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Maputo am 5. September: Papst Franziskus im Gespräch mit Jesuiten aus Mosambik Maputo am 5. September: Papst Franziskus im Gespräch mit Jesuiten aus Mosambik  (Vatican Media (Dicastero per la Comunicazone))

Papst an Jesuiten: „Wer Mauern baut, verurteilt sich selbst zum Tod”

Am Rande seiner jüngsten Südostafrika-Reise hat Franziskus am 5. und 8. September auch Ordensbrüder aus Mosambik und Madagaskar getroffen. Bei seinen Auslandsreisen finden fast immer solche Begegnungen statt. Die Zeitschrift „Civilta Cattolica“ hat nun Auszüge aus dem rund einstündigen Gespräch mit dem Papst veröffentlicht, der selbst dem Jesuitenorden angehört.

Dabei kamen auch heikle Themen auf den Tisch. So war es Franziskus ein Anliegen, vor Fremdenfeindlichkeit und Aporophobie – der Ablehnung der Armen – zu warnen. Sie seien heute Teil einer populistischen Mentalität, die dem Volk seine Souveränität abspreche. „Fremdenfeindlichkeit zerstört die Einheit eines Volkes, sogar die des Volkes Gottes. Und das Volk sind wir alle: diejenigen, die im selben Land geboren wurden, egal ob sie ihre Wurzeln an einem anderen Ort haben oder verschiedenen ethnischen Gruppen angehören,“ wird der Papst in der Zeitschrift des Jesuitenordens zitiert. Heute seien wir versucht von einer Form der sterilisierten Soziologie, in der man ein Land wie einen Operationssaal betrachtet, in dem alles sterilisiert ist: meine Rasse, meine Familie, meine Kultur, als ob es die Angst gebe, es zu beschmutzen, zu beflecken, zu infizieren.

Die Vermischung von Kulturen haucht den Menschen Leben ein

„Es gibt diejenigen, die diesen sehr wichtigen Prozess der Vermischung von Kulturen, der den Menschen Leben einhaucht, stoppen wollen. Das Mischen lässt dich wachsen, es gibt dir neues Leben. Es entwickelt rassische Mischung, Veränderung und gibt Originalität. Die Vermischung von Identitäten ist das, was wir zum Beispiel in Lateinamerika erlebt haben. Dort haben wir alles: Spanisch und Indisch, der Missionar und der Eroberer, die spanische Abstammung, das gemischte Erbe der Menschen,“ gab Franziskus zu bedenken.

„[ Wir können nicht von einer Kultur erstickt leben, die so aseptisch ist wie ein Operationssaal]“

Mauern zu bauen bedeute, sich selbst zum Tode zu verurteilen. „Wir können nicht von einer Kultur erstickt leben, die so sauber und rein wie ein Operationssaal, aseptisch und nicht mikrobiell ist,“ warnte der Papst.

Klerikalismus: eine wahre Perversion der Kirche

Bei der Begegnung mit den Ordensbrüdern kam auch das Thema „Klerikalismus“ auf den Tisch: „eine wahre Perversion der Kirche, die vorgibt, dass der Hirte stets vor der Herde hergehe, die Route vorgibt und jeden exkommuniziert, der sich von der Herde entfernt“, wird Franziskus zitiert. Dies sei das genaue Gegenteil dessen, was Jesus getan habe. Ein solcher Klerikalismus verdamme, trenne, frustriere und verachte das Volk Gottes. Er verwechsele den priesterlichen Dienst mit priesterlicher Macht. Als direkte Folge erwachse aus einer solchen Haltung eine rigide Strenge. Hinter jedem rigiden Klerikalismus aber steckten oft ernsthafte persönliche Probleme.

Klerikalismus gepaart mit einer obsessiven Fixierung auf Sexualität ist nach Aussage von Papst Franziskus eine schwere Sünde. Dies gelte vor allem dann, wenn anderen Sünden wie sozialer Ungerechtigkeit, Verleumdung, Lügen und Geschwätz keine Aufmerksamkeit gewidmet werde, zitiert die „Civilta Cattolica“ Franziskus in ihrer jüngsten Ausgabe. An dem Punkt müsse die Kirche sich gründlich bekehren.

Die leeren Versprechen von Wohlstand und Reichtum

Auf das Phänomen der protestantischen Sekten angesprochen, die mit dem Versprechen von Wohlstand und Reichtum Proselytenmacherei betrieben, riet Franziskus zur Vorsicht. Man müsse zunächst einmal sorgfältig zwischen den verschiedenen Gruppen unterscheiden, die als „protestantisch“ bezeichnet würde, so sein Rat. „Es gibt viele, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten können und die sich um eine seriöse, offene und positive Ökumene bemühen. Aber es gibt auch andere, die nur eine theologische Vision von Wohlstand verfolgen,“ stellte Franziskus fest. Natürlich gebe es viele Formen von Proselytismus. Derjenige, den Fußballmannschaften betrieben, um Fans zu gewinnen, sei natürlich in Ordnung, räumte der bekennende Fußballfan ein. Und dann gebe es auch Formen des Proselytismus für den Handel und die Wirtschaft, politische Parteien. Proselytismus sei bekanntlich weit verbreitet, so Franziskus: „Wir aber müssen evangelisieren, und das ist etwas ganz anderes als Proselytismus.“

Franz von Assisi: Wenn es gar nicht anders geht, dann eben auch mit Worten evangelisieren...

Schließlich habe schon Franz von Assisi seinen Brüdern folgenden Rat mit auf den Weg gegeben: „Geht in die Welt hinaus und evangelisiert. Und wenn es gar nicht anders geht, dann eben auch mit Worten,“ führte Franziskus ein von ihm oft und gern benutztes Zitat an. Evangelisierung sei im Wesentlichen Zeugnis. Beim Proselytismus gehe es darum, andere überzeugen zu wollen, im Mittelpunkt stehe aber vor allem die Mitgliedschaft, und die nehme uns die Freiheit. Die Sekten betrieben Proselytenmacherei, bewirkten Spaltung unter den Menschen, versprächen ihnen Vorteile, nur um sie dann sich selbst zu überlassen.

„Benedikt XVI. hat in Aparecida etwas ganz Wunderbares gesagt: Er hat gesagt, dass die Kirche nicht durch Proselytismus wächst, sondern durch Anziehungskraft, durch die Anziehungskraft des Zeugnisses,“ zitierte Franziskus abschließend seinen Vorgänger auf dem Petrusstuhl.

(kap/vaticannews – skr)
 

26 September 2019, 17:57