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Franziskus nimmt das Buch des französischen Journalisten Nicolas Senèze entgegen Franziskus nimmt das Buch des französischen Journalisten Nicolas Senèze entgegen  (AFP or licensors)

Papst im Flugzeug: „Kritik ehrt mich”

Kritik macht Franziskus keine Angst: „Es ist eine Ehre, wenn die Amerikaner mich angreifen", betonte der Argentinier auf dem Flug von Rom nach Maputo gegenüber den mitreisenden Journalisten. Anlass für die Papstaussage war ein kurzer Wortwechsel mit dem französischen Journalisten Nicolas Senèze, der soeben ein Buch mit dem Titel „Wie Amerika den Papst auswechseln will“ (Comment L'Amérique veut changer de Pape) vorgelegt hat.

Franziskus habe in dem informellen Wortwechsel sagen wollen, er betrachte Kritik als Ehre, „besonders wenn sie von autoritätsvollen Denkern kommt und, wie in diesem Fall, von einer bedeutenden Nation“, sagte Vatikansprecher Matteo Bruni wenig später. 

Das Buch des Rom-Korrespondenten der französischen katholischen Tageszeitung „La Croix“ beschreibt, wie ein wohlhabender und traditionalistisch orientierter Flügel US-amerikanischer Priester und Laien Papst Franziskus radikal in Frage stellt und an der Wahl eines Nachfolgers nach ihren Vorstellungen arbeitet. Als eines der Instrumente dazu beschreibt Senèze das Projekt „Red Hat Report“, bei dem Ermittler und Medienleute aus den USA alle wahlberechtigten Kardinäle der Weltkirche auf eine mögliche Beteiligung an Missbrauchsskandalen überprüfen wollen.

Franziskus dankte dem französischen Journalisten, der ihm ein Exemplar seines soeben erschienenen Buches überreichte, und sagte ihm, er habe bereits in der Zeitung „Il Messaggero“ darüber gelesen. Danach überreichte er das Buch einem Assistenten und kommentierte lächelnd: „Das ist eine Bombe“, beobachteten mitreisende Journalisten.

Kernfiguren der US-Opposition zu Papst Franziskus

Die Kommentare des Papstes deuten darauf hin, dass er sich der Angriffe von Katholiken auf ihn bewusst ist. Einige seiner Aussagen über Wirtschaft sowie seine Positionen beim Thema Klimawandel, Todesstrafe, Katholiken in ziviler Zweitehe und LGBT erregen Anstoß bei einem verhältnismäßig kleinen Kreis einflussreicher Gläubiger in den USA und darüber hinaus, wie Senèze in seinem Buch ausführt. Als Kernfiguren der Opposition zu Papst Franziskus benennt der Journalist darin unter anderem den US-Kardinal Ryamond Leo Burke, den früheren päpstlichen Nuntius in den Vereinigten Staaten Carlo Maria Viganò, den Autor George Weigel sowie den wohlhabenden Laien Tim Busch. Unterstütztung erfahren sie Senèze zufolge von einem Teil der katholischen Medienlandschaft der USA.

Auch Kardinal Müller fand Erwähnung

Auch der frühere deutsche Kurienkardinal Müller, dessen erstes Mandat als Präfekt der Glaubenskongregation Papst Franziskus nicht verlängerte, hat mehrfach deutliche Kritik an bestimmten Papstaussagen geübt. Wörtlich äußerte Franziskus während des Fluges über Müller: „Er hat gute Absichten, er ist ein guter Mann. Der Papst mag ihn. Aber er ist wie ein Kind."

(kna/vatican news/america – gs)

05 September 2019, 09:52