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Papst an Marokkos Christen: „Danke für euer Zeugnis der Barmherzigkeit"

Papst Franziskus hat die Gläubigen in Marokko in ihrer Solidarität mit Schwachen und Strauchelnden gestärkt. „Ich möchte euch Dank sagen für die Weise, wie ich in diesem Land Zeugnis für das Evangelium der Barmherzigkeit gebt“, sagte der Papst den Menschen bei der Messe in Rabat an diesem Sonntag.

Franziskus nutzte eine im Islam gebräuchliche Umschreibung für Gott: „Der Erbarmende und Gütige, wie ihn unsere muslimischen Brüder und Schwestern so oft anrufen“, möge Marokkos Christen in ihrem tätigen Glauben bestärken, so der Papst.

Gott will, dass alle seine Kinder schon heute ihre Würde als Söhne und Töchter erfahren können, sagte Franziskus mit Blick auf das Sonntagsevangelium vom barmherzigen Vater (Lk 15,20). Er wolle, „dass keiner in menschenunwürdigen Verhältnissen lebe wie sein jüngerer Sohn und auch nicht in Verwaisung, in Absonderung oder in Bitterkeit wie der ältere Sohn“. Franziskus warnte vor Spaltung und Konfrontation zwischen jenen, die sich im Recht fühlten, und den anderen, die auf Barmherzigkeit und Inklusion angewiesen seien. „Immer droht uns die Versuchung, Hass und Vergeltung als legitime Formen anzusehen, um Gerechtigkeit auf schnelle und wirksame Weise zu erreichen“, so der Papst. Die Erfahrung zeige aber, dass Hass und Vergeltung „all das zerstören und wegreißen, was wir lieben“.

„Das größte Erbe und der Reichtum des Christen ist die Teilhabe an Gottes Liebe und Mitgefühl“

So riet Franziskus dazu, eine „kurzsichtige, spalterische Denkweise“ zu überwinden und eine weitere Perspektive zu gewinnen. Das „größte Erbe und der Reichtum des Christen“ sei die Teilhabe an Gottes Liebe und Mitgefühl. „Denn anstatt uns nach moralischen, sozialen, ethnischen oder religiösen Bedingungen zu messen oder zu klassifizieren, könnten wir erkennen, dass es einen anderen Status gibt, den man nie zerstören oder zunichte machen kann, weil er ein reines Geschenk ist: der Status, geliebte, erwartete und gefeierte Söhne und Töchter für den Vater zu sein.“

Gläubigen, die wie der ältere Bruder des verlorenen Sohnes auf den Versäumnissen des anderen beharrten, riet der Papst zur Abkehr von Fundamentalismus und zu mehr Demut. „Fallen wir nicht in die Versuchung, unsere Zugehörigkeit als Söhne und Töchter auf eine Frage von Gesetzen und Verboten, von Pflichten und Erfüllungen zu reduzieren“, so Franziskus. Glaubenszugehörigkeit und Sendung der Christen gingen nicht aus „Legalismus, Relativismus und Fundamentalismus“ hervor. „Sie kommen vielmehr von glaubenden Menschen, die jeden Tag mit Demut und Beständigkeit beten: ,dein Reich komme´.“

„Der Christ weiß, dass es im Haus des Vaters viele Wohnungen gibt. Es bleiben nur die draußen, die nicht an seiner Freude teilhaben wollen“

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hat ein offenes Ende, erinnerte der Papst; wir wissen nicht, wie sich der ältere Sohn am Ende entscheidet, ob er am Fest für den zurückgekehrten Bruder teilnimmt oder sich verbittert zurückzieht. Dieses offene Ende hat einen Sinn, sagte Franziskus: Es sei dazu gedacht, dass jeder und jede es mit dem eigenen Leben, dem eigenen Blick und dem eigenen „Verhalten gegenüber den Mitmenschen fertigschreiben“ könne, so Franziskus. „Der Christ weiß, dass es im Haus des Vaters viele Wohnungen gibt. Es bleiben nur die draußen, die nicht an seiner Freude teilhaben wollen.“

Franziskus sprach das Credo auf Französisch und zelebrierte ansonsten in seiner Muttersprache Spanisch, denn Spanien liegt nur wenige Kilometer nördlich von Marokko jenseits der Meerenge von Gibraltar. Über die spanischen Mittelmeer-Enklaven Ceuta und Melilla, die ganz von marokkanischem Festland umgeben sind, versuchen jährlich Tausende afrikanische Migranten Europa zu erreichen. Am Samstag hatte der Papst die Caritaszentrale von Rabat besucht und klargestellt, Gleichgültigkeit und Schweigen dürften keine Antwort auf das Drama der Migration sein.

So dankte der Erzbischof von Rabat, Cristóbal López Romero, dem Papst am Schluss der Messe für seinen Einsatz zugunsten Fremder, auch in Marokko. „Danke, dass Sie unseren Brüdern und Schwestern, den Migranten, haben begegnen wollen; das bestätigt und bestärkt uns in unserem Engagement.“ Die Kirche in Marokko wolle sich weiterhin am Vorbild des barmherzigen Samariters orientieren und eine Kirche sein, „die sich dem zuwendet, der gefallen ist und der verletzt ist, um ihm zu Hilfe zu kommen, ohne ihn nach dem Grund für seine Reise, seiner Herkunft und seinem Ziel zu fragen.“ Außerdem dankte der Erzbischof dem Papst für seine andauernde Unterstützung des Dialogs zwischen Muslimen und Christen.

Die Messe mit dem Papst an diesem vierten Fastensonntag – Laetare, mit der liturgischen Farbe rosa - fand im überdachten Sportzentrum Prinz Moulay Abdellah in Rabat statt. Für die Musik sorgten 500 Sängerinnen und Sängern aus Pfarreichören des Königreichs. An die 10.000 Menschen aus allen Teilen Marokkos und auch aus dem Ausland waren dabei, ebenso fast alle katholischen Priester Marokkos. Um den Papst zu sehen, haben nicht wenige Menschen lange Busreisen nach Rabat auf sich genommen.

Die Messe war der letzte Programmpunkt der zweitägigen Marokko-Reise von Franziskus. Sonntagabend gegen 21:30 Uhr wurde der Papst in Rom zurückerwartet.

(vatican news – gs)

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31. März 2019, 16:27