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Papst Franziskus erzählt: So war’s in Asien

Nicht jeder kann bei Papstreisen mitfliegen – darum ist es ganz praktisch, dass Franziskus immer, wenn er von einer Auslandsreise zurückkommt, erzählt, wie es so gelaufen ist. Das hat er auch an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz so gehalten. Der Papst ist am Dienstagabend von einer Asientour nach Rom zurückgekehrt.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Thailand und Japan: Das waren die zwei Stationen seiner 32. Auslandsreise als Papst. „Diese Reise hat meine Nähe und meine Zuneigung zu diesen zwei Völkern verstärkt“, sagte Franziskus zu den Pilgern und Besuchern auf der Piazza San Pietro.

Und dann ging’s an die Details: Thailand sei ein „altes Königreich, das sich stark modernisiert hat“, hob der Papst an.

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Thailand: Die Wunden der Ausbeutung heilen

„Bei meinen Begegnungen mit dem König und dem Ministerpräsidenten habe ich die reiche geistliche und kulturelle Tradition des thailändischen Volkes hervorgehoben. Es ist das Volk des Lächelns: Die Menschen dort lächeln. Ich habe sie ermuntert, sich um Harmonie unter den verschiedenen Komponenten der Nation zu bemühen. Und darum, dass die wirtschaftliche Entwicklung allen zugute kommt, und dass die Wunden der Ausbeutung, vor allem von Frauen und Kindern, geheilt werden.“

Der Kampf gegen den Menschenhandel gehört zu den wichtigsten Akzenten im Pontifikat dieses Papstes. Natürlich hat er das auch in Thailand, einem Hotspot des Sex-Tourismus, angesprochen. Allerdings tat er das ausgesprochen behutsam, um seine Gastgeber nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dialog mit Buddhisten sehr wichtig

„Die buddhistische Religion ist integraler Bestandteil der Geschichte und des Lebens dieses Volkes. Darum habe ich auch den buddhistischen Patriarchen besucht. Mir geht es darum, den Weg der gegenseitigen Wertschätzung weiterzugehen, den meine Vorgänger begonnen haben, damit Mitleid und Geschwisterlichkeit in der Welt zunehmen. In dieser Hinsicht war auch das ökumenische und interreligiöse Treffen an der größten Universität des Landes sehr wichtig.“

Das Hauptaugenmerk des Papstes galt allerdings, wie immer bei seinen Auslandsreisen, der katholischen Gemeinschaft vor Ort. Die ist in Thailand verschwindend klein: noch nicht einmal ein Prozent der Gesamtbevölkerung.

Eine Kirche mit thailändischem Gesicht

„Das Zeugnis der Kirche in Thailand geschieht vor allem durch den Dienst an Kranken und Ausgestoßenen. Darum habe ich das Saint-Louis-Krankenhaus (in Bangkok) besucht… Außerdem habe ich in Bangkok eine Messe für das ganze Volk Gottes in einem Stadion und eine weitere Messe mit Jugendlichen in der Kathedrale gefeiert. Dabei haben wir alle erlebt, dass auch die Gesichter und Stimmen des thailändischen Volkes zur neuen Familie gehören, die Jesus Christus bildet.“

Unerwähnt ließ Franziskus bei seinem Rückblick auf den Aufenthalt in Thailand, dass er dort auch seiner Großcousine begegnet ist. Die sechs Jahre jüngere Ordensfrau, die seit Jahrzehnten in Thailand wirkt, schritt mit ihrem Vetter über den roten Teppich. Ein schönes Bild, das von dieser Reise bleiben wird.

Japan: Alles Leben schützen

Nach Thailand kam Japan. Dort habe er als erstes mit Bischöfen über die Herausforderung gesprochen, „dass wir Hirten einer sehr kleinen Kirche sind“, berichtete der Papst. Auch in Japan ist der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung geradezu mikroskopisch; doch über Schulen und Krankenhäuser sind sie in der Gesellschaft überproportional präsent.

