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Vatican News
Franziskus bei einem Pfarreibesuch am letzten Sonntag Franziskus bei einem Pfarreibesuch am letzten Sonntag  (Vatican Media)

Neue Folge: Papst Franziskus erklärt die Zehn Gebote

Er kann’s nicht lassen: Papst Franziskus formuliert bekannte Bibeltexte gerne mal um, damit neue Bedeutungs-Nuancen hörbar werden. Manchmal ist das provokant, wie sich bei seiner Neuformulierung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ gezeigt hat – eine wochenlange Debatte folgte auf seinen Hinweis, Gott könne und wolle uns gar nicht in Versuchung führen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Auch das siebte der Zehn Gebote formuliert Franziskus um. „Du sollst nicht stehlen“, heißt es im Original, und der italienische Komiker Roberto Benigni lästerte einmal in einer TV-Show, damit habe Gott am Sinai ein Gebot eigens für die Italiener erlassen. Doch beim Papst heißt das Gebot Nummer sieben so: „Du sollst deine Mitmenschen lieben – und zwar, indem du dir deinen Besitz zunutze machst.“

Zum Nachhören

„Die Welt ist reich an Ressourcen, um allen die Grundgüter zu gewährleisten“, erklärte Franziskus bei einer Generalaudienz, in der er im letzten Herbst über die Zehn Gebote sprach. „Viele leben jedoch in skandalöser Armut, und die Ressourcen, die ohne Kriterium verwendet werden, werden vergeudet. Die Welt ist jedoch nur eine einzige! Die Menschheit ist eine einzige! Der Reichtum der Welt ist heute in den Händen der Minderheit, einiger weniger, während Armut, ja Elend und Leid, viele Menschen, die Mehrheit, betreffen.“

Was ich besitze, ist das, was ich zu schenken weiß

Wenn auf der Erde Hunger herrsche, dann nicht, weil es an Lebensmitteln fehlt, so der Papst. Im Gegenteil, aus wirtschaftlichen Gründen würden sie manchmal sogar zerstört oder weggeworfen. Was fehle, sei ein „solidarischer Ansatz“, der „eine gerechte Verteilung der Güter dieser Welt garantiert“.

„Jeder Reichtum muss, um gut zu sein, eine soziale Dimension haben. In dieser Perspektive wird die positive und weitreichende Bedeutung des Gebots ‚Du sollst nicht stehlen‘ deutlich… Der Besitz ist eine Verantwortung, die du hast. Und jedes Gut, das der Logik der Vorsehung Gottes entzogen wird, ist in seinem tiefsten Sinn verraten. Was ich wirklich besitze, ist das, was ich zu schenken weiß. Das ist das Maß, um zu bewerten, wie ich den Reichtum verwalte, ob gut oder schlecht. Dieses Wort ich wichtig: Was ich wirklich besitze, ist das, was ich zu schenken weiß!“

Leben ist nicht die Zeit zum Besitzen, sondern zum Lieben

Reichtum definiert sich laut Franziskus nicht nur von dem her, was ich habe, sondern auch von meiner Großherzigkeit her.
„Denn wenn es mir nicht gelingt, etwas hinzuschenken, dann darum, weil diese Sache mich besitzt, Macht über mich hat und ich ihr Sklave bin.“

Während die Menschheit sich abmühe, um „immer mehr zu haben“, erlöse Gott sie, „indem er arm wird“ – Franziskus weist da auf ein Paradox hin. „Was uns reich macht, sind nicht die Güter, sondern die Liebe… Das Leben ist nicht die Zeit, um zu besitzen, sondern um zu lieben.“

Bestellen Sie unsere CD!

Radio Vatikan beschäftigt sich in den Monaten Februar und März mit den Zehn Geboten: Unsere „Radio-Akademie“ stellt die Deutungen vor, die Papst Franziskus diesem alten Text gibt. Die neuen Folgen werden jeweils sonntags ausgestrahlt – allerdings nicht an Sonntagen, an denen Franziskus Auslandsreisen unternimmt. Ende März ist Franziskus in Marokko...

Die ganze Serie (5 Folgen insgesamt) können Sie bei uns gerne auf CD bestellen, wenn Sie sie noch einmal in Ruhe nachhören wollen. Schreiben Sie einfach eine Mail an cd-at-vaticannews.de, dann senden wir Ihnen die CD gern gegen einen Unkostenbeitrag zu.

(vatican news)

 

07 März 2019, 15:25