer gelingenden Mission nennt der Papst Anziehungskraft. Die Kirche wachse nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft -  das ist ein Satz seines Vorgängers Benedikt XVI., den der Papst an dieser Stelle aufgreift. „Wenn du Jesus folgst und glücklich bist, dass du dich zu ihm hingezogen fühlst, werden andere das bemerken. Und sie können überrascht werden“, so Franziskus.

Andere Charakteristika seien Dankbarkeit und Unentgeltlichkeit, fährt er fort. Missionarischer Eifer könne niemals „Ergebnis von Vernunft oder Berechnung“ sein, sondern rühre von Dankbarkeit her. Auch Demut sei wesentlich, nennt der Papst ein weiteres Merkmal. Glück und Erlösung seien nicht „unser Besitz“ oder etwas, das wir durch unsere eigene Anstrengung erreichen könnten – das sei eine Erkenntnis, die uns eigentlich erden und von Arroganz befreien sollte. Auch vor Kompliziertheit beim Übermitteln der christlichen Botschaft sollten wir uns hüten, stattdessen sei Konzentration auf das Wesentliche angesagt.

Sehr wichtig ist dem Papst, zu dessen häufigsten Verben „camminare“ („gehen“) gehört, dass Mission da stattfindet, wo die Menschen leben und arbeiten. „Dort, wo sie sind und wie sie sind“. Man dürfe sich nicht vom Volk isolieren, weil man es für eine „träge Masse“ halte, „die immer wieder neu belebt und mobilisiert werden muss“.

Besondere Struktur der Missionswerke

Mit Blick auf die Zukunft erinnert Franziskus an die besondere Struktur und Berufung der Päpstlichen Missionswerke. Sie seien aus der „missionarischen Inbrunst, die durch den Glauben der Getauften zum Ausdruck kommt“ entstanden, eng mit dem „sensus fidei“ des Gottesvolkes verbunden und nährten sich aus dem Gebet und der Nächstenliebe. Charakteristisch sei ihr weit verzweigtes Netzwerk auf allen Kontinenten, so Franziskus. Diese Pluralität könne als „Schutz vor ideologischer Homogenisierung und kulturellem Unilateralismus dienen“, so der Papst:

„In diesem Sinne spiegeln die Päpstlichen Missionswerke das Geheimnis der Universalität der Kirche wider, in der das unaufhörliche Wirken des Heiligen Geistes aus verschiedenen Stimmen Harmonie schafft, so wie der Bischof von Rom in seinem Dienst der Nächstenliebe, der auch durch die Päpstlichen Missionswerke ausgeübt wird, die Einheit im Glauben bewahrt.“ Die Berufung dieser Einrichtung kommt laut Franziskus also stets in Verbindung mit ihrem Zentrum zum Tragen.

Warnungen

Der Papst warnt dann vor einigen Gefahren und bestimmten Verhaltensweisen, die es in der Missionstätigkeit auszuschließen gelte. Dazu zähle zum Beispiel Selbstbezüglichkeit: „Kirchliche Organisationen und Hilfswerke, ganz abgesehen von den guten Absichten ihrer einzelnen Mitglieder, wenden sich manchmal gegen sich selbst und widmen ihre Energie und Aufmerksamkeit in erster Linie der Selbstdarstellung und der Werbung für ihre eigenen Initiativen“, merkt dazu der Papst an.

Auch Kontrollwahn gelte es zu vermeiden. Bestimmte „Institutionen und Einrichtungen“ dürften sich nicht anmaßen, „Vorrang und Kontrolle über genau die Gemeinschaften auszuüben, denen sie dienen sollen“, warnt der Papst. „Diese Haltung geht fast immer mit der Behauptung einher, dass sie die Rolle von ,Aufsehern’ ausüben, die dazu berufen sind, über die Legitimität anderer Gruppen zu bestimmen. Am Ende tun sie so, als sei die Kirche ein Produkt unserer eigenen Berechnungen, Pläne, Vereinbarungen und Entscheidungen.“ Als weitere Gefahr nennt der Papst unter anderem Realitätsferne – es gelte dagegen vom Leben der Menschen auszugehen. Auch Funktionalismus und elitäres Denken seien zu vermeiden.

Ratschläge für die Zukunft

Als Anregung gibt Papst Franziskus den Päpstlichen Missionswerken unter anderem mit auf den Weg, sich weiter zu vernetzen und die Nähe zum jeweiligen Lebenskontext der Menschen zu suchen. Zugleich gelte es „das besondere Band, das sie mit dem Bischof der Kirche von Rom verbindet“, stets zu pflegen und zu erneuern. Die Päpstlichen Missionswerke „sind und sollen als Instrument des Dienstes an der Mission in den Teilkirchen gelebt werden“, erinnert der Papst.

Mit Blick auf die finanziellen Mittel zur Unterstützung der Mission warnt der Papst davor, die Päpstlichen Missionswerke als NGO zu verstehen, „bei der alles auf die Suche nach und die Bereitstellung von Mitteln ausgerichtet ist“. Kreativität und neue Wege der Mittelbeschaffung seien wünschenswert. Allerdings dürfe man das Problem sinkender Spendeneinnahmen nicht vertuschen oder sich angesichts dieser Lage auf Großspender fixieren. „Auf jeden Fall sollte die Bitte um Opfergaben für die Missionen weiterhin in erster Linie an den größeren Leib der Getauften gerichtet sein, auch durch verschiedene Wege, die Sammlung für die Missionen, die in jedem Land im Oktober anlässlich des Weltmissionstages durchgeführt werden, aufzunehmen“, empfiehlt der Papst.

(vatican news)

22 Mai 2020, 15:47