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Papstmesse in Bangkok: „Mission heißt, Angehörige zu finden, die noch fehlten“

Papst Franziskus hat bei seiner ersten heiligen Messe auf thailändischem Boden dazu eingeladen, ausgegrenzten Menschen Aufmerksamkeit zu schenken. Er erinnerte in seiner Predigt auch daran, dass vor genau 350 Jahren das Apostolische Vikariat von Siam entstand, als Papst Clemens IX. einen Vikar ernannte.

Fähnchenschwenkend und mit Sprechchören begrüßten die etwa 60.000 Menschen, die sich im Nationalstadion Thailands sowie einem kleineren Nebenstadion zusammengefunden hatten, den Papst, bevor er sich in die Sakristei begab. Das Stadion vor der Skyline Bangkoks war in sanftes Abendlicht getaucht, als die heilige Messe -um 18 Uhr Ortszeit- begann. In seiner Predigt wies Franziskus darauf hin, dass in der Bibel zahlreiche Fragen auftauchten, die darauf abzielten, „zu verunsichern und aufzurütteln“, und damit auch die Jünger und Gläubigen dazu einzuladen, sich „auf den Weg zu machen“ und bereit für neue Entdeckungen und Begegnungen zu sein. 

„So erging es auch den ersten Missionaren, die sich auf den Weg machten und hierher gelangten,“ erinnerte Franziskus an die Missionierung des Landes, die bereits im 16. Jahrhundert begann, zunächst aber keine bleibende Wurzeln schlagen konnte. Diese Missionare in Siam erkannten nach den Worten des Papstes, dass „sie zu einer viel größeren Familie gehörten als jener, die durch Bande des Blutes oder der Kultur, einen bestimmten Ortsbezug oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe definiert ist“. Und auf dieser Suche nach neuen Gesichtern mussten sie sich „für ein neues Denken öffnen, das in der Lage ist, alle Adjektive zu überwinden, die immer zur Spaltung führen“, wiederholte der Papst einen Gedanken, den er auch bei anderen Gelegenheiten schon vorgetragen hat. Diese Vorurteilslosigkeit habe dazu geführt, dass die Missionare „viele thailändische Mütter und Geschwister“ gefunden hätten:

„Ohne diese Begegnung hätte dem Christentum euer Antlitz gefehlt“

„Ohne diese Begegnung hätte dem Christentum euer Antlitz gefehlt, es hätten die Lieder und Tänze gefehlt, die das thailändische Lächeln widerspiegeln, das so typisch ist für dieses Land,“ würdigte Franziskus die Inkulturation des Christentums in Thailand, die auch in den prächtigen goldbestickten Messgewändern für den Papst und die mitfeiernden Priester zum Ausdruck kam. Doch „missionarische Jünger“ seien „weder Söldner des Glaubens noch Proselytenmacher, sondern Bettler, die erkennen, dass ihnen noch Brüder, Schwester und Mütter fehlen, mit denen sie das unwiderrufliche Geschenk der Versöhnung begehen und feiern können, das Jesus uns allen zuteilwerden lässt“. 

Das Jubiläum der Gründung des Apostolischen Vikariats von Siam (1669-2019), das in diesen Tagen gefeiert wird, stehe allerdings nicht für „Sehnsucht nach der Vergangenheit, sondern will ein Feuer der Hoffnung sein, damit auch wir in der Gegenwart mit der gleichen Entschlossenheit, Kraft und Zuversicht wirken,“ fuhr Franziskus fort: „Es ist eine fröhliche und dankbare Erinnerung, die uns hilft, freudig hinauszugehen, um das neue Leben, das aus dem Evangelium kommt, mit allen unseren Familienmitgliedern zu teilen, die wir noch nicht kennen.“

Gedanke an die Ausgegrenzten unserer Zeit

Das schließe auch Menschen ein, die nach landläufigem Verständnis als „Sünder“ oder nutzlos angesehen werden und somit zu meiden seien, schlug der Papst den Bogen zu den Ausgegrenzten unserer Zeit: 

„Ich denke vor allem an die Jungen, Mädchen und Frauen, die der Prostitution und dem Menschenhandel ausgesetzt sind und in ihrer ureigentlichen Würde gedemütigt werden; ich denke an die jungen Sklaven der Drogenabhängigkeit und Sinnlosigkeit, was am Ende ihren Blick vernebelt und ihre Träume versengt; ich denke an die Migranten, die ihre Häuser und Familien verloren haben, und an so viele andere, die sich wie sie vergessen, verwaist, verlassen fühlen, und ,ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben´ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 49). Ich denke an die ausgebeuteten Fischer, an die Bettler, die niemand beachtet.“

Sie alle seien Teil unserer Familie, unterstrich der Papst. Es gehe bei der Mission und Evangelisierung eben nicht darum, „Mitgliederzahlen zu erhöhen oder mächtig zu erscheinen“, sondern darum, „Türen zu öffnen, um die barmherzige und heilende Umarmung Gottes des Vaters miteinander zu erleben, der uns zu einer Familie macht.“ 

Nach dem Schlusssegen des Papstes gab es auch noch einen kleinen Einblick in das kulturelle Erbe des Landes: Rund 800 Schüler von sieben Instituten, die durch die Paulusschwestern von Chartres betrieben werden, führten in prächtigen bunten Gewändern traditionelle Tänze auf, mit denen die vier Regionen des Landes dargestellt werden sollten.

(vatican news - cs)

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21. November 2019, 12:50