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Franziskus  bei seiner Generalaudienz Franziskus bei seiner Generalaudienz  (Vatican Media)

Generalaudienz: „Die Mamma darf man niemals beleidigen“

Papst Franziskus findet es traurig, wenn sich Kinder und junge Leute von ihren Eltern entfremden. Bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch ermunterte er alle, die sich mit ihren Eltern zerstritten oder sich von ihnen entfernt haben, sich einen Ruck zu geben.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Du sollst deine Eltern ehren: Die haben uns das Leben gegeben! Wenn du dich von deinen Eltern entfernt hast, mach‘ eine Anstrengung und kehr zu ihnen zurück, vielleicht sind sie schon alt… Sie haben dir schließlich das Leben gegeben. Und auch wenn wir uns angewöhnt haben, Schimpfwörter zu sagen – bitte, niemals die Eltern beleidigen. Niemals! Die Mamma, den Papa darf man niemals beleidigen. Niemals! Nehmt euch das innerlich vor. Von heute an werde ich nie die Mamma oder den Papa von jemandem beleidigen. Sie haben ihm das Leben geschenkt! Sie dürfen nicht beleidigt werden.“

Es ging bei der Papst-Katechese – Sie werden’s vielleicht schon erraten haben, um das vierte Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren. Wobei sich Franziskus zunächst beim Wörtchen „ehren“ aufhielt.

Hier zum Nachhören

Ein Gebot mit Begründung

„Das hebräische Wort bedeutet Ruhm, Wert, Gewicht… Gott zu ehren, meint in der Heiligen Schrift, seine Realität anzuerkennen, mit Ihm zu rechnen, Gott den richtigen Platz in der eigenen Existenz zu geben. Seinen Vater und seine Mutter zu ehren bedeutet dementsprechend, ihre Wichtigkeit anzuerkennen – auch mit konkreten Handlungen, die Hingabe, Zuneigung und Pflege ausdrücken.“

Kennzeichnend für das vierte Gebot sei, dass sogar eine Begründung mitgeliefert wird: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, … damit du lange lebest und es dir gut geht in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt“ (Dtn 5,16).

“ Tausendjährige Weisheit ”

„Die Eltern zu ehren, führt mithin zu einem langen und glücklichen Leben. Das Wort Glück taucht in den Zehn Geboten nur im Zusammenhang mit den Eltern auf. Diese tausendjährige Weisheit erklärt also das, was die Wissenschaften erst seit etwas mehr als einem Jahrhundert herausgearbeitet haben – dass nämlich die Kindheit das ganze Leben prägt… Unsere Kindheit ist so etwas wie eine nicht auslöschbare Tinte; sie drückt sich in unseren Vorlieben aus, unserer Lebensweise, selbst wenn einige die Wunden ihrer Herkunft zu verbergen versuchen.“

Auffallend sei, dass das vierte Gebot nicht davon rede, dass Eltern gütig oder gar perfekt sein sollten. „Es spricht vielmehr von einer Einstellung der Kinder, ganz unabhängig von den Verdiensten der Eltern, und sagt etwas Außergewöhnliches und Befreiendes: Auch wenn nicht alle Eltern gut und nicht alle Kindheiten glücklich sind, so können doch alle Kinder glücklich sein, denn das Erreichen eines vollen und glücklichen Lebens hängt von der gerechten Anerkennung für die ab, die uns in die Welt gesetzt haben.“

 

Sich aussöhnen mit dem Leben

Das sei ein „konstruktives Wort für viele junge Leute, die Leidensgeschichten hinter sich haben“, befand Franziskus. Auch viele Heilige hätten es nach einer schwierigen Kindheit hingekriegt, ein „lichterfülltes Leben“ zu führen, „weil sie sich mit dem Leben ausgesöhnt haben“. Ein Beispiel dafür sei zum Beispiel Josephina Bakhita, die afrikanische Heilige, die als Sklavin aufgewachsen war.

„Egal, woher er kommt – der Mensch empfängt in diesem Gebot die Orientierung, die zu Christus führt. In ihm zeigt sich der wahre Vater, der uns anbietet, dass wir von oben wiedergeboren werden (cf. Joh 3,3-8). Die Rätsel unseres Lebens werden erleuchtet, wenn wir entdecken, dass Gott uns schon immer auf ein Leben als seine Kinder vorbereitet…“

(vatican news)


 

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Eindrücke von der Generalaudienz
19 September 2018, 10:33