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Papst: Ungleichheit kann überwunden werden, wenn…

Franziskus hat sich direkt an Bankiers, Ökonomen und Finanzminister gewandt und dazu aufgerufen, eine „neue internationale Finanzarchitektur“ mitaufzubauen. Der Papst sprach bei einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften diesen Mittwoch im Vatikan. Die Welt brauche eine Entwicklung, die die armen Länder unterstütze und ihre Schulden lindere. Bekämpft werden müssten Steuerparadiese, Steuerhinterziehung und Geldwäsche, so Franziskus.

Mario Galgano und Alessandro Di Bussolo – Vatikanstadt

Die Welt sei nicht zu sozialer Ungleichheit oder Lähmung angesichts von Ungerechtigkeit verurteilt, so der Papst in seiner Ansprache: „Eine reiche Welt und eine dynamische Wirtschaft können und müssen der Armut ein Ende setzen“, „kreative Antworten hervorbringen“, um die Bedürftigen einzubeziehen und zu ernähren, „anstatt sie auszuschließen“. Dazu bedürfe es einer „neuen internationalen Finanzarchitektur“, die die Entwicklung armer Länder unterstütze. Steueroasen, Steuerhinterziehung und Geldwäsche raubten ganze Gesellschaften aus, so Franziskus. Regierungen rief er auf, Gerechtigkeit und Gemeinwohl „gegen die Interessen der mächtigsten Unternehmen und multinationalen Konzerne“ zu verteidigen.

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Gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten der Weltwirtschaft

Franziskus wiederholte die Grundzüge der Soziallehre der katholischen Kirche. Den Bankiers, Wirtschaftswissenschaftlern und Finanzministern aus aller Welt, die von der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften in den Vatikan eingeladen wurden, schlug er „neue Formen der Geschwisterlichkeit in Solidarität, Integration und Innovation“ vor. Der Papst wolle sie in eine gemeinsame Arbeit einbinden, um den „Ungerechtigkeiten unserer gegenwärtigen Weltwirtschaft“ ein Ende zu setzen: „Wir sind Mitwirkende am Werk des Herrn, das den Lauf der Geschichte verändern kann, für die Würde jedes Menschen heute und morgen, besonders jener, die davon ausgeschlossen sind, und für das große Wohl des Friedens.“

Franziskus nannte bei der Konferenz auch konkrete Zahlen und Fakten:

„Die Welt ist reich, und doch wächst die Armut um uns herum. Offiziellen Berichten zufolge wird das Welteinkommen in diesem Jahr fast 12.000 US-Dollar pro Kopf betragen. Dennoch leben immer noch Hunderte von Millionen Menschen in extremer Armut, ohne Nahrung, Unterkunft, Gesundheitsversorgung, Schulen, Elektrizität, sauberes Wasser und angemessene und wesentliche sanitäre Einrichtungen.“

Es wird geschätzt, fügt er hinzu, „dass in diesem Jahr etwa fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren an Armut sterben werden. Weitere 260 Millionen Menschen werden aufgrund von Ressourcenmangel, Kriegen und Migration keine Ausbildung erhalten. Eine Situation, prangert das Kirchenoberhaupt an, die Millionen von Menschen zu Opfern von Menschenhandel und neuen Formen der Sklaverei wie Zwangsarbeit, Prostitution und Organhandel gemacht hat. „Sie haben keine Rechte und Garantien; sie können nicht einmal Freundschaft oder Familie genießen“, so der Papst.

Franziskus bekräftigte dann, dass „die größte Struktur der Sünde die Kriegsindustrie selbst ist, denn sie ist Geld und Zeit im Dienste der Spaltung und des Todes“. Jedes Jahr verschwende die Welt „Milliarden von Dollar an Waffen und Gewalt - Summen, die Armut und Analphabetismus ein Ende bereiten würden, wenn sie umverteilt werden könnten“.

(vatican news)

05 Februar 2020, 16:50