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Franziskus in Nagasaki: Für eine Welt ohne Atomwaffen

Am 9. August 1945 warf ein US-Flugzeug eine Atombombe über der Innenstadt von Nagasaki ab. Etwa 22.000 Menschen waren sofort tot. An diesem Sonntag hat Papst Franziskus die japanische Stadt besucht und einen eindringlichen Appell gegen Atomwaffen lanciert.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Überlebende des Dramas von 1945 überreichten dem Gast aus Rom Blumen, der sie vor dem 10 Meter hohen Friedens-Mahnmal im „Hypocenter“-Park niederlegte. Dann zündete Franziskus eine Kerze an und verharrte im Gebet vor der Statue, die anklagend gen Himmel weist. Auch Johannes Paul II. hat 1981 bereits hier gebetet; in der Nähe befinden sich die völlig zerbombten Überreste der Kathedrale von Urakami, die einmal die größte Kirche Ostasiens war.

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„Dieser Ort macht uns tiefer bewusst, welchen Schmerz und Schrecken wir Menschen einander zuzufügen fähig sind“, sagte der Papst dann in einer Botschaft, an der man im Vatikan in den letzten Monaten sorgfältig gefeilt hat. „Der Besitz von Atomwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen ist nicht die geeignete Antwort auf den Wunsch nach Frieden und Stabilität!“

„Friede kann nicht auf die Angst vor gegenseitiger Zerstörung aufgebaut werden“

Von einer „falschen, von einer Logik der Angst und des Misstrauens gestützten Sicherheit“ sprach der Papst, von vergifteten Beziehungen zwischen den Völkern, von einem Wettrüsten, das wichtige Ressourcen für die Entwicklung der Völker verschleudere. „Der Frieden und die internationale Stabilität sind unvereinbar mit jedwedem Versuch, sie auf der Angst gegenseitiger Zerstörung oder auf der Bedrohung einer gänzlichen Auslöschung aufzubauen.“

Papst ist besorgt über die Erosion des Multilateralismus

Er setze sich für eine „Welt in Frieden und frei von Atomwaffen“ ein. „Dieses Ideal Wirklichkeit werden zu lassen erfordert die Beteiligung aller.“ Franziskus beklagte die derzeitige „Erosion des Multilateralismus“ und forderte einen neuen Abrüstungsschub. „Ich bitte die politischen Verantwortungsträger, nicht zu vergessen, dass Nuklearwaffen uns nicht vor den Bedrohungen für die nationale und internationale Sicherheit in unserer Zeit schützen.“

Ein 800 Jahre altes Friedensgebet

Der Papst, der den Einsatz für den Weltfrieden zu einem der Hauptakzente seiner Amtszeit gemacht hat, rezitierte in dem mit 500 Kirschbäumen geschmückten Park ein Friedensgebet, das dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird. Er wisse zwar, „dass einige der hier Anwesenden nicht katholisch sind“, doch er sei sich „sicher, dass wir alle uns das Friedensgebet zu eigen machen können“.

(vatican news)
 

24 November 2019, 02:45