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Pino Puglisi und sein Einsatz für die Kinder von Brancaccio

Der Aufenthalt im palermitanischen Viertel Brancaccio stellt zweifelsohne einen zentralen Teil der kurzen, aber intensiven Sizilienreise des Papstes an diesem Samstag dar. Franziskus wandelt mit seinem Besuch auf den Spuren des Märtyrerpfarrers Giuseppe Puglisi, der an diesem sozialen Brennpunkt seine Wirkungsstätte hatte.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Im September 1990 wurde „Don Pino“, wie der rührige Priester ausnahmslos genannt wurde, zum Pfarrer der Kirche San Gaetano in Brancaccio bestellt. Er fand dort eine Situation des totalen menschlichen und strukturellen Niedergangs vor: Prostitution und Drogensucht, Gewalt und Armut, all das unter dem unsichtbaren, aber unausweichlichen Schirm der Mafia, die als einziger Ausweg für einen sozialen Aufstieg aus der Misere gesehen wurde. Kinder wurden mit kleinen Botendiensten gezielt in die Fänge der Organisierten Kriminalität gezogen und hörig gemacht, Eltern und Institutionen schienen – sofern sie überhaupt Anzeichen einer Gegenwehr versuchten – machtlos.

Don Pino jedoch wollte diesem Drama der menschlichen Abgründe nicht tatenlos zusehen und machte die Kinder zum Herz seiner Mission der Nächstenliebe. Er versuchte, die sich selbst überlassenen Kinder von der Straße zu holen, bot ihnen menschliche Wärme und Bildung, erklärte ihnen die Wichtigkeit von Regeln und moralischen Prinzipien – auch im Spiel und insbesondere gegenüber den Schwächsten und Wehrlosen. Regeln, die den Absichten der Mafia diametral entgegenstanden, denn die kleinen Boten von heute sollten die Handlanger und Kriminellen von morgen werden. Es dauerte nicht lange, dass Don Pino seine Mission mit dem Leben bezahlen musste: Am 15. September 1993, seinem 56. Geburtstag, wurde er vor seiner Haustür durch einen Killer der sizilianischen Cosa Nostra mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet.

“ Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. ”

Wie später bekannt wurde, waren es zwei hochrangige Mafiabosse, die den Mord an dem Pfarrer in Auftrag gegeben hatten. Beide wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, wie auch weitere an dem Mordkomplett beteiligte Kriminelle. Der Killer, der Don Pino erschossen hatte, arbeitete im weiteren Verlauf mit der Justiz zusammen und berichtete von dem letzten Lächeln, das der wehrlose Pfarrer ihm im letzten Augenblick seines Lebens geschenkt hatte - und das seinen Mörder so beeindruckt hatte, dass er die Erinnerung daran nach eigener Aussage nie wieder los wurde. Auf dem Grab des Pfarrers eingeschrieben finden sich die Worte aus dem Johannesevangelium: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Kirche von San Gaetano besucht der Papst auch den Ort, an dem Don Pino ums Leben gekommen ist. Im Wohnhaus des Märtyrers ist heute ein Museum eingerichtet, das jedes Jahr durch Tausende von Schülern besucht wird. Im Jahr 2013 wurde Pino Puglisi als erstes Mafiaopfer seliggesprochen.

(vatican news)
 

15 September 2018, 13:13