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Papst: Man muss nicht unbedingt Fußball-Star werden

Fußball kann ein Mittel sein, um Freundschaften zu schließen und sich selber auf die Probe zu stellen. Dabei hat man ein Recht, auch „kein Champion zu sein“. Darauf wies der Papst an diesem Freitagmittag rund 5.000 Schüler aus den mittelitalienischen Regionen Latium und Abruzzen hin.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Audienzhalle beherbergte tausende junge sportbegeisterte Gäste. Die Audienz war durch die größte italienische Zeitung organisiert worden, das Sportblatt „Gazzetta dello Sport“. Im fußballverrückten Italien träumen viele Jungen von einer Fußballkarriere, und tatsächlich waren auch etliche Champions, Sportstars und Trainer in der Halle dabei. Das Treffen mit dem ersten Papst, der im Moment seiner Wahl Mitglied eines Fußballvereins war, stand unter dem Motto: „Der Fußball, den wir lieben“.

Zum Nachhören

Fußball sei ein Mannschaftsspiel, das als Mittel gesehen werden sollte, „um Menschen einzuladen, Freundschaft zu teilen, sich gegenseitig wahrzunehmen, sich gegenseitig herauszufordern und seine Fähigkeiten zu testen“. Das hob Franziskus in seiner Rede hervor. Auf diese Weise könne man in einer Gesellschaft, die „die Zentralität des Selbst fast als absolutes Prinzip vergöttert“, etwas Positives tun.

„Das schönste Spiel der Welt“

Papst Franziskus sprach vom „schönsten Spiel der Welt“. Unter den etwa 5.000 Teilnehmern der Audienz im Vatikan waren Champions wie Samuel Eto'o, ehemaliger kamerunischer Star des Mailänder Top-Clubs Inter, die italienischen Trainer Arrigo Sacchi und Roberto Mancini, der derzeitige Trainer der italienischen Nationalmannschaft, der Vizepräsident von Inter und argentinische Starspieler Javier Zanetti, der derzeitige Trainer von Kamerun Clarence Seedorf und der Trainer des römischen Clubs Roma Claudio Ranieri.

Beim Sport arbeiten nicht nur die Muskeln

„Als ich das ,Ole'-Geschrei hörte, dachte ich, ich hätte ein Tor geschossen!“, scherzte der Papst und erinnerte dann daran, was der heilige Don Bosco, der „Erfinder“ der Oratorien, gerne an seine Lehrer weitergab: „Willst du die Jungen gewinnen? Dann wirf einen Ball in die Luft, und bevor er den Boden berührt, wirst du sie alle ankommen sehen!“

„Hinter einem rollenden Ball steckt fast immer ein Junge mit seinen Träumen und Bestrebungen, seinem Körper und seiner Seele. Bei einer sportlichen Aktivität sind nicht nur die Muskeln beteiligt, sondern die gesamte Persönlichkeit eines Jungen, in all ihren Dimensionen, auch den tiefsten.“

Sein Bestes geben, aber nicht allein

Der Sport - fuhr der Papst fort - sei eine große Chance zu lernen, das Beste aus sich herauszuholen, „mit Opfer und Engagement, vor allem aber nicht allein“. Heute sei auch wegen neuer Technologien klar, dass es leicht sei, sich zu isolieren, „virtuelle Verbindungen mit vielen, aber aus der Ferne herzustellen“. Das Tolle am Spiel mit einem Ball hingegen sei, „dass man es zusammen mit anderen machen kann, dass man es mitten auf einem Feld austrägt, dass man lernt, wie man ein Spiel aufbaut und als Team zusammenarbeitet“.

Heute höre man  „leider oft die Leute sagen“: „Fußball ist kein Spiel mehr“. Denn, so der Papst weiter, auch im Jugendfußball „sehen wir Phänomene, die seine Schönheit beschmutzen“. „Zum Beispiel sieht man bestimmte Eltern, die sich in Hooligans oder in Manager oder Trainer verwandeln... Fußball ist ein Spiel und muss es bleiben! Vergesst das nicht: Fußball ist ein Spiel“, wiederholte der Papst.

Das Recht jedes Jungen, kein Champion zu sein

„Spielen macht glücklich“, denn „man kann seine Freiheit ausdrücken, man konkurriert auf unterhaltsame Weise“, man jagt einen Traum nach, „ohne aber unbedingt Champion zu werden“. 

„Liebe Eltern, ich fordere euch auf, diese Mentalität an eure Kinder weiterzugeben: das Spiel, die Bewegungsfreiheit, die Geselligkeit... Sie müssen ihre Kinder in schwierigen Momenten ermutigen, besonders nach einer Niederlage... Und ihnen zu verstehen geben, dass die Reservebank keine Demütigung ist, sondern eine Gelegenheit zum Wachsen und eine Chance für jemand anderen. Dass sie immer den Input geben, ihr Bestes geben, denn über das Spiel hinaus gibt es das Leben, das sie erwartet.“

Schließlich wandte sich der Papst an die großen Fußballmeister, „die diese jungen Athleten inspirieren“. Sie sollten doch bitte nicht vergessen, wo sie angefangen hätten, sagte der Papst. Jenes Spielfeld in den Vororten, im Oratorium, in der kleinen Mannschaft. Er wünsche den Fußballstars, dass sie „immer Dankbarkeit“ für ihre Geschichte der Opfer, Siege und Niederlagen aufbringen.

(vatican news)

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24. Mai 2019, 14:42