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Papst Franziskus mit den Mitgliedern der Stiftung „A Chance in Life“ im vatikanischen Konsistoriensaal Papst Franziskus mit den Mitgliedern der Stiftung „A Chance in Life“ im vatikanischen Konsistoriensaal  (Vatican Media)

Papst an Kinderhilfswerk: „Eine geschwisterlichere Welt aufbauen“

Die Stiftung „A Chance in life“, die Straßenkindern mit Schul- und Ausbildungsprogrammen eine zweite Chance geben will, wurde an diesem Montag besonders durch den Papst gewürdigt. Es sei wichtig, dass die jungen Generationen in der Ausübung einer aktiven Bürgerschaft geschult würden, die den Menschen und den Schutz der Umwelt in den Mittelpunkt stellt, sagte der Papst zu den Mitgliedern der Stiftung, die er im Vatikan in Audienz empfangen hat.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

„Die aus der Vision von Mons. John Patrick Carroll-Abbing geborene Organisation unterstützt heute viele Bildungsinitiativen, von denen Tausende Jungen und Mädchen in Italien, Bolivien, Kolumbien, Guatemala und Peru profitiert haben“, würdigte der Papst das Lebenswerk des irischen Vatikandiplomaten, der in den 1940er Jahren Kriegswaisen von der Straße geholt hatte. Mit seinen Initiativen habe er Kindern und Jugendlichen, die einen schweren Start ins Leben hatten, die Möglichkeit gegeben, den Plan zu verwirklichen, den Gott für jeden von ihnen habe, so Franziskus.

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Eine lange Tradition im Dienst an benachteiligten jungen Menschen

Die erste von Carroll-Abbing im Nachkriegsitalien gegründete „Boys' Town“ könne „heute auf eine lange Tradition im Dienst an benachteiligten jungen Menschen zurückblicken, der eine auf Selbstverwaltung basierende Bildungsmethode verfolgt,“ betonte der Papst weiter. Doch um den neuen Herausforderungen in der aktuellen Welt gegenüberzutreten, wolle das Werk sich nun weiterentwickeln, merkte Franziskus an: „Besonders erfreulich ist es, dass diese Bemühungen von den Empfehlungen inspiriert sind, die ich in der Enzyklika Laudato si' im Namen einer ganzheitlichen Ökologie gegeben habe, die den Menschen und die ihn umgebende Welt in den Blick nimmt.“

Den Menschen und den Schutz der Umwelt in den Mittelpunkt stellen

Es sei unerlässlich, dass die jungen Generationen in der Ausübung einer aktiven und partizipativen Bürgerschaft geschult würden, die den Menschen und den Schutz der Umwelt in den Mittelpunkt stelle, unterstrich Franziskus. Und hier könne - so der Rat des Papstes - auch die technische Innovation ein nützliches Werkzeug für die junge Generation darstellen, die schließlich im schnelllebigen Kontext unserer Zeit aufgewachsen, mit der Technik also gut vertraut sei.

Der Dank des Papstes...

Abschließend dankte Franziskus den Stiftungsmitgliedern noch einmal für ihre Sorge und ihren Einsatz für benachteiligte Kinder und brachte folgenden Wunsch zum Ausdruck:
„Möge Gott Ihr leidenschaftliches Engagement belohnen und Ihre Bemühungen um den Aufbau einer Welt begleiten, in der mehr Geschwisterlichkeit herrscht.“

Hintergrund

Der 1912 in Dublin geborene John Patrick Carroll-Abbing wurde mit 23 Jahren in Rom zum Priester geweiht; 1937 trat er in den Diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Im Zweiten Weltkrieg versorgte er Zivilisten mit Lebensmitteln und Medikamenten, organisierte Evakuierungen und richtete Krankenhäuser ein. Doch auch nach dem Krieg ging sein Kampf gegen Hunger und Obdachlosigkeit weiter. Carroll-Abbing bat Pius XII. um Erlaubnis, den Tausenden von Kriegswaisen helfen zu dürfen, die auf den Straßen der Ewigen Stadt lebten. Mit dem Segen des Papstes richtete er im Untergeschoss eines kriegsgeschädigten Gebäudes das „Shoeshine Hotel“ ein, wo die Jungen, die sich am römischen Bahnhof Termini als Schuhputzer verdingten, ein warmes Abendessen und einen sicheren Schlafplatz vorfanden.

Mons. Carroll-Abbing erkannte schnell, dass diese Jungen nicht nur Essen und ein Dach überm Kopf brauchten, sondern auch die Möglichkeit, sich nützlich zu fühlen und Selbstvertrauen zu gewinnen. So gründete er 1945 in Civitavecchia bei Rom die erste „Boys' Town“: eine selbstverwaltete Gemeinschaft, die – nach dem Beispiel der Kinderrepubliken – auf dem Konzept der geteilten Verantwortung und Selbstregierung beruhte.

In den 1950er Jahren wurden in ganz Italien weitere Jungen- (und später Mädchen-) Städte gegründet – meist nach Überschwemmungen oder Erdbeben, bei denen viele Kinder ihre Familien verloren und praktische Hilfe brauchten. Später wurden diese Städte religiösen Gruppen und Orden anvertraut.

Humanitäre Organisationen auf der ganzen Welt haben die Bemühungen von John Patrick Carroll-Abbing anerkannt. 1987 wurde er nach den US-Präsidenten Woodrow Wilson und Franklin D. Roosevelt der dritte nicht-italienische Ehrenbürger Roms; 1988 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert. Im Jahr 2001 starb der Prälat – sein Vermächtnis lebt durch A Chance In Life weiter.

(vatican news/divers) 
 

09 Dezember 2019, 11:39