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Der damalige Papst Johannes Paul II. bei seiner historischen Polenreise im Jahr 1979 Der damalige Papst Johannes Paul II. bei seiner historischen Polenreise im Jahr 1979 

Papst über Solidarität: Sensibilität für Entrechtete

Solidarität bedeutet Sensibilität für Menschen, denen Rechte vorenthalten werden, in der eigenen Gesellschaft und auch im internationalen Kontext. Das hat der Papst am Donnerstagmorgen vor Mitgliedern des polnischen Gewerkschaftsbundes „Solidarność“ unterstrichen. Anlass der Audienz war das 40. Gründungsjahr des historischen Bundes.

Anne Preckel – Vatikanstadt


Franziskus ging in seiner Rede auf die historische Bedeutung des Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaftsbundes ein, der 1989 in Polen an der politischen Wende entscheidend mitgewirkt hat: „Wie die jüngere Zeit zeigt, war Solidarność Vorreiterin politischer und sozialer Veränderungen in eurer Heimat und inspirierte auch über Polens Grenzen hinaus.“

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Historischer Polenbesuch von Papst Johannes Paul II.

Der Papst lobte den Dienst der Solidaritätsgemeinschaft am Gemeinwohl und für die verschiedenen Berufsverbände in Polen. Die Suche nach dem „Guten, Wahren und Gerechten“ sei immer begleitet von der Gegenwart Gottes, unterstrich Franziskus, der mehrfach aus seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ zitierte. Dies habe sich auch Johannes Paul II. für seine Heimat gewünscht, als er am 2. Juni 1979 bei seinem ersten Besuch als Papst in Warschau betete: „Lass deinen Geist herabsteigen und das Antlitz der Erde erneuern. Diese Erde!“ Der Polenbesuch Johannes Pauls II. wird von Historikern heute rückblickend als Beitrag zur Überwindung des Kommunismus in dem ehemaligen Ostblock-Land gewertet.

Sensibilität für entrechtete Menschen 

Der Begriff der „Solidarität“ sei ein wenig abgenutzt und werde auch falsch interpretiert, ging der Papst dann auf den Namen des Gewerkschaftsbundes ein. Dabei sei Solidarität weit mehr als gelegentliche Großzügigkeit. Solidarität bedeute, sich für den Geist Gottes zu öffnen, sie wende sich all jenen Menschen zu, die in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und auch in internationalen Beziehungen ihrer unveräußerlichen Rechte beraubt würden. Franziskus ging im Detail auf den Bereich der Arbeit ein: „Solidarität ist eine Sensibilität gegenüber der Stimme der Brüder und Schwestern, denen das Recht auf würdige Arbeitsbedingungen vorenthalten wird, auf einen gerechten Lohn, der den Lebensunterhalt einer Familie ermöglicht, auf Gesundheitsversorgung oder auf Ruhezeiten.“

Es braucht einen Mentalitätswandel

Im Dialog mit Staat und Gesellschaft verfüge die Kirche nicht über Lösungen für all diese Detailfragen, räumte er weiter ein. Dennoch begleite sie gemeinsam mit den verschiedenen gesellschaftlichen Kräften die Vorschläge, die der Würde der Person und dem Gemeinwohl am besten entsprechen können (vgl. Evangelii gaudium, 241).

Grundvoraussetzung für eine positive Veränderung sozialer Strukturen sei ein „Wandel der Mentalität, der Überzeugungen und der Verhaltensweisen“, den es vor allem den jungen Generationen mitzugeben gelte, erinnerte der Papst weiter. Franziskus wandte sich einmal mehr gegen einen Strukturwandel ohne Bekehrung, und er warnte: „Andernfalls dienen dieselben neuen Strukturen, früher oder später, nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern Sondergruppen und werden korrupt, schwerfällig und ineffizient oder selbst auch schädlich“ (vgl. Evangelii gaudium, 189).

(vatican news – pr)
 

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04. Dezember 2019, 09:30