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Papst: Pilgern heißt, gemeinsam voranzugehen

Franziskus ruft im Heiligtum von Schomlenberg (Sumuleu Ciuc) dazu auf, die Brüderlichkeit nicht durch Gerede und Verwundungen zu verlieren.

Claudia Kaminski - Vatikanstadt

Mit dem Besuch in Sumuleu Ciuc setzte Papst Franziskus seine Rumänienreise an diesem Samstag, seinem zweiten Reisetag, fort. Die Stadt im Osten Siebenbürgens ist ein Zentrum ungarischsprachiger Katholiken. Seit dem 16. Jahrhundert ist Sumuleu Ciuc ein Marienwallfahrtsort der meist katholischen Ungarn. Unter den Kommunisten verboten, wurde die Wallfahrt ab 1990 wiederbelebt.

Zum Nachhören

Bei der Messe mit Zehntausenden Gläubigen an der Wallfahrtsstätte Sumuleu Ciuc rief der Papst zu Versöhnung und Geschwisterlichkeit zwischen den verschiedenen Kulturen und Traditionen auf. Die Fürbitten wurden auf Ungarisch, Rumänisch und Deutsch vorgetragen.

Heiligtümer, betonte Papst Franziskus in seiner Predigt, bewahrten das Gedächtnis des gläubigen Volkes, das inmitten seiner Bedrängnisse nicht müde werde, die Quelle zu suchen, wo die Hoffnung aufgefrischt werde. Es seien Orte der Freude, des Feierns, der Tränen und des Flehens.

Als Volk zu unserem Haus kommen

„Ohne viele Worte treten wir hin zu Marias Füßen, um uns von ihr anschauen zu lassen. Sie möge uns mit ihrem Blick zu ihm führen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.“ (Joh 14,6)

Das täten wir, so Franziskus, als Pilger. So wie die jährliche Wallfahrt nach Schomlenberg zum Erbe Siebenbürgens gehöre, die rumänische und ungarische Tradition achte und ein Symbol des Dialogs, der Einheit und der Brüderlichkeit sei. Auf Pilgerschaft zu sein, bedeute zu wissen, dass wir als Volk zu unserem Haus kommen, als heiliges gläubiges Volk Gottes, das mit Maria pilgernd unterwegs ist:

„Wie Maria in Kana in Galiläa sich bei Jesus dafür eingesetzt hat, dass er sein erstes Wunder vollbringe, so wacht sie als Fürsprecherin in jedem Heiligtum – sie wendet sich nicht nur an ihren Sohn, sondern auch an jeden von uns, dass wir uns nicht durch das Gerede und die Verwundungen, die Spaltung und Zersplitterung hervorrufen, unsere gelebte Brüderlichkeit rauben lassen.“

Simuleu Ciuk
Simuleu Ciuk

Pilgern heiße auch, sich gerufen und angespornt zu fühlen, gemeinsam voranzugehen und den Herrn um die Gnade zu bitten, Groll und Argwohn in neue Gelegenheiten für die Gemeinschaft zu verwandeln, mahnte Franziskus. Dazu müsse man sich von Sicherheiten und Bequemlichkeiten lösen, um die neue Erde zu suchen, die Gott schenken wolle sowie den Geist entdecken und keine Furcht davor zu haben, einander zu begegnen:

„Es bedeutet, sich dafür einzusetzen und zu kämpfen, dass die, welche gestern zurückgeblieben sind, zu den Protagonisten von morgen werden und die Protagonisten von heute morgen nicht zurückgelassen werden. Und das erfordert das handwerkliche Tun, gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten. Ja, dafür sind wir hier, um gemeinsam zu sagen: Mutter, lehre uns, die Zukunft zu entwerfen,“ rief Papst Franziskus den 100.000 Pilgern zu. Mit ihrem ‚Ja‘ des einfachen Mädchens aus Nazaret habe sie es vermocht, die Revolution der zärtlichen Liebe in Gang zu setzen.

Gott schaut auf den Schwachen

Gott richte seine Augen auf den Schwachen und ermutige auch uns ‚Ja‘ zu sagen, um die Pfade der Versöhnung einzuschlagen. Wer etwas wage, den enttäusche der Herr nicht, so Franziskus. 

Die Geschichte des Pilgerheiligtums von Sumuleu Ciuc reicht in das 14. Jahrhundert zurück und ist mit dem siebenbürgischen Heerführer Johann Hunyadi und seinem Kampf gegen die Osmanen verbunden. Im Mittelpunkt der religiösen Verehrung steht eine 500 Jahre alte und mehr als zwei Meter große gotische Holzstatue, Maria mit dem Jesuskind und Zepter. Sie wurde um 1515 für die Kirche der seit 1400 in Sumuleu Ciuc ansässigen Franziskaner geschaffen und ist angeblich die größte bekannte Gnadenstatue der Welt. Traditionell findet eine große Wallfahrt am Samstag vor Pfingsten statt. Die meisten Pilger sind Ungarn, Angehörige der größten Minderheit Rumäniens, oder aus dem Nachbarland selbst. 

(vatican news/kna)
 

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Ein paar Eindrücke von der Messe in Sumleu Ciuc
01. Juni 2019, 12:11