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Der Papst und die Trinitarier-Patres Der Papst und die Trinitarier-Patres  (Vatican Media)

Papst an Trinitarier: Helft jungen Menschen, kein bequemes Leben zu suchen

„Junge Menschen von nah und fern warten auf uns.“ Diese ermutigenden Worte richtete Papst Franziskus an diesem Samstag an die Teilnehmer des Generalkapitels des Trinitarier-Ordens, einer religiösen Ordensgemeinschaft, die vom französischen Johann von Matha (1154-1213) gegründet wurde. Während des einwöchigen Treffens in Rom, das sich auf die Jugend- und Berufungspastoral konzentrierte, wählten die Trinitarier den 46-jährigen Pater Luigi Buccarello zu ihrem neuen Ordensoberen.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Der Papst dankte den Ordensmitgliedern für die „Arbeit in den verschiedenen Werken der Barmherzigkeit, in den Schulen, Pfarreien, Gefängnissen und Rehabilitationswerken“, und skizzierte einige Herausforderungen der Jugend- und Berufungspastoral, die vor allem „Kreativität“ erfordere, um ohne Proselytenmacherei die „Pluralität der Welt der Jugend“ anzunehmen.

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„Die Kultur der großen Leere, die durch das schwache Denken und den Relativismus hervorgerufen wird, die uns einladen, 'auf dem Papier' zu leben, die Kultur der Fragmentierung, die die großen Themen an Bedeutung verlieren lässt, und der Immanentismus, hinter dem sich so viele junge Menschen abschotten, können uns meinen lassen, dass im Glauben der neuen Generationen kein Platz ist für Seelsorge. Aber diese Schlussfolgerung zu ziehen, wäre ein schwerer Fehler.“

Heute suchen die Jugendlichen, so Papst Franziskus, „leidenschaftlich nach dem Sinn ihres Lebens“. Sie seien sehr wohl „fähig zur bedingungslosen Hingabe an die großen Anliegen“, aber sie müssten auch begleitet werden und akzeptieren, dass sie dabei auch an ihre „Grenzen stoßen können“.

„Hier können Sie den jungen Menschen helfen, sich über ihre Wünsche klar zu werden," so der Rat des Papstes an die Trinitarier. Dabei dürfe man aber nicht vergessen, dass sie auch Protagonisten sein wollen: „Junge Menschen tolerieren keine Umgebung, in der man ihnen keinen eigenen Raum, keine Anreize gibt.“

Nähe und Begleitung

Der Papst bat, trotz der unvermeidlichen „Müdigkeit“ dem Beispiel „Jesu mit den Jüngern von Emmaus“ zu folgen, denn auch heute noch suchten junge Menschen „Wegbegleiter“ und den „Brunnen lebendigen Wassers, an dem sie ihren Durst stillen können“.

„Seien Sie für die Jugend wie ältere Brüder, mit denen sie sprechen, denen sie vertrauen können. Hören Sie ihnen zu, reden Sie mit ihnen. Auf diese Weise spüren die jungen Menschen, dass sie wirklich geliebt werden, und so können Sie ihnen das hohe Maß an Liebe weitergeben, also die Heiligkeit: eine Reise des christlichen Lebens 'gegen den Strom', wie es uns die Seligpreisungen vorgeben.“

Propheten der Hoffnung sein

Von diesem einladenden Blick sollte niemand ausgeschlossen sein, vor allem „fernstehende“ junge Menschen nicht. Man müsse ihnen Gehör schenken, „sie rufen, den Wunsch in ihnen wecken, ihre Komfortzonen zu verlassen und sich in Bewegung zu setzen“, so der Rat des Papstes.

„Ich ermutige Sie, mit ihnen zu gehen und vorgefertigte Schemata hinter sich zu lassen - das funktioniert nicht! Dabei darf man aber nicht vergessen, dass wir, besonders bei den jungen Menschen, beharrlich bleiben müssen. Wir müssen säen und geduldig darauf warten, dass der Same wächst und - so der Herr will -  eines Tages Früchte tragen wird. Unsere Aufgabe ist es, zu säen. Gott wird den Samen wachsen lassen, und vielleicht werden andere die Früchte ernten.“

Die Trinitarier seien daher aufgerufen, „Propheten der Hoffnung und der Neuheit zu sein“, Zeugnis abzulegen von der Freude an einem gottgeweihten Leben. Angesichts der Versuchung der Resignation – so das Fazit des Papstes – sei in der Jugend- und Berufungspastoral die „evangeliumsgemäße Kühnheit“ erforderlich, „die Netze auszuwerfen, auch wenn es vielleicht nicht der günstigste Zeitpunkt oder Moment ist“.

„Niemand darf ausgeschlossen werden. Vor ein paar Wochen las ich einen Brief - ich glaube dieser Text wurde öffentlich gemacht -; geschrieben hatte ihn ein Häftling. Der Brief beginnt so: 'Lieber Bruder Christoph' und beschreibt, wie dieser Mann im Gefängnis das Buch von Alessandro Manzoni 'Die Brautleute' gelesen und bemerkt hatte, dass auch der Ordensbruder Christoph dasselbe getan hatte wie er. Von da an begann dieser Gefangene, eine Unruhe in sich zu spüren und wartete nur noch darauf, aus dem Gefängnis entlassen zu werden und in ein  Seminar eintreten zu können. Gott ruft überall, Gott macht keine Ausnahmen. Ihr seid tapfer, ja, das seid ihr!“

(vatican news)

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15 Juni 2019, 13:26