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Papst Franziskus bei der Pressekonferenz im Flieger Papst Franziskus bei der Pressekonferenz im Flieger  (ANSA)

Fliegende Pressekonferenz: Respekt unter den Religionen

Die Begegnung mit den Mutter-Teresa Schwestern in Nordmazedonien und die Erstkommunion-Feier in Bulgarien: Zwei Ereignisse der an diesem Dienstag zu Ende gegangenen Reise, an die Papst Franziskus ausdrücklich erinnerte, als er während des Rückfluges zu den mitreisenden Journalisten sprach. Weitere Themen waren die Beziehungen zur Orthodoxen Kirche und die Frage nach Diakoninnen.
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Andrea Tornielli (Papstflieger) und P Bernd Hagenkord (Vatikanstadt)

Zwei sehr verschiedene Länder habe er besucht, so der Papst in seiner ersten Antwort auf die Frage nach seinen Eindrücken. „Bulgarien ist ein Land mit jahrhundertealter Tradition“, so der Papst. „Nordmazedonien auch, aber nicht als Land, sondern als Volk.“ Die Unabhängigkeit des Landes liegt noch nicht lange zurück, der Papst lobte den „guten Streit“ dafür.

„Für uns Christen ist Mazedonien ein Symbol der Ankunft des Christentums im Westen“, so Franziskus weiter. „Ein Mazedone hat sich an [den Apostel] Paulus gewandt, der eigentlich weiter nach Asien wollte.“ Ausführlich erinnerte der Papst auch an die Geschichte Bulgariens, an die Kämpfe der Vergangenheit und an die Wichtigkeit des Bewahrens der Identität.

Interreligiöser Dialog

Und dann seien dort die Gemeinsamkeiten, „in beiden Ländern gibt es orthodoxe Christen, Katholiken und auch Muslime“, wobei die Katholiken jeweils die kleinste Gruppe seien. „Eine gute Sache habe ich in beiden Nationen gesehen: es gibt gute Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen. In Bulgarien haben wir das beim Gebet für den Frieden gesehen.“ Dort habe ihn auch besonders die Begegnung mit dem orthodoxen Patriarchen Neofit beeindruckt, „ein wirklicher Mann Gottes!“

In Mazedonien habe ihn dann in dieser Hinsicht besonders ein Satz des Präsidenten aufmerken lassen. „Hier gibt es keine Toleranz zwischen den Religionen, hier gibt es Respekt“, zitierte er aus der Ansprache in Skopje. „Man respektiert sich. Und das in einer Welt heute, in der es an Respekt für Menschenrechte, für Kinder, für die Alten mangelt.“

Wird er denn nie müde?

Eine zweite Frage bezog sich darauf, woher der Papst seine Stärke beziehe. „Ich gehe nicht zu einer Zauberin“, scherzte Franziskus. „Aber wirklich, ich weiß nicht. Es ist eine Gabe des Herrn. Wenn ich in einem Land unterwegs bin, vergesse ich alles. Ich bin dann nur da.“ Das gebe ihm viel Stärke, während der Reisen werde er nicht müde, erst danach.

Bei der Reise hatte der Papst auch Vertreter der orthodoxen Kirchen getroffen, darauf bezog sich eine dritte Frage. Diese Kirchen seien untereinander uneins, so der Journalist, nur in der Kritik an der katholischen Kirche stimmten sie immer überein. „Ganz allgemein sind die Beziehungen gut, es gibt guten Willen“, widersprach Papst Franziskus. Neofit von Bulgarien, Elia II von Georgien, Bartolomeo von Konstantinopel, er zählte einige orthodoxe Patriarchen auf, „alles Männer Gottes“.

Die Katholiken und die Orthodoxen

Natürlich hätten die Kirchen auch ihre Geschichten, außerdem mache jeder Fehler, er selber auch. „Wir sind Geschwister, wir können die Heilige Dreieinigkeit nicht anbeten, ohne uns an den Händen zu halten.“ Und dann ging er auf die Frage der Heiligsprechung von Kardinal Alojzije Stepinac ein, die zum Streitpunkt von katholischen und orthodoxen Christen geworden ist. Dem 1960 gestorbenen Kroaten und Erzbischof von Zagreb werfen vor allem orthodoxe Christen vor, während der Kriegsjahre bis 1945 deren Verfolgung geduldet oder gar unterstützt zu haben, der Journalist hatte ausdrücklich nach Stepinac gefragt.

