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Papst Franziskus bei der Audienz für den Rat  Papst Franziskus bei der Audienz für den Rat   (Vatican Media)

Papst gegen ausbeuterische Wirtschaft: „Nicht mehr haben, sondern mehr sein“

Ein Plädoyer für ein inklusives Wirtschaftsmodell kommt an diesem Montag zum wiederholten Mal von Papst Franziskus. Er äußerte sich gegenüber einer Gruppe von Wirtschaftsfachleuten, die sich in Folge des Fortune-Time Global Forum im Jahr 2016 zu einem eigenen „Rat für inklusiven Kapitalismus“ zusammengeschlossen haben. Vor der Begegnung hatte der Papst mit seinen Kurienspitzen getagt.

Bereits bei ihrem Treffen vor drei Jahren habe er die Bedeutung von inklusiveren und gerechteren Wirtschaftsmodellen hervorgehoben, die es jedem Menschen ermöglichen sollten, sein eigenes Potential auszuschöpfen, erinnerte Franziskus. Das damalige Forum habe eine Plattform dargestellt, um Ideen und Informationen auszutauschen und damit einen Beitrag zu dem Nachhaltigkeitsziel geleistet, die Armut auf globaler Ebene zu besiegen. Auch der aktuelle Rat sei ein direktes Ergebnis des damaligen Gipfels und versuche, dessen Vision eines gerechteren Kapitalismus zum Wohle aller und zur Überwindung der großen Kluft zwischen Arm und Reich wahrzumachen, würdigte Franziskus.

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„Ein gerechtes und vertrauenswürdiges Wirtschaftssystem, das in der Lage ist, auf die tiefgreifenden Herausforderungen zu antworten, mit denen sich die Menschheit und der Planet konfrontiert sehen, ist notwendig und dringend. Ich ermutige euch, auf dem Weg der großzügigen Solidarität weiterzugehen und für eine Rückkehr der Wirtschaft und Finanz zu einem ethischen Ansatzpunkt, der den Menschen in den Vordergrund stellt, zu arbeiten,“ so der Papst zu seinen Gästen (vgl. Evangelii gaudium, 58).

Ein gesundes Wirtschaftsmodell kann nicht auf kurzfristigem Gewinnstreben basieren

Die ungerechte weltweite Güterverteilung und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich verhindere ein harmonisches Zusammenspiel der Menschen und Nationen, mahnte Franziskus. Insbesondere die weltweite Finanzkrise des Jahres 2008 habe gezeigt, dass ein gesundes Wirtschaftsmodell nicht auf kurzfristigem Gewinnstreben basieren könne, das auf Kosten einer langfristigen, nachhaltigen und sozial verantwortlichen Entwicklung gehe, fuhr der Papst fort.

Zwar sei es das Ziel unternehmerischer Aktivitäten, Gewinn zu erwirtschaften, hielt Franziskus fest (vgl Laudato si, 129). Dennoch könne sich wahre Entwicklung nicht auf das Wirtschaftswachstum beschränken, sondern müsse die Förderung eines jeden Menschen in seiner Ganzheit im Blick haben, woran bereits Paul VI. in seiner Enzyklika Populorum Progressio erinnert hatte. „Das bedeutet wesentlich mehr, als die Bilanzen in Ordnung zu haben, Infrastrukturen zu verbessern oder eine größere Vielfalt an Konsumgütern bereitzustellen. Es bringt vielmehr eine Erneuerung, eine Reinigung und eine Stärkung verschiedener wirtschaftlicher Modelle mit sich, die auf unserer persönlichen Umkehr und Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen basieren.“

Denn, so die Mahnung des Papstes, eine Wirtschaftsordnung, die sich nicht um ethische Grundlagen kümmere oder eine gerechtere soziale Verteilung befördere, führe letztlich zu einer „Wegwerfkultur“: „Im Gegenteil, wenn wir die moralische Dimension des Wirtschaftslebens anerkennen, die einer der vielen Aspekte der Soziallehre der katholischen Kirche ist, die vollständig respektiert werden muss, sind wir in der Lage, mit geschwisterlicher Nächstenliebe zu handeln. Das bedeutet, das Wohl der anderen und ihre ganzheitliche Entwicklung anzustreben, zu suchen und zu bewahren.“

Die tiefgreifende Umkehr der Herzen...

Letztlich gelte es nicht, „mehr zu haben“, sondern „mehr zu sein“. Das erfordere jedoch eine tiefgreifende Umkehr der Herzen und des Geistes, um den Menschen immer mehr ins Zentrum des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zu stellen, fuhr Franziskus fort. Der Papst würdigte die Anstrengungen seiner Gäste, sich für eine gerechtere Wirtschaftsordnung einzusetzen, als „Hoffnungszeichen“. Sie hätten erkannt, dass es gelte, sich mit Entschiedenheit für den Aufbau einer besseren Zukunft einzusetzen, wofür er dankbar sei:

„Ein inklusiver Kapitalismus, der niemanden zurücklässt und keinen unserer Brüder und Schwestern aussortiert, ist eine edle Berufung, die eurer größten Anstrengungen wert ist“, ermunterte Franziskus seine Gäste abschließend. 

(vatican news - cs)

11 November 2019, 12:39