„Alles Leben schützen – das war das Motto meines Besuchs in Japan. Das Land trägt noch die Wunden der Atombomben, und es ist für die ganze Welt eine Stimme für das Grundrecht auf Leben und auf Frieden. In Nagasaki und Hiroshima habe ich gebetet, habe Überlebende und Angehörige der Opfer getroffen. Und ich habe Atomwaffen scharf verurteilt, genauso wie die Heuchelei, dass man von Frieden spricht und gleichzeitig Kriegswaffen herstellt!“

Jugendliche müssen Angst und Isolation überwinden

Japan hat nach Darstellung des Papstes seit der Atom-Tragödie von 1945 eine „außerordentliche Fähigkeit“ entwickelt, „um das Leben zu kämpfen“. Das habe es auch seit 2011 wieder unter Beweis gestellt. Damals haben ein Erdbeben und ein Tsunami den Atomunfall von Fukushima ausgelöst, und Franziskus hat sich in Tokio mit Überlebenden dieses, wie man es in Japan gemeinhin nennt, „dreifachen Desasters“ getroffen.

„Um das Leben zu schützen, muss man es lieben. Und die große Bedrohung in den stärker entwickelten Gesellschaften besteht heute darin, dass man den Sinn für das Leben einbüßt. Die ersten Opfer dieses Mangels an Lebenssinn sind die jungen Leute – darum bin ich in Tokio einigen von ihnen begegnet, habe auf ihre Fragen gehört und auf ihre Träume. Ich habe sie dazu ermutigt, sich jeder Form von Mobbing zusammen entgegenzustellen, die Angst und Isolation zu überwinden, sich Gott und den anderen zu öffnen.“

Schon vierte Papstreise nach Fernost

Weitere junge Leute habe er an der Sophia-Universität in der japanischen Hauptstadt getroffen. „Diese Uni und die katholischen Schulen überhaupt werden in Japan ausgesprochen hochgeschätzt.“ Was Franziskus nicht sagte: Die Uni ist in der Hand von Jesuiten, und der junge Jesuit Bergoglio, der heute Papst ist, wollte vor Jahrzehnten mal unbedingt als Missionar nach Japan gehen – was damals an seiner angeblich schlechten Gesundheit jedoch scheiterte.

Der Papst bei der Generalaudienz... und der Fotograf macht ein Bild gegen die Sonne (Gegenlicht)
Der Papst bei der Generalaudienz... und der Fotograf macht ein Bild gegen die Sonne (Gegenlicht)

Das Interesse an Asien aber ist dem lateinamerikanischen Papst geblieben. Diese Reise nach Asien war schon seine vierte nach Fernost – und vielleicht auch nicht die letzte.

„Ex oriente lux, ex occidente luxus“

„In Tokio hatte ich auch Gelegenheit, Kaiser Naruhito zu besuchen und den Vertretern von Behörden zu begegnen. Ich habe mich für eine Kultur der Begegnung und des Dialogs ausgesprochen, die geprägt ist von Weisheit und Breite des Horizonts. Wenn Japan seien religiösen und moralischen Werten treu und der Botschaft des Evangeliums gegenüber offen bleibt, kann es eine wichtige Rolle spielen für eine gerechtere, friedlichere Welt und für die Harmonie zwischen Mensch und Umwelt.“

Eine etwas böse Formulierung, die er am Dienstag auf dem Rückflug nach Rom verwendet hat, ließ Franziskus an diesem Mittwoch bei seiner Asienbilanz unausgesprochen: „Ex oriente lux, ex occidente luxus.“ Will heißen: Das Licht kommt von Osten, und insofern kennt man ja den Spruch. Aber der Konsumrausch kommt aus dem Westen. Und dieser Westen sollte sich etwas abschneiden von der Haltung der Asiaten zu Religion und Transzendenz.

(vatican news)
 

27 November 2019, 10:50