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Seligsprechung: Kardinal Koch würdigt Pater Richard Henkes

Edith Stein? Rupert Mayer? Alfred Delp? All diese Kirchenleute waren als Gegner der Nationalsozialisten bekannt. Aber Richard Henkes?

Der deutsche Pallottinerpater Henkes (1900-45) ist bisher nur Eingeweihten als überzeugter Opponent des Hitler-Regimes geläufig. Doch das könnte sich an diesem Sonntag ändern: Da wird Kurienkardinal Kurt Koch Pater Henkes im Limburger Dom selig sprechen.

„Pater Henkes war voll und ganz davon überzeugt, dass das nationalsozialistische Regime mit menschlichen und christlichen Werten nichts zu tun hat, dass es eine anti-christliche, neu-heidnische Ideologie ist.“ Das sagt Kardinal Koch im Gespräch mit Radio Vatikan. Henkes habe im Lauf seines Lebensauch innere Krisen erlebt, sei daran aber „gereift“.

Hier können Sie das Interview mit Kardinal Koch hören.

“ Ein Vorbild nicht nur für die Katholiken ”

Der Kardinal, der im Vatikan für Ökumene zuständig ist, nennt den neuen Seligen „ein Vorbild nicht nur für die Katholiken, sondern für alle Christen, die konsequent in der Nachfolge Christi stehen“. Heute seien 80 Prozent der Menschen weltweit, die wegen ihrer Religion verfolgt werden, Christen; darum sei das Vorbild Henkes auch heute besonders aktuell.

Henkes redete auch in Anwesenheit von Nazispitzeln Klartext

P. Richard Henkes hat in der Nazizeit die Botschaft Christi furchtlos und offen verkündet. Als Prediger auf der Kanzel und als Exerzitienmeister nahm er auch in der Gegenwart von Nazispitzeln bei der Predigt kein Blatt vor den Mund. Die SS nannte das Missbrauch der Kanzel und isolierte ihn im KZ Dachau. P. Henkes nannte wiederholt Unrecht und Verbrechen der Nazis beim Namen, z. B. bei der Tötung Behinderter, die er auf der Kanzel in Branitz offen als Mord anklagte.

Er mühte sich außerdem um Ausgleich und Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen und versuchte mit konkreten Aktionen, Verfolgten und Eingekerkerten beizustehen. Im KZ hat er die Versöhnungsarbeit fortgesetzt. Höhepunkt seines Einsatzes für andere war sein freiwilliger Dienst bei den Typhuskranken auf Block 17. Nach etwa achtwöchigem Einsatz infizierte er sich und starb am 22. Februar 1945.

(vatican news – sk)
 

14 September 2019, 12:35