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Nagasaki: Papst ehrt japanische Märtyrer

„Voll Sehnsucht“ habe er auf diesen Moment gewartet: Papst Franziskus hat in der japanischen Stadt Nagasaki Opfer einer jahrhundertelangen Christenverfolgung geehrt. Dabei warf er auch einen bitteren Seitenblick auf die Tatsache, dass noch heute in vielen Teilen der Welt Christen um ihres Glaubens willen zu Märtyrern werden.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

1549 hatte der spanische Jesuit Franz Xaver als erster christlicher Missionar japanischen Boden betreten – und rasch Erfolge erzielt. Gerade die Gegend um Nagasaki wurde zu einer Hochburg des neuen Glaubens. Doch der Shogun von Tokio wollte das nicht dulden; es setzte eine Verfolgung ein, an die unlängst der Hollywood-Film „Silence“ von Martin Scorcese mit teilweise brutalen Bildern erinnert hat. Von 1614 an war das Christentum im ganzen Land verboten, Krypto-Christen überlebten mehr als zweihundert Jahre lang im Verborgenen.

Zum Nachhören

Papst Franziskus, der als junger Jesuit einmal Missionar in Japan werden wollte – ein Traum, der sich dann allerdings zerschlagen hatte –, würdigt immer wieder mal in spontanen Äußerungen die Laien, die trotz der Verfolgung damals den Glauben ohne die Hilfe von Priestern am Leben gehalten haben. Heute gibt es nur noch ein paar Hundert „versteckte Christen“; sie haben einige christliche Usancen beibehalten, aber auch viele Elemente aus dem Buddhismus übernommen.

Kein offizielles Treffen mit Krypto-Christen

Ein offizielles Treffen mit ihnen stand an diesem Sonntag nicht auf dem Reiseprogramm des Papstes. Doch einer der Nachfahren dieser Krypto-Christen reichte Franziskus vor dem Märtyrer-Mahnmal von Nagasaki eine Kerze, die dieser entzündete, um dann in Stille zu beten. Die Anwesenden harrten unter strömendem Regen stoisch aus, um der historischen Begegnung mit Papst Franziskus beizuwohnen. 

Das Märtyrer-Mahnmal am Nishizaka-Hügel – ein japanisches „Nationalheiligtum“ aus rotem Backstein – ehrt den heiligen Paul Miki und 25 Gefährten, die hier im Jahr 1597 auf Befehl des Shogun gekreuzigt und schließlich mit Lanzen durchbohrt wurden. Im Museum hinter dem Mahnmal (durch das sich der Papst führen ließ) wird ein Originalbrief Franz Xavers aufbewahrt. Und eine buddhistische Figur, die Krypto-Christen als Marienfigur („Maria Kannon“) deuteten.

„Wir sind nicht zum Tod berufen, sondern zum Leben in Fülle“

Die Ansprache des Papstes kreiste um das Martyrium von Paul Miki und seinen Begleitern als einem „Triumph des Lebens“; auf die Geschichte der „versteckten Christen“ allerdings ging er nicht ein. „Hier strahlte das Licht des Evangeliums in der Liebe, die über die Verfolgung und das Schwert siegte… Wir sind nicht zum Tod berufen, sondern zum Leben in Fülle; das haben die Märtyrer verkündet.“

Die Kleinheit des Jesuiten aus Argentinien

Er trete den Märtyrern „mit der Kleinheit jenes jungen Jesuiten“ gegenüber, der durch ihre Geschichte tief inspiriert worden sei. „Vergessen wir nicht die Liebe ihres Opfers! Auf dass es nicht eine ruhmvolle Reliquie vergangener Taten sei, die man in einem Museum gut aufbewahrt…“ Die „Märtyrer des 21. Jahrhunderts“ fragten uns mit ihrem Zeugnis an, „auf dass wir mutig den Weg der Seligpreisungen gehen“.

„Beten wir für sie und mit ihnen! Erheben wir unsere Stimme, dass die Religionsfreiheit für alle und in allen Teilen der Erde gewährleistet wird, und erheben wir unsere Stimme ebenso gegen jegliche Manipulierung der Religionen!“

Im Anschluss an seine Ansprache betete Franziskus noch den Angelus. Dann machte er sich auf den Weg ins erzbischöfliche Palais, um dort sein Mittagessen einzunehmen, bevor er am frühen Nachmittag Ortszeit die Heilige Messe im Stadion von Nagasaki zelebrierte. 

(vatican news)

24 November 2019, 03:30