Beta Version

Cerca

Vatican News
Migranten durchqueren am Montag den Grenzfluss zwischen Guatemala und Mexiko Migranten durchqueren am Montag den Grenzfluss zwischen Guatemala und Mexiko  (AFP or licensors)

Papst denkt an Migrantenkarawane

Franziskus verfolgt die Nachrichten über die Migrantenkarawane in Richtung US-Grenze sehr genau. Das wird aus spontanen Bemerkungen des Papstes bei einer Audienz von diesem Montag deutlich, die der Vatikan erst am Montagabend veröffentlicht hat.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Der Papst sprach mit der Leitung der Skalabriner: Das ist ein Orden, der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Migranten widmet. In seiner Stegreif-Rede kam Franziskus auch auf die Verzweifelten aus Mittelamerika (vor allem Honduras) zu sprechen, die derzeit durch Mexiko in Richtung US-Grenze ziehen. Allerdings enthielt sich Franziskus, wohl mit Rücksicht auf eine reizbare Trump-Regierung, jeder Wertung.

„Fühlt euch als Migranten!“

„Migranten versuchen in der Regel, gruppenweise zu gehen. Manchmal muss ein Migrant alleine gehen, aber das Normale ist der Zusammenschluss, denn dann fühlen sie sich beim Vorwärtsgehen stärker. Und dort ist dann Gemeinschaft… Und eure Berufung zielt genau auf die Migranten, die sich zusammenschließen. Fühlt euch als Migranten! Fühlt euch als Migranten angesichts der Bedürfnisse, Migranten vor dem Herrn, Migranten untereinander. Darum dieses Bedürfnis, sich zusammenzuschließen.“

Zum Nachhören

Was genau Franziskus vom Zug der mehreren tausend Menschen in Richtung US-Grenze hält, verriet er nicht. Er kommentierte auch nicht die Ankündigung des US-Präsidenten, ihnen die Armee an die Grenze entgegenzuschicken. Das mexikanische Hauptstadt-Erzbistum hat am Montag alle katholischen Gemeinden im Land aufgerufen, den Migranten beizustehen. Sie bräuchten Schutz und seien keineswegs gekommen, um Mexiko oder die USA zu destabilisieren.

„Europa entstand durch Migration“

An anderer Stelle seiner Stegreif-Ansprache rief Papst Franziskus am Montag aber deutlich zur „Aufnahme des Fremden“ auf, erst recht angesichts des „demographischen Winters“ in fast allen westlichen Gesellschaften.

„Ich selbst bin Sohn von Migranten! Und ich erinnere mich: In der Nachkriegszeit, als ich so zehn, zwölf Jahre alt war, kamen die Polen an, um dort zu arbeiten, wo mein Vater beschäftigt war – allesamt Migranten. Und alle wurden gut aufgenommen. Argentinien hat diese Tradition des Aufnehmens, denn es gab Arbeitsplätze, und der Bedarf war da… Migranten bauen ein Land auf, sie haben auch Europa gebaut. Denn Europa ist ja nicht auf einmal so entstanden, Europa bildete sich aus vielen Einwanderungswellen im Lauf der Jahrhunderte.“

(vatican news)
 

30 Oktober 2018, 10:26