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Amazonien-Synode startet mit Messe von Papst Franziskus

„Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ – unter diesem Motto tritt ab diesem Sonntag eine Sonder-Bischofssynode im Vatikan zusammen. Papst Franziskus eröffnete sie mit einer Messe in Sankt Peter.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Drei Wochen lang werden Bischöfe, Experten und Menschen aus der Amazonas-Region über pastorale, soziale und ökologische Herausforderungen beraten. Dabei soll es auch um die schwierige Lage indigener Völker und um die Ausbeutung der Ressourcen im Regenwald gehen, der oft als „grüne Lunge der Welt“ bezeichnet wird.

Bei der Messfeier unter der Kuppel des Michelangelo dominierte – eigentlich passend – die liturgische Farbe Grün. Mit Franziskus konzelebrierten u.a. die Kardinäle Baldisseri und Hummes; beide haben bei der Bischofssynode wichtige Aufgaben. Auch die 13 Kirchenmänner, die der Papst am Samstagabend ins Kardinalskollegium aufgenommen hat, waren bei der Messe dabei.

Keine Indio-Klänge unter Michelangelos Kuppel

Von der Gabenbereitung abgesehen gab es zum Synoden-Auftakt aber nur spärliche amazonische Farbtupfer; so wurden etwa die Fürbitten in allen möglichen Sprachen (sogar Litauisch) vorgetragen, nicht aber auf Spanisch oder Portugiesisch, den beiden Hauptsprachen also, die am Amazonas gesprochen werden. Auch Indio-Idiome waren nicht zu hören, und die musikalische Umrahmung bot keine fremdartigen Klänge, sondern das bei Papstmessen in Rom übliche Tu es Petrus.

Zum Nachhören

Ein ernst dreinblickender Papst Franziskus bat die anwesenden Bischöfe in seiner Predigt, „erhobene Hände, die beim Herrn eintreten, und zu den Brüdern ausgestreckte Hände zu sein“. Sie sollten nicht „sich selbst in den Mittelpunkt stellen“, sonst würden sie „von Hirten zu Funktionären“. „Liebe Brüder, betrachten wir uns als hierher gerufen, um zu dienen, indem wir die Gabe Gottes in den Mittelpunkt stellen.“

Sich für die Neuheit entscheiden

Jesus sei gekommen, um Feuer auf die Erde zu bringen, nicht etwa eine „Abendbrise“. Dieses Feuer gelte es jetzt neu zu entfachen: ein Feuer nämlich, das „brennende Liebe zu Gott und den Geschwistern“ sei. „Das Feuer speist sich nicht aus sich selbst, es erlischt, wenn es nicht lebendig erhalten wird, es geht aus, wenn die Asche es bedeckt. Wenn alles so bleibt, wie es ist, wenn unsere Tage von der Devise ‚Man hat es immer so gemacht‘ bestimmt werden, entschwindet die Gabe, sie wird unter der Asche der Ängste und der Sorge erstickt, den Status quo zu verteidigen.“ Doch die Kirche dürfe sich „keinesfalls auf eine Pastoral der Aufrechterhaltung beschränken“, mahnte Franziskus mit einem Zitat seines Vorgängers Benedikt XVI.‘.

Die Teilnehmer an der Bischofssynode sollten sich, so warb er dann, „in Feinfühligkeit für die Neuheit des Geistes entscheiden“. „Die Gnade im Feuer des Geistes wiederzuentfachen ist das Gegenteil davon, die Dinge laufen zu lassen, ohne irgendetwas zu tun. Und der Neuheit des Geistes treu zu sein ist eine Gnade, um die wir im Gebet bitten müssen. Er, der alles neu macht, möge uns seine wagemutige Klugheit schenken; er möge unserer Synode eingeben, die Wege für die Kirche im Amazonasgebiet zu erneuern, damit das Feuer der Mission nicht erlischt!“

„Wie oft hat es Kolonisierung statt Evangelisierung gegeben“

Franziskus blieb bei der Metapher des Feuers, als er dann weiter über das Thema der Bischofssynode sprach. „Wenn man die Völker und Kulturen ohne Liebe und Respekt verschlingt, ist dies nicht das Feuer Gottes, sondern der Welt. Und wie oft ist doch die Gabe Gottes nicht angeboten, sondern aufgezwängt worden, wie oft hat es Kolonisierung statt Evangelisierung gegeben! Gott bewahre uns vor der Gier neuer Kolonialismen.“

Das „von zerstörerischen Interessen gelegte Feuer wie jenes, das kürzlich das Amazonasgebiet verwüstet hat“, sei „nicht das aus dem Evangelium“ – direkter wurde Franziskus nicht. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro (der nicht im Petersdom dabei war) wird die Anspielung trotzdem verstehen.

Das verschlingende Feuer im Regenwald

„Das Feuer Gottes ist die Wärme, die anzieht und in Einheit versammelt. Es nährt sich durch Teilen, nicht durch Gewinne. Das verschlingende Feuer hingegen lodert auf, wenn man nur die eigenen Ideen voranbringen, die eigene Gruppe bilden, die Verschiedenheiten verbrennen will, um alles und alle zu vereinheitlichen.“

Viele Menschen im Amazonasgebiet trügen „schwere Kreuze“, so Franziskus; ihnen wolle die Synode „den befreienden Trost des Evangeliums, das liebevolle Streicheln der Kirche“ vermitteln. Abweichend von seinem Text sang der Papst auch noch ein Loblied auf die Missionare, am Amazonas und anderswo.

Ban Ki Moon und die vierzig Frauen

Am Montag beginnen die eigentlichen Arbeiten der Synode in einer Aula über der vatikanischen Audienzhalle. Die Synode zählt 185 stimmberechtigte Mitglieder, darunter hauptsächlich Bischöfe sowie einige Ordensmänner (keine Frauen!). Aus den Staaten der Amazonas-Region sind mehr als hundert Diözesanbischöfe dabei. Unter den nicht-stimmberechtigten Teilnehmern der Synode sind etwa 20 Indigene, Klimaforscher (darunter einer aus Potsdam), der frühere UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon – und über vierzig Frauen.

(vatican news)
 

06 Oktober 2019, 11:06