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Franziskus beim Angelus Franziskus beim Angelus  (Vatican Media)

Papst beim Angelus: Offenheit für „überraschende Logik Gottes“

Unseren Blick zu weiten für die „überraschende Logik Gottes“ – dazu hat der Papst bei seinem Angelus-Gebet an diesem Sonntag ermutigt. Am vierten Adventssonntag sprach er über Joseph, den irdischen Vater Jesu und Beschützer Mariens, der sich in einer schwierigen und unerklärlichen Lage rechtschaffen und gläubig zeigte.

Anne Preckel - Vatikanstadt

Joseph sei zusammen mit Johannes dem Täufer und Maria eine der Figuren, die uns die Liturgie für die Zeit des Advents vorschlägt, so Franziskus, der vom 1. Kapitel des Matthäus-Evangeliums ausging (18-24). Von allen dreien sei Joseph der bescheidenste und stehe scheinbar im Hintergrund. Und doch sei in der Haltung dieser Figur „die ganze christliche Weisheit enthalten“, hielt der Papst fest. Joseph sei „einer, der nicht predigt und nicht spricht, sondern versucht, den Willen Gottes zu tun“, und zwar „im Stil des Evangeliums und der Seligpreisungen“. Franziskus:

„,Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.‘ (Mt 5,3). Und Joseph ist arm, weil er vom Wesentlichen lebt; es ist eine Armut, die typisch ist für diejenigen, die sich bewusst sind, dass sie in allem von Gott abhängig sind und ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen.“

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Schwere Entscheidung

Als Maria ein Kind erwartete, sei eine „menschlich unangenehme und kontrastreiche Situation“ eingetreten, so der Papst weiter, der auf die damaligen Verhältnisse Bezug nahm. Joseph und Maria waren verlobt, sie lebten nicht zusammen, erwarteten aber ein Kind „durch Gottes Werk“. Joseph handelt hier so, dass seine Frau keinen Schaden nimmt.

„Joseph ist angesichts dieser Überraschung natürlich beunruhigt, sucht aber, anstatt impulsiv und strafend zu reagieren, eine Lösung, die die Würde und Unversehrtheit seiner geliebten Maria respektiert. Im Evangelium heißt es: ,Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen‘ (19). Joseph wusste gut, dass er, wenn er seine Verlobte anzeigte, diese ernsten Konsequenzen aussetzen würde, sogar dem Tod. Er vertraut Maria, die er als seine Braut wählte, vollkommen.“

Etwas Unerwartetes tritt ein

Dennoch habe ihn diese „unerklärliche Lage“ nun dazu geführt, die Verbindung in Frage zu stellen, fuhr der Papst fort. Deshalb habe er „unter großem Leid“ beschlossen, sich von Maria zu lösen, ohne einen Skandal zu verursachen. Da trat etwas Unerwartetes ein:

„Der Engel des Herrn greift ein, um ihm zu sagen, dass die von ihm angedachte Lösung nicht Gottes Wille war. Im Gegenteil, der Herr hat ihm einen neuen Weg der Einheit, der Liebe und des Glücks eröffnet: ,Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist‘ (20).

„Es geht darum, die überraschende Logik Gottes wiederzuerlangen, die, fern von kleinen oder großen Berechnungen, in der Offenheit für neue Horizonte, für Christus und sein Wort besteht.“

Vollkommendes Vertrauen

An diesem Punkt habe Joseph Gott vollkommen vertraut, die Anweisung des Engels befolgt und Maria mit sich genommen. Sein Glaube habe dies ermöglicht, so der Papst:

„Gerade dieses unerschütterliche Vertrauen in Gott hat ihn befähigt, eine menschlich schwierige und in gewisser Weise auch unerklärliche Situation zu akzeptieren. Joseph versteht im Glauben, dass das Kind, das im Schoß der Maria heranwächst, nicht sein Kind ist, sondern der Sohn Gottes, und er, Joseph, wird sein Beschützer sein, indem er seine irdische Vaterschaft vollständig annimmt. Das Beispiel dieses sanften und weisen Mannes ermahnt uns, den Blick nach oben zu richten und ihn immer weiter schweifen zu lassen.

Es geht darum, die überraschende Logik Gottes wiederzuerlangen, die, fern von kleinen oder großen Berechnungen, in der Offenheit für neue Horizonte, für Christus und sein Wort besteht.“


(vatican news – pr)
 

22 Dezember 2019, 12:21