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Papst Franziskus bei der Generalaudienz Papst Franziskus bei der Generalaudienz 

Generalaudienz: Inkulturation muss mit Fingerspitzengefühl geschehen

Evangelisierung muss mit ausgestreckter Hand und ohne Aggressivität geschehen. Das betonte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch. Er führte mit seinen Überlegungen seine Katechesenreihe zur Apostelgeschichte fort.

Der Papst ging für seine Katechese von dem Passus aus, der beschreibt, wie Paulus in Athen ankommt und sich ein Bild von der Lage verschafft (Apg 17, 15). Er beginne unverzüglich, die wichtigsten Orte aufzusuchen, die Synagoge als Ort des Glaubenslebens, die Plätze als Ort des bürgerlichen Austauschs und den Areopag, den Ort des politischen und kulturellen Lebens, unterstreicht Franziskus: „Er trifft alle Menschen, verschließt sich nicht. Er geht das Gespräch mit allen ein.“ 

Auf diese Weise betrachte Paulus seine Umgebung mit einem „kontemplativen Blick“, der ihn entdecken lässt, dass Gott in ihren Häusern, auf ihren Straßen und auf ihren Plätzen wohnt“ (vgl. EG 71). Paulus verhalte sich der Stadt und ihren nichtchristlichen Einwohnern gegenüber nicht feindlich, sondern sehe sie „mit den Augen des Glaubens“ an. „Und das stellt uns vor die Frage, wie wir unsere Städte anschauen: beobachten wir sie mit Indifferenz? Mit Verachtung? Oder mit dem Glauben, der uns die Kinder Gottes in mitten der anonymen Menge entdecken lässt?“, so Franziskus. 

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Paulus wird zum ,Pontifex'

Paulus gelinge es dank dieses Blickes, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Evangelium und der heidnischen Welt, und im Herzen einer der berühmtesten Institutionen der Antike, dem Areopag, ein „außergewöhnliches Beispiel der Inkulturation der Glaubensbotschaft“ abzugeben, unterstreicht Franziskus: „Er verkündet Jesus Christus den Götzenverehrern, und das tut er nicht, indem er sie angreift, sondern indem er zum ,Pontifex‘, also Brückenbauer, wird.“

Dies gelingt Paulus, indem er von einem Altar ausgeht, der „dem unbekannten Gott“ geweiht ist. „Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch“, wendet sich Paulus an die Athener. Einfühlsam erklärt er seinen Zuhörern, dass Gott unter den Menschen wohnt und sich vor denen nicht verbirgt, die ihn suchen. So kann Paulus über die christliche Offenbarung sprechen, über den Schöpfer, über die Erlösung und das Gericht. Auf diese Weise verkünde Paulus Christus, von dem die Menschen zwar bislang nicht gehört hätten, den sie aber trotzdem kennen würden, nimmt Franziskus Bezug auf ein Zitat seines Vorgängers, Benedikt XVI.

„Es gibt einen schönen Ausdruck Benedikts XVI., der sagt, dass Paulus den ,Unbekannt-Bekannten’ verkündet. Der Unbekannt-Bekannte. Und dann lädt er alle ein, sich angesichts des nahen Jüngsten Gerichtes für die Umkehr zu entscheiden.“

“ Auch in Athen schlägt das Evangelium Wurzeln ”

Zwar stoße er beim Thema der Auferstehung Christi auf Hindernisse, Spott und Hohn schlugen ihm entgegen, so dass er sich entfernen musste und gescheitert scheint. Und doch bleibe seine Mission nicht ohne Frucht, unterstreicht Franziskus: „Einige Menschen folgen seinem Wort und öffnen sich für den Glauben. Unter diesen ein Mann, Dionysius, ein Mitglied des Areopags, und eine Frau, Damaris. Auch in Athen schlägt das Evangelium Wurzeln und kann durch zwei Stimmen verbreitet werden: die des Mannes und die der Frau!“ 

Der Heilige Geist möge uns lehren, mit der Kultur Brücken zu denen zu bauen, die nicht glaubten oder einem anderen Glauben anhingen, so der abschließende Gedanke des Papstes: „Immer Brücken bauen, immer die Hand ausgestreckt, keine Aggression. Bitten wir ihn um die Fähigkeit, die Glaubensbotschaft mit Fingerspitzengefühl zu inkulturieren, indem wir diejenigen, die Christus nicht kennen, mit einem Blick des Glaubens anschauen, der von einer Liebe bewegt ist, die auch die härtesten Herzen wärmen möge.“

(vatican news - cs)

06 November 2019, 10:49