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Papst bei Generalaudienz: Wir alleine verstehen die Sünde nicht

In seiner Katechese über die Seligpreisungen ist Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz auf das Weinen und Trösten eingegangen. Man solle wieder lernen, zu trauern und andere zu trösten, so der Wunsch des Papstes.

Mario Galgano – Vatikanstadt

„Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“ So lautet die zweite von Jesus geäußerte Seligpreisung im Matthäus-Evangelium (Mt 5,4). Und darauf ging Franziskus im Rahmen seiner Katechesenreihe über die Seligspreisungen ein. Trauer verursache Tränen und deshalb wolle er auf das Stichwort „Weinen“ eingehen, so der Papst. Er erläuterte, dass das entsprechende Verb im Griechischen nicht etwas Passives bedeutet, sondern die Bedeutung hatte: „von innen her weinen“. So hätten die ersten Mönche der Christenheit diese Haltung mit dem Stichwort „penthos“ umschrieben. „Das bedeutet, eine innere Trauer haben, die zur Beziehung mit dem Herrn und den Nächsten öffnet“, erläuterte Franziskus.

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Trauer in der Bibel

Weinen, wie es in der Bibel beschrieben wird, könne zwei Aspekte vorweisen: einerseits weinten die biblischen Figuren wegen eines Verstorbenen oder Leidens eines geliebten Mitmenschen, andererseits weinten viele für die eigenen, begangenen Sünden. In beiden Fällen ging es darum, dass man einen Menschen „gerne hat“.

„Es gibt Menschen, die auf Distanz bleiben, einen Schritt hinterher; stattdessen ist es wichtig, dass andere in unsere Herzen einbrechen. Ich habe oft über die Gabe der Tränen gesprochen. Kann man kalt bleiben und lieben? Kann man auf Knopfdruck, durch Pflicht lieben? Nein, sicherlich nicht. Es gibt betrübte Menschen, die man trösten muss, aber manchmal gibt es Betrübte, die ein Herz aus Stein haben und nicht gelernt haben zu weinen. Wir müssen die Menschen dazu bringen, dies wieder zu lernen; Menschen, die durch den Schmerz anderer nicht berührt werden können.“

Ein Beispiel des Trostes sei die Trauer um einen Verstorbenen. Da merke man, wie kurz das Leben sei und vor allem die gemeinsam verbrachte Zeit, fügte Franziskus an.

Der Papst bei der Generalaudienz
Der Papst bei der Generalaudienz

Die zweite Bedeutung des Weinens sei jener, wegen der begangenen Sünden zu trauern. Da machte Franziskus eine Unterscheidung: auf der einen Seite gebe es jene, die weinen, weil sie einen Fehler begangen haben, aber nicht reuig seien. Doch dies sei stolz, erläuterte der Papst. Auf der anderen Seite seien jene, die weinen, weil sie Böses getan und Gutes unterlassen hätten. Als Beispiel nannte der Papst den Apostel Petrus, der um seinen Verrat an Jesus geweint habe.

„Das führte ihn zu einer neuen und echteren Liebe. Sein Weinen reinigt und erneuert. Petrus sah Jesus an und weinte. Das Herz des Apostels wurde somit erneuert. Doch das Weinen des anderen Apostels, Judas, der nicht seinen begangenen Fehler anerkannte – der Arme! –, führt zu seinem Selbstmord. Die Sünde zu verstehen, ist eine Gabe Gottes.“

Und so kam Franziskus auf den Kern seiner Aussage. Abweichend vom Redemanuskript erläuterte er, wie schwierig es sei, zu verstehen, dass man gesündigt hat.

„Wir allein können die Sünde nicht verstehen. Es ist eine Gnade, um die wir bitten müssen. Herr, lass mich verstehen, was das Böse ist und was ich getan habe oder tun kann. Das ist ein sehr großes Geschenk, und nachdem man das verstanden hat, kommt das Weinen der Reue.“

Er zitierte dann den Mönch Ephräm der Syrer (306-373), der gesagt haben soll, dass ein von Tränen gewaschenes Gesicht „unsagbar schön“ sei. Das sei die Schönheit der Reue, des Weines und der Buße, fügte Franziskus an.

„Gott vergibt immer, vergessen wir das nicht. Er vergibt immer, selbst die hässlichsten Sünden. Wirklich immer! Das Problem liegt in uns, dass wir es leid sind, um Vergebung zu bitten. Das ist das Problem. Es ist ein Problem, wenn man sich verschließt und nicht um Verzeihung bittet. Doch der Herr ist da, um zu verzeihen.“

(vatican news)

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Eindrücke von der Generalaudienz
12 Februar 2020, 10:30