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Papst an Gefängnisinsassen: Jeder verdient eine zweite Chance

Papst Franziskus hat sich gegen die Errichtung „von unsichtbaren Mauern“ ausgesprochen. Mitmenschen zu verurteilen, führe zu unnötigen Trennungen sagte der Papst bei einer Bußliturgie für Gefängnisinsassen in Panama. Die Feier fand am zweiten Tag seiner Teilnahme am Weltjugendtag statt.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In der katholischen Kirche ist die Beichte das Sakrament der Versöhung. Der schuldig gewordene Mensch bekennt seine Sünden vor Gott und sie werden ihm durch die Lossprechung des Priesters vergeben. Das war auch das Hauptthema der Überlegungen von Papst Franziskus in seiner Predigt im Jugendgefängnis Pacora in Panama am Freitagvormittag (Ortszeit). Während der Bußliturgie durften 12 Gefängnisinsassen beim Papst und bei zwei anderen anwesenden Beichtvätern zur Beichte gehen.

Jesus habe keine Angst gehabt, sich den „ausgestoßenen“ Menschen zu nähern. Es seien Menschen gewesen, „die aus vielen verschiedenen Gründen den Hass der Gesellschaft abbekamen, wie etwa die Zöllner“, erinnerte der Papst. Jeder verdiene eine zweite Chance.

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Nörgeln und verachten geht nicht

Er sei verwundert, dass es auch heute noch Personen gebe, die diese Einstellung Jesu nicht guthießen. Es gebe sogar Menschen, die das Gegenteil propagierten und „zuerst hinter vorgehaltener Hand und schließlich mit lauter Stimme“ ihren Unmut zeigten. Es handele sich um Menschen, die anderen Mitmenschen keine zweite Chance gäben. Es sei schmerzlich eine Gesellschaft zu sehen, „die ihre Energien darauf verwendet zu nörgeln und zu verachten, anstatt sich für die Schaffung neuer Möglichkeiten und Verwandlung einzusetzen“, so der Papst.

Das Evangelium biete hingegen einen „anderen Blick“. Jesus habe diese Versöhnung nicht per „Dekret oder mit Absichtserklärungen“ geschaffen und auch nicht, „um einfach etwas Gutes zu tun oder aus Sentimentalität“, erläuterte der Papst. Jesu habe dies „durch die Schaffung von Bindungen“ getan. Diese Bindungen seien die in der Lage, „neue Prozesse zu ermöglichen“.

Gott schaut nicht auf Etiketten und Verurteilungen

Gott richte sein Augenmerk nicht auf Etiketten und Verurteilungen, „sondern auf seine Söhne und Töchter“. Eine Gesellschaft würde erkranken, „wenn sie nicht in der Lage ist, sich über die Verwandlung ihrer Glieder zu freuen“, so der Papst. Es sei nicht gut, wenn eine Gemeinschaft „in ein Nörgeln verfällt, das ohne jedes Gespür erdrückt und verurteilt“. Franziskus rief dazu auf, eine Gesellschaft mitaufzubauen, die fruchtbar sei. Dazu müsse sie „eine Dynamik erzeugen, die in der Lage ist, aufzunehmen und zu integrieren“. Man müsse dafür einstehen, Chancen und Alternativen zu schaffen, „die ihren Gliedern neue Perspektiven eröffnen, wenn sie sich dafür einsetzt, eine Zukunft mit Gemeinschaft, Bildung und Arbeit zu ermöglichen“.

Im Programm der katholischen Weltjugendtage ist der Freitag jeweils dem Thema Versöhnung gewidmet. Franziskus hatte ausdrücklich gewünscht, das Treffen in Panama solle auch diejenigen Jugendlichen einbeziehen, die aufgrund ihrer Haft nicht an den öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen könnten.

143 Gefängnisinsassen

Das Gefängnis in Las Garzas de Pacora rund 50 Kilometer östlich der Hauptstadt gilt als vorbildlich in der Rehabilitation. Die 143 jungen Strafgefangenen absolvieren während ihrer Haft verpflichtend eine Schul- oder Berufsausbildung.

Das Thema Versöhnung kommt auch auf anderer Ebene beim Weltjugendtag vor: Gefangene in Panama haben 250 Beichtstühle für das Großereignis mit vielen tausend Pilgern gebaut. Nach Veranstalterangaben sind die Beichtstühle für den „Park der Versöhnung“ im Zentrum der Hauptstadt bestimmt.

(vatican news/kna)

Unser Video zeigt einige Eindrücke von dem Jugendgefängnis. Die Aufnahmen stammen von unseren Korrespondenten vor Ort.

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Ein paar Eindrücke aus dem Jugendgefängnis Pacora
25. Januar 2019, 17:03