„Er war ein tugendhafter Mensch, deswegen hat die Kirche ihn selig gesprochen“, so Franziskus. Zur Heiligsprechung habe man aber mit der serbisch orthodoxen Kirche eine gemeinsame Kommission gebildet, gemeinsam sei man daran interessiert, keine Fehler zu machen, „uns interessiert die Wahrheit.“

Diakoninnen?

Angestoßen von seinem Besuch in Bulgarien griff ein Journalist die Frage nach der Weihe von Diakoninnen auf, die Tradition gebe es in dieser Kirche. Er habe als Papst eine Kommission zu dieser Frage in der katholischen Kirche berufen, habe er etwas daraus gelernt oder eine Entscheidung getroffen?

Zwei Jahre habe die Kommission getagt und die verschiedenen Ansichten hätten bis zu einem gewissen Punkt übereingestimmt, so der Papst. „Jeder von [den Mitgliedern der Kommission] hatte dann eine eigene Vision, die nicht mehr mit der der anderen übereinstimmte, und dort haben sie die Arbeit der Kommission dann beendet.“

Ergebnisse der Kommission

Und dann zählte der Papst die Ergebnisse auf: Es gebe zum Beispiel die Möglichkeit, den Diakonat der Frau sich nicht gleich vorzustellen wie den des Mannes. „Die Weiheformeln, die man bisher gefunden hat, sind nicht dieselben wie die eines männlichen Diakons, sie ähneln eher denen einer Äbtissin“, erklärte er. „Andere sagen, dass es zu Beginn Diakoninnen gegeben habe, aber war das auch eine sakramentale Weihe?“ Es seien Hilfen gewesen, etwa bei der Taufe oder bei der Hilfe von Frauen, die von ihren Männern misshandelt worden waren.

„Es gibt keine Gewissheit, dass ihre Weihe die gleiche Form und gleiche Bestimmung hatte die Weihe von Männern. Einige sagen: es gibt Zweifel, also lasst uns weiter studieren!“ Im Augenblick könne man dazu aber nichts sagen.

All das habe er von der Kommission vorgelegt bekommen, es könne dazu dienen, eine endgültige Antwort zu geben.

Zwei Grenzerfahrungen

Abschließend sprach der Papst noch von „zwei Grenzerfahrungen“, die er gemacht habe. Die eine in Mazedonien, am Denkmal von Mutter Teresa. Er sei berührt von dem Einsatz und dem Sanftmut der Schwestern, die dort für die Armen Dienst tun. „ohne Bevormundung dieser Armen“.

„Heute sind wie es gewohnt, uns gegenseitig zu beleidigen“, so der Papst weiter. „Der Politiker beleidigt den anderen, ein Nachbar beleidigt den anderen, selbst in der Familie beleidigt man sich. Ich wage nicht zu behaupten, dass es eine Kultur der Beleidigung gibt, aber es ist wie eine Waffe in der Hand.“ Diese Ordensfrauen zu sehen, die sich um jeden Menschen kümmern, als wäre es Jesus, habe ihn tief berührt.

„Und dann war eine weitere Erfahrung die Feier der Erstkommunion in Bulgarien: Ich war bewegt, weil die Erinnerung an meine erste Kommunion am 8. Oktober 1944 ging ... .“ Diese Kinder seien noch klein, sie seien ein Versprechen und müssten wachsen. Aber sie errichteten schon jetzt die Zukunft der Kirche und die Zukunft Bulgariens und die Zukunft der Kirche.

Der allerletzte Punkt seiner Reise nach der Landung war dann noch ein Besuch in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, wo er vor der Muttergottes ein Dankgebet für die Reise sprach.

(vatican news)

07 Mai 2019, 22:30