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Wortlaut: Papstrede bei Besuch in einem Krankenhaus in Thailand

Wir dokumentieren hier im Wortlaut die Ansprache von Papst Franziskus vor ärztlichem Personal im St. Louis Hospital in Bangkok, wo das Kirchenoberhaupt privat Kranke und Menschen mit Behinderung besucht.

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

 

Besuch im St. Louis Hospital

Bangkok, 21. November 2019

 

 

 

Liebe Freunde, guten Tag!

Ich freue mich über diese Gelegenheit, euch, die Ärzteschaft, das Pflege- und Hilfspersonal des St. Louis Hospitals und anderer katholischer Krankenhäuser und karitativer Einrichtungen zu treffen. Ich danke dem Herrn Direktor für seine freundlichen Worte zur Einführung. Es macht mich glücklich, mit eigenen Augen diesen wertvollen Dienst zu sehen, den die Kirche dem thailändischen Volk und insbesondere den Bedürftigsten anbietet. Herzlich grüße ich die Paulusschwestern von Chartres und die anderen hier anwesenden Ordensfrauen, und ich danke euch für eure stille und freudige Hingabe an dieses Apostolat. Ihr lasst uns das mütterliche Antlitz des Herrn betrachten, der sich niederbückt, um seine Kinder zu salben und aufzurichten. Danke.

Ich habe mich gefreut, als der Direktor über den Leitgedanken sprach, der dieses Krankenhaus inspiriert: Ubi caritas, Deus ibi est. – Wo die Liebe ist, da ist Gott. Ja, wir Christen sind gerufen, gerade in der tätigen Nächstenliebe unsere missionarische Jüngerschaft sichtbar zu machen und darüber hinaus auch die Treue unserer Nachfolge und die unserer Institutionen zu prüfen: »Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan«, spricht der Herr (Mt 25, 40). Missionarische Jünger sind offen für eine »mystische, kontemplative Brüderlichkeit […], die die heilige Größe des Nächsten zu sehen weiß; die in jedem Menschen Gott zu entdecken weiß [...] [und] das Glück der anderen zu suchen, wie es ihr guter himmlischer Vater sucht« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 92).

So gesehen verrichtet ihr eines der größten Werke der Barmherzigkeit, denn euer Engagement für die Gesundheit geht weit über eine einfache und lobenswerte medizinische Praxis hinaus. Ein solches Engagement kann sich nicht nur auf die Durchführung einiger Aktionen oder bestimmter Programme beschränken, sondern ihr müsst darüber hinausgehen und offen sein für das Unvorhergesehene. Es geht darum, das Leben so anzunehmen und zu umarmen, wie es in der Notaufnahme des Krankenhauses ankommt, um mit einer besonderen Pietät behandelt zu werden, die aus dem Respekt und der Liebe gegenüber der Würde aller Menschen erwächst. Auch die Heilungsprozesse erfordern und beanspruchen die Kraft einer Salbung, die in der Lage ist, in allen Situationen, die zu bewältigen sind, einen Blick zu erwidern, der Würde verleiht und Halt gibt.

Ihr Mitglieder dieser therapeutischen Gemeinschaft seid alle missionarische Jünger, wenn ihr beim Anblick eines Patienten lernt, ihn bei seinem Namen zu rufen. Ich weiß, dass euer Dienst manchmal schwer und ermüdend sein kann; ihr lebt inmitten von Extremsituationen, und so braucht es die Möglichkeit, dass ihr bei eurer Arbeit begleitet und betreut werdet. Daher ist es wichtig, eine Gesundheitspastoral aufzubauen, durch die nicht nur die Patienten, sondern alle Mitglieder dieser Gemeinschaft in ihrer Sendung Begleitung und Unterstützung erfahren können. Seid gewiss, dass eure persönlichen Bemühungen und die Arbeit der vielen Institutionen, die ihr repräsentiert, ein lebendiges Zeugnis der Fürsorge und Aufmerksamkeit sind, die allen Menschen entgegenzubringen wir berufen sind, insbesondere den älteren Menschen, den Jugendlichen und den Schwächsten.

In diesem Jahr feiert das St. Louis Hospital sein hundertzwanzigjähriges Bestehen. Wie viele Menschen haben in ihrem Schmerz Linderung erfahren, wurden in ihrer Niedergeschlagenheit getröstet und in ihrer Einsamkeit begleitet! Während ich Gott für dieses Geschenk eurer Gegenwart in all diesen Jahren danke, bitte ich euch, dafür zu sorgen, dass dieses Apostolat und andere ähnliche, mehr und mehr Zeichen und Sinnbild einer hinausgehenden Kirche werden, die willens ist, ihre Sendung zu erfüllen, und den Mut findet, die heilende Liebe Christi zu den Leidenden zu bringen.

Am Ende dieser Begegnung werde ich die Kranken und Behinderten besuchen, und so werde ich sie in ihrem Leid zumindest ein klein wenig begleiten können.

Wir alle wissen, dass Krankheiten für uns immer große Fragen aufwerfen. Unsere erste Reaktion kann darin bestehen, dass wir uns dagegen auflehnen oder gar Momente der Verwirrung und Trostlosigkeit erleben. Solch ein Schmerzensschrei darf sein, Jesus selbst hat gelitten und vor Schmerz geschrien; im Gebet wollen auch wir uns seinem lauten Rufen anschließen.

Indem wir uns mit ihm in seinem Leiden vereinen, entdecken wir die Kraft seiner Nähe zu unserer Schwäche und unseren Wunden. Das ist eine Einladung, sich an sein Leben und an seine Hingabe zu klammern. Wenn wir manchmal das »Brot der Not und [das] Wasser der Bedrängnis« (vgl. Jes 30,20) in uns spüren, dann lasst uns beten, dass auch wir durch eine helfende Hand die notwendige Unterstützung finden und den Trost erkennen, der vom Herrn kommt, der sich nicht verbirgt, sondern uns nahe ist und uns begleitet.

Lasst uns diese Begegnung und euer Leben unter den Schutz Mariens stellen, unter ihren Schutzmantel. Sie richte ihre Augen voller Barmherzigkeit auf euch, besonders in Momenten des Schmerzes, der Krankheit und jeder Art von Verletzung. Möge sie euch mit der Gnade beistehen, ihren Sohn im verwundeten Fleisch der Menschen zu finden, denen ihr dient.

Ich segne euch und eure Familien und ich bitte euch: vergesst bitte nicht, für mich zu beten.

Vielen Dank.

(vatican news)

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21. November 2019, 05:23