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Papst Franziskus kündigt Reise in den Irak an

Papst Franziskus will nächstes Jahr in den Irak reisen. Das sagte er an diesem Montag bei einer Audienz im Vatikan.

Zu Vertretern von Hilfswerken für den Nahen Osten und die Ostkirchen sagte der Papst bei einer Audienz im Vatikan: „Ich denke häufig an den Irak, in den ich nächstes Jahr reisen möchte. Hoffentlich kann er bald nach vorne blicken und eine friedliche Teilhabe aller seiner Komponenten – auch der religiösen – am Aufbau des Gemeinwohls erreichen, statt wieder in Spannungen zurückzufallen, die aus den nie richtig gelösten Konflikten der Regionalmächte herrühren.“

Weitere Einzelheiten zu seinem Reiseplan nannte der Papst nicht. Schon in der Vergangenheit hatte Franziskus mehrfach von seinem Wunsch zu einer Irakreise gesprochen, doch wegen der politischen Umstände war es nie zu einer solchen Visite gekommen.

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Scharfe Kritik an Politik der geschlossenen Häfen für Migranten

Mit scharfen Worten hat der Papst in derselben Ansprache die Politik der geschlossenen Häfen für Migranten kritisiert, wie sie vor allem die populistische Regierung Italiens durchsetzt. Ohne den römischen Innenminister Matteo Salvini von der rechten Partei „Lega“ beim Namen zu nennen, sagte der Papst am Pfingstmontag:

„Die Menschenmassen auf den Schiffen, die nach Hoffnung suchen, schreien auf, weil sie nicht wissen, in welchem Hafen man sie schließlich aufnehmen wird! Und das geschieht in einem Europa, das allerdings die Häfen durchaus für Schiffe öffnet, die moderne und teure Waffensysteme transportieren, mit denen man Zerstörungen anrichten kann, die auch nicht vor Kindern haltmachen.“

Der Schrei der Flüchtlinge steigt zu Gott auf

Der Papst nahm eine Formulierung wieder auf, die er bei seiner ersten Reise nach der Papstwahl verwendet hatte. Franziskus hatte im Sommer 2013 die Insel Lampedusa vor Sizilien besucht, an der immer wieder verzweifelte Bootsflüchtlinge, von Afrika kommend, anlanden. Seine Predigt hatte um die Frage Gottes gekreist „Kain, wo ist dein Bruder Abel“?

„Uns hier ist klar, dass der Schrei Abels bis zu Gott aufsteigt… Aber gemeinsam mit dem Klagen und Weinen werdet ihr in diesen Tagen auch Stimmen der Hoffnung und des Trostes hören: Das sind die Echos der unermüdlichen Werke der Nächstenliebe… Sie zeigen das wahre Gesicht der Kirche und tragen dazu bei, dass sie lebendig ist.“

Trauer über das syrische Drama

In seiner Ansprache von diesem Montag äußerte sich Franziskus auch zum anhaltenden Krieg in Syrien.

„Ich denke mit Trauer an das syrische Drama und an die dichten Wolken, die sich über einigen seiner noch instabilen Regionen zusammenziehen – da, wo das Risiko einer noch umfassenderen humanitären Krise hoch bleibt. Die Menschen, die nicht genug zu essen, die keine Gesundheitsversorgung, keine Schulen haben, die Waisenkinder, die Verletzten und die Witwen erheben laut ihre Stimmen.“

Selbst wenn die Herzen der Menschen hart blieben – für das Herz Gottes gelte das nicht. Es werde „verletzt von dem Hass und der Gewalt“ seiner Geschöpfe und sorge sich um sie „mit der Zärtlichkeit und Kraft eines Vaters“.

Gebet für das Heilige Land - und die Ukraine

Was das Heilige Land betraf, lobte Papst Franziskus die kürzlich erreichte Einigung mehrerer Kirchen, in der Grabes- und Auferstehungskirche von Jerusalem eine weitere Phase der Restaurierung anzugehen. In der ersten Phase war der Ort des Grabes Jesu eingehend restauriert und stabilisiert worden. Er hoffe, dass sich alle Verantwortlichen im Heiligen Land „um ein friedliches Zusammenleben im Respekt vor allen Bewohnern dieses Landes“ bemühten. Auch die Ukraine erwähnte der Papst: „Möge ihre Bevölkerung Ruhe finden!“

Das Dokument von Abu Dhabi verbreiten

„Ich bitte euch, weiterhin und verstärkt dafür zu sorgen, dass in den Ländern, die ihr unterstützt, junge Leute frei von ideologischer Kolonisierung aufwachsen können, mit offenen Herzen und Köpfen, mit Lust auf eine Zukunft in Frieden und Wohlstand… Dieses Jahr haben die jungen Leute in Äthiopien und Eritrea – nach dem so lang ersehnten Frieden zwischen beiden Ländern – die Waffen sinken lassen und die Worte des Psalms verstanden: Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt (vgl. Ps 30, 12).“

Der Papst gab sich sicher, dass viele junge Leute sich auf „echte Geschwisterlichkeit“ mit den Menschen um sie herum einlassen wollten. Und er erinnerte an das Dokument zur Geschwisterlichkeit aller Menschen, das er im Februar dieses Jahres bei einem Besuch in Abu Dhabi zusammen mit dem Großimam der Kairoer al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, unterzeichnet hat. Es soll, so wünscht man sich das im Vatikan, das Verhältnis der Christen zu Muslimen auf eine neue Grundlage stellen.

„Helft mir dabei, dieses Dokument bekanntzumachen und diese gute Allianz für die Zukunft der Menschheit, von der es handelt, zu verbreiten! Und arbeiten wir alle daran, diese Lebenswelten zu erhalten, die die Botschaft dieses Dokuments schon seit Jahren leben! Ich denke da vor allem an die Schulen und Universitäten, die vor allem im Libanon, aber auch im übrigen Nahen Osten so wertvolle Arbeit leisten. Sie sind echte Labors für das Zusammenleben…“

(vatican news – sk)

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10. Juni 2019, 10